Masterarbeit, 2019
94 Seiten, Note: 2,0
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
1. Einleitendes
2. Einführung in George Orwells 1984 und Dave Eggers’ Der Circle
3. Privatsphäre und Öffentlichkeit
3.1. Die Entstehung der modernen Massengesellschaft
3.2. Transparenzzwang und das Ende der Privatsphäre
4. Das Geheime und die Lüge
4.1. Das Geheimnis als soziologische Technik
4.2. Lügen als Technik und Handlungsabsicht
5. Lüge und Geheimnis in 1984 und Der Circle
5.1. Die Geständnisse der Hauptfiguren
5.2. Privatsphäre und Rückzugsorte
5.3. Transparenz und Geheimhaltung in der Politik
6. Fazit
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Rolle von Lügen und Geheimnissen in den dystopischen Romanen "1984" von George Orwell und "Der Circle" von Dave Eggers. Ziel ist es, die Wechselwirkungen zwischen individueller Privatsphäre, staatlicher beziehungsweise unternehmerischer Überwachung und den gesellschaftlichen Forderungen nach Transparenz zu analysieren, wobei die soziologischen Theorien von Georg Simmel und Byung-Chul Han als theoretisches Fundament dienen.
Die Entstehung der modernen Massengesellschaft
Im Rahmen politischer Geheimhaltung wird sich in den meisten Fällen auf die Sicherheit berufen, die nur durch Diskretion aufrecht erhalten werden könne. Jedoch wird dies oft als starker Kontrast zur Transparenz politischer Vorgänge gesehen. Während manche Menschen Geheimhaltung als unabdingbare Voraussetzung für Demokratie erachten, sehen andere darin ein mögliches Potenzial für ein totalitäres Regime à la Orwell, in dem der Staat Überwachungstechnologien für die Observation von Bürgern nutzt, während die eigenen Tätigkeiten im Verborgenen bleiben. Hier wird Transparenz einseitig verteilt, da der Bürger für den Staat transparent ist, der Staat für den Bürger jedoch nicht. Demzufolge, so schreibt Nicole Bauer in ihrem Artikel „Can You Keep a Secret?”, spielen sowohl Geheimhaltung als auch Transparenz eine wichtige Rolle in unserer gegenwärtigen Auffassung von Politik, Demokratie und Totalitarismus. Zwei markante und kontroverse Personen, die versuchten diese Spannung zwischen Sicherheit und Transparenz in der aktuellen Politik zu durchbrechen, sind Julian Assange und Edward Snowden.
Kritiker von Assange und Snowden werfen ihnen vor, dass sie die Handlungsspielräume der Regierung behindert hätten, wodurch vermeintlich Sicherheit und nationale Interessen gefährdet und sogar die Leben vieler Menschen aufs Spiel gesetzt wurden. Doch der ausschlaggebende Unterschied zwischen den Handlungen der beiden besteht darin, dass Assange geheime Dokumente veröffentlicht hat, während Snowden die Verwendung staatlicher Überwachung ans Licht brachte.
1. Einleitendes: Einführung in die Thematik der Lüge und des Geheimnisses innerhalb der Romane 1984 und Der Circle unter Einbeziehung der Soziologie Georg Simmels.
2. Einführung in George Orwells 1984 und Dave Eggers’ Der Circle: Vorstellung der beiden Dystopien, ihrer zentralen Konflikte sowie der dort agierenden Protagonisten.
3. Privatsphäre und Öffentlichkeit: Analyse der theoretischen Grundlagen der Massengesellschaft und der Entwicklung von Transparenz als gesellschaftlichem Zwang.
4. Das Geheime und die Lüge: Eingehende soziologische Betrachtung des Geheimnisses als soziale Technik und der Lüge als Instrument für Handlungsabsichten.
5. Lüge und Geheimnis in 1984 und Der Circle: Konkrete Anwendung der erarbeiteten Theorien auf die Romaninhalte, insbesondere Geständnisszenen und die Flucht in Rückzugsorte.
6. Fazit: Zusammenführung der Erkenntnisse und Einordnung der Bedeutung des Geheimnisses für den Erhalt menschlicher Autonomie im digitalen Zeitalter.
Privatsphäre, Öffentlichkeit, Überwachung, Transparenz, Georg Simmel, Byung-Chul Han, Dystopie, Lüge, Geheimnis, 1984, Der Circle, totalitäres System, Digitalisierung, Identität, Macht.
Die Arbeit analysiert die Funktion von Kommunikation, Geheimnissen und Lügen in totalitären beziehungsweise hochgradig transparenten Gesellschaftssystemen, basierend auf den literarischen Vorlagen von George Orwell und Dave Eggers.
Die Schwerpunkte liegen auf den Wechselwirkungen zwischen staatlicher Kontrolle, unternehmerischer Machtausübung im digitalen Raum, dem Verlust der Anonymität und der soziologischen Relevanz von Rückzugsräumen für das Individuum.
Das Hauptziel besteht darin, die Frage zu erörtern, ob menschliche Beziehungen und politische Systeme ohne die soziologische "Komponente" des Geheimnisses überhaupt existieren können, und wie totalitäre Strukturen versuchen, dieses durch Zwang zur Transparenz auszuhöhlen.
Die Autorin kombiniert literaturwissenschaftliche Textanalysen der Romane mit soziologischen Theorien, insbesondere den Ausführungen von Georg Simmel zur Geheimhaltung sowie den Gegenwartsanalysen von Byung-Chul Han zur Transparenzgesellschaft.
Im Hauptteil liegt ein starker Fokus auf dem theoretischen Überbau der Transparenzgesellschaft und der soziologischen Definition von Geheimnissen, sowie der direkten Anwendung dieser Konzepte auf Schlüsselszenen der untersuchten Romane.
Besonders prägend sind Begriffe wie Privatsphäre, Überwachung, Transparenz, Lüge, Geheimnis sowie die spezifischen Dystopie-Modelle Ozeaniens (Orwell) und des "Circle"-Konzerns (Eggers).
Orwell beschreibt einen staatlichen Zwang in einem totalitären System mittels direkter Kontrolle und Bestrafung, während Eggers ein Unternehmens-Szenario entwirft, bei dem die Akteure durch Anreize und sozialen Druck zur freiwilligen Selbstausleuchtung konditioniert werden.
Es dient als Metapher für das von der Transparenzgesellschaft geforderte gläserne, völlig offene Individuum, dessen völlige Klarheit jedoch nach Analyse der Autorin in eine neue Form der Tyrannei umschlägt.
Die Arbeit argumentiert mit Verweis auf Nietzsche und Simmel, dass nicht alles Wissen für das soziale Miteinander förderlich ist, da ein gewisses Maß an Unklarheit und Distanz die Lebendigkeit zwischenmenschlicher Beziehungen erst ermöglicht.
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