Bachelorarbeit, 2021
42 Seiten, Note: 2,0
I. Einleitung
II. Il contrapasso
2.1. Das Talionsprinzip der Bibel als Modell der Vergeltung
III. Inferno: das Leiden in seiner Mannigfaltigkeit
3.1. La Tenebra, sofferenza e nudità
3.2. Der contrapasso der Analogie und der Antithese
3.3. Le pene nell’Inferno
3.4. Vergeltung und Belohnung in den weiteren cantiche
3.4.1. Purgatorio
3.4.2. Paradiso
IV. Dantes Darstellung des contrapasso im nicht-theoretischen Rahmen
4.1. Die Körperlichkeit der Schatten als Merkmal in der Commedia
4.2. Die contrapassi in konkreten, ausgewählten Fällen
4.2.1. Canto V: Francesca e Paolo
4.2.2. Canto XXVIII: Bertran de Born
4.2.3. Canto XXXIII: l’episodio e contrapasso di Ugolino Della Gherardesca
V. Fazit
Diese Bachelorarbeit analysiert das Konzept des contrapasso als zentrales Vergeltungsprinzip in Dantes Divina Commedia. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, wie der Autor Dante dieses Gesetz anwendet, um Sünden und Strafen metaphorisch miteinander zu verknüpfen und welche künstlerischen Freiheiten er sich bei der Ausgestaltung der infernalen Gerechtigkeit nimmt.
3.1. La Tenebra, sofferenza e nudità
Wenn auch vorerst keine Verbindungen zwischen diesen vorangegangenen Begriffen und den Verdammten in der Hölle geknüpft worden sind, haben sie dennoch (allein und noch stärker in ihrer Kombination) das Potenzial, aufgrund ihrer Bildhaftigkeit, Unbehagen auszulösen. Steno Vazzana nennt die Dunkelheit, das Leiden und die Nacktheit als Bedingungen, denen alle Seelen in der Hölle ausgesetzt sind. Wie bereits erläutert, dient die Bestrafung in der Hölle nicht als Rache oder Revanche, sondern vielmehr als Fortführung des eigenen Willens und der eigenen Entscheidungen auf der Erde. Vazzana bringt die zu Lebzeiten begangene Sünde mit der Dunkelheit, la tenebra, in Zusammenhang und argumentiert wie folgt: „PERCHÉ IL PECCATO È TENEBRA? PERCHÉ È SCONOSCEZA DELLA VIA, CIOÈ DELL’INSEGNAMENTO DI CRISTO.“ Im Evangelium nach Johannes (12: 35) ist jene Stelle zu finden, die diese Haltung von Vazzana noch zusätzlich stärkt.
Mit dem Erlöschen des wegweisenden Lichtes entfernt sich auch die Vernunft eines Menschen (von Vazzana als CECITÀ DI RAGIONE bezeichnet), der infolge im Dunkeln umherirrt und blind handelt. Bereits im canto I wird der Leser mit einem solchen Ort voller Dunkelheit, einem dunklen Wald, konfrontiert. Dante selbst positioniert sich in Gestalt des Pilgers in dieser selva oscura und vermittelt dadurch, dass er an einem bestimmten Zeitpunkt seines Lebens das Licht (Metapher für Gott) aus den Augen verloren und dadurch den Platz eines orientierungslosen Blinden eingenommen hatte. Die Rettung Dantes kam in Form des Schattens Vergils, geschickt von Beatrice, welche wiederum von Lucia und Maria dazu bewegt wurde, zu helfen.
I. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Gerechtigkeit im Inferno ein und definiert den contrapasso als wesentliches Modell der infernalen Vergeltung, das im weiteren Verlauf der Arbeit untersucht wird.
II. Il contrapasso: Dieses Kapitel klärt die etymologischen Wurzeln des Begriffs contrapasso und zeigt dessen Abhängigkeit von aristotelischen und theologischen Quellen wie Thomas von Aquin auf.
III. Inferno: das Leiden in seiner Mannigfaltigkeit: Das Kapitel behandelt die allgemeinen Bedingungen in der Hölle, wie Dunkelheit und Nacktheit, und differenziert zwischen verschiedenen Arten der Bestrafung sowie deren Fortführung in Purgatorio und Paradiso.
IV. Dantes Darstellung des contrapasso im nicht-theoretischen Rahmen: Dieser Hauptteil analysiert die literarischen Strategien Dantes, insbesondere den Einsatz von Metaphern, um das vergeltende Prinzip des contrapasso in konkreten Szenen für den Leser nachvollziehbar zu machen.
V. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Erkenntnisse, wobei die Erkenntnis überwiegt, dass der contrapasso eine individuelle Fortführung der menschlichen Entscheidungen im Jenseits darstellt.
Dante Alighieri, Divina Commedia, Inferno, Contrapasso, Vergeltung, Sünde, Strafe, Metapher, Aristoteles, Thomas von Aquin, Poena sensus, Poena damni, Unterwelt, Ugolino della Gherardesca, Gerechtigkeit.
Die Arbeit befasst sich mit dem Vergeltungsprinzip des contrapasso in Dantes Inferno und untersucht, wie dieses Konzept als gerechtes System für die Bestrafung der Sünder im Werk fungiert.
Im Zentrum stehen die theoretische Herleitung des Begriffs, die Anwendung der Strafformen (Analogie und Antithese) sowie die erzählerische Umsetzung dieses Konzepts in ausgewählten Gesängen der Commedia.
Die Arbeit zielt darauf ab zu ergründen, welchen Darstellungsmöglichkeiten sich der Autor Dante bedient, um das Gesetz des contrapasso als roten Faden mit kreativem Spielraum auf die individuellen Sünden der Verdammten anzuwenden.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär textbasiert arbeitet und dabei auf Sekundärliteratur, historische Kontexte des Mittelalters sowie theologisch-philosophisches Fachwissen zurückgreift.
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition des contrapasso, seiner Einordnung in die scholastische Philosophie und der praktischen Anwendung in der poetischen Struktur der Unterwelt.
Die wichtigsten Begriffe sind contrapasso, Dante, Inferno, Vergeltung, Sünde, Metapher und scholastische Philosophie.
Das scholastische Konzept des Luftkörpers erklärt für den Leser, warum die Schatten im Jenseits physische Schmerzen empfinden können, obwohl sie immateriell sind, was die Wirksamkeit der Grausamkeiten im Inferno erst ermöglicht.
Ugolino und der Erzbischof Ruggieri verkörpern eine wechselseitige Strafe, bei der ihre irdischen Taten (Verrat und Hunger als Waffe) direkt in eine ewige, metaphorische Bestrafung (Kannibalismus im Eis) überführt werden, was die Unausweichlichkeit ihrer vorherigen Entscheidungen verdeutlicht.
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