Diplomarbeit, 2009
85 Seiten, Note: 1,0
Vorwort
Einleitung
1 Die Entwicklung zum jungen Erwachsenen
1.1 Die Kindheit
1.2 Die Jugend
1.3 Der Eintritt ins Erwachsenenalter
2 Die psychischen Erkrankungen
2.1 Begriffsdefinition psychischer Störungen
2.2 Die unterschiedlichen Krankheitsbilder der Bewohner sozialtherapeutischer Wohnheime - Vorstellung der psychischen Störungen
2.2.1 Störungen durch psychotrope Substanzen
2.2.2 Schizophrenie
2.2.3 Affektive Störungen
2.2.4 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen
2.2.5 Verhaltensauffälligkeiten in Verbindung mit körperlichen Störungen
2.2.6 Persönlichkeitsstörungen
2.2.7 Intelligenzminderung
2.2.8 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn der Kindheit und Jugend
3 Wohnform und Milieu
3.1 Sozialtherapeutische Wohnheime für psychisch Erkrankte
3.2 Sozialtherapeutisches Wohnheim mit psychisch erkrankten jungen Erwachsenen
3.3 Exkurs: Konzept der Milieugestaltung für Schizophrene nach Luc Ciompi
4 Rahmenbedingungen für ein Wohnheim mit psychisch erkrankten jungen Erwachsenen
4.1 Milieu
4.2 Strukturen
4.2.1 Haltung
4.2.2 Umgang mit den Bewohnern
4.2.3 Auftrag
5 Perspektiven und Ausblick
Die Arbeit untersucht die spezifischen Rahmenbedingungen für sozialtherapeutische Wohnheime, die auf die Betreuung junger, psychisch erkrankter Erwachsener spezialisiert sind, mit dem Ziel, durch eine reflektierte konzeptionelle Arbeit eine verbesserte Lebensperspektive für diese Klientel zu entwickeln.
2.2.1 Störungen durch psychotrope Substanzen
Die psychischen und die Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen sind in der ICD-10 unter der Notation F1 vierstellig dargestellt. So kennzeichnet die dritte Stelle die Substanz, vierte Stelle bezeichnet das klinische Erscheinungsbild (z.B. „F10.1 Schädlicher Gebrauch von Alkohol“80). Unter die psychotropen Substanzen fallen Alkohol, Opiode, Cannabinoide, Sedativa oder Hypnotika, Kokain und andere Stimulanzien einschließlich Koffein, Halluzinogenen, und flüchtigen Lösungsmitteln.81 Grade im Wohnheim mit jungen Erwachsenen ist Drogenkonsum ein wichtiges Thema.
Besonders verbreitet durch die gesellschaftliche Legitimation und somit auch problematisch im Sinne von Abhängigkeit und Missbrauch ist Alkohol und die durch ihn einhergehende Störung. Im Jahr 2005 waren zwei Millionen Deutsche von Alkoholmissbrauch nach dem DSM-IV betroffen, ca. 1,3 Millionen waren nach dieser Definition abhängig.82 Schädlicher Gebrauch, also Missbrauch von Alkohol, ist nach dem ICD-10, F10.1 „wiederholter und länger andauernder vermehrter Alkoholkonsum, der zu eindeutig nachweisbaren psychischen körperlichen oder psychosozialen Problemen führt“.83 Die Alkoholabhängigkeit, F10.2, wird beschrieben als „wiederholter oder kontinuierlicher Alkoholkonsum, trotz eindeutig schädlicher Folgen mit verminderter Kontrollfähigkeit und starkem Verlangen nach Alkohol, ferner Einengung auf den Alkoholkonsum (Trinkrituale) und Toleranzentwicklung sowie ein körperliches Entzugssyndrom bei Abstinenz“84.
1 Die Entwicklung zum jungen Erwachsenen: Dieses Kapitel erläutert die psychische Entwicklung von der Kindheit über die Jugend bis zum jungen Erwachsenenalter als Basis für das Verständnis späterer Störungsbilder.
2 Die psychischen Erkrankungen: Hier werden zentrale psychische Störungen und Krankheitsbilder gemäß ICD-10 vorgestellt und hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Arbeit in sozialtherapeutischen Wohnheimen diskutiert.
3 Wohnform und Milieu: Das Kapitel analysiert die Funktionen sozialtherapeutischer Wohnheime und stellt Konzepte zur Milieugestaltung, insbesondere den Ansatz nach Luc Ciompi, dar.
4 Rahmenbedingungen für ein Wohnheim mit psychisch erkrankten jungen Erwachsenen: Hier werden praktische Anforderungen an Haltung, Struktur und Auftrag der Sozialen Arbeit im Kontext eines spezialisierten Wohnheimkonzepts abgeleitet.
5 Perspektiven und Ausblick: Das Fazit reflektiert die aktuelle Situation in der stationären Psychiatrie und betont die Notwendigkeit innovativer, individueller Betreuungsformen für junge psychisch Erkrankte.
Sozialtherapeutische Wohnheime, junge Erwachsene, psychische Erkrankungen, Alltagsbegleitung, Rehabilitation, Adoleszenz, Schizophrenie, Suchtproblematik, Milieugestaltung, Betreuungskonzept, Hilfeplanung, Selbstwirksamkeit, Lebensperspektive
Die Diplomarbeit befasst sich mit den notwendigen Rahmenbedingungen und Konzepten für sozialtherapeutische Wohnheime, die auf die Betreuung junger, psychisch erkrankter Menschen spezialisiert sind.
Neben der psychologischen Entwicklung im Übergang zum Erwachsenenalter werden verschiedene psychische Krankheitsbilder sowie deren Einfluss auf den Alltag und die notwendige sozialpädagogische Begleitung behandelt.
Das Ziel ist es, aus den theoretischen Erkenntnissen und der Analyse bestehender Wohnheimkonzepte praxisorientierte Zielformulierungen für die Betreuung der speziellen Klientel zu entwickeln.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, dem Vergleich psychiatrischer Konzepte (insb. ICD-10 und Ciompi) sowie der Auswertung praktischer Erfahrungen in der sozialtherapeutischen Arbeit.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Entwicklungsphasen und Störungsbilder sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Anforderungen an Milieu, Strukturen und Haltung im Wohnheimalltag.
Die zentralen Begriffe umfassen Sozialtherapie, junge Erwachsene, psychiatrische Rehabilitation, Alltagsbegleitung und Milieugestaltung.
Die Autorin argumentiert, dass junge Erwachsene durch schwere Erkrankungen und die spezifischen Entwicklungsaufgaben des Lebensabschnitts eine gesonderte, an ihre Lebenswelt angepasste Betreuungsform benötigen, die über allgemeine Konzepte hinausgeht.
Sie kritisiert, dass viele Strukturen der psychiatrischen Versorgung – etwa die häufige Klinikeinweisung oder starre Personalschlüssel – eine Überforderung darstellen und den notwendigen Prozess der Selbstwirksamkeit eher behindern als fördern.
Ciompis "Affektlogik" und die Milieugestaltung dienen als wichtiges humanistisches Korrektiv, um den Fokus von der reinen Symptombekämpfung hin zu einer verstehenden, reizarmen und beziehungsorientierten Begleitung zu verschieben.
Es ist ein symbolisches Instrument, um die systematische Erarbeitung von Alltagskompetenzen – wie Kochen, Waschen oder Geldverwaltung – als Teil des Reha-Prozesses zu strukturieren und den Bewohnern Erfolgserlebnisse zu ermöglichen.
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