Bachelorarbeit, 2021
57 Seiten, Note: 2,5
1. Einleitung
2. Politische Erziehung
2.1 Zur politischen Erziehung
2.1.1 Politische Erziehung als Demokratieerziehung
2.1.2 Zielvorstellungen
2.1.3 Akteure politischer Erziehung
2.2 Zur politischen Bildung
2.3 Abgrenzung politischer Erziehung zu politischer Bildung
3. Die Coronapandemie in Deutschland
3.1 Verlauf der Pandemie und die Maßnahmen der Bundes- und Länderregierungen
3.2 Kritik an den Maßnahmen und Gegenbewegungen
4. Politische Erziehung der Gesellschaft in der Corona-Pandemie
4.1 Durch die Politik
4.2 Durch die Massenmedien
4.3 Durch die Gesellschaft
4.4 Ist ein politisches „Erziehen“ von Erwachsenen möglich?
5. Fazit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, inwieweit die deutsche Gesellschaft während der Corona-Pandemie durch verschiedene Akteure politisch erzogen wurde. Im Fokus steht dabei die Frage, wie staatliche Vorgaben, mediale Berichterstattung und gesellschaftliche Dynamiken Prozesse der politischen Erziehung beeinflussten und ob Erwachsene unter diesen Bedingungen als adressierbar für pädagogische Erziehungsmaßnahmen gelten können.
Die Rolle der Politik als Erzieher in der Pandemie
Ein wichtiges Momentum in der Corona-Pandemie war aus vielerlei Hinsicht die Rede der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel an die Bevölkerung am 18. März 2020. Diese „historische Rede,“ welche vom Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen als „Rede des Jahres“ ausgezeichnet wurde, diente nicht nur dazu, an die Solidarität der Menschen zu appellieren, sondern darüber hinaus, dass die Bevölkerung es als „IHRE Aufgabe“ begreifen muss sich an die Maßnahmen zu halten, um das Infektionsgeschehen einzudämmen bzw. zu stoppen.
Mit den Worten „IHRE Aufgabe“ wurde der Bevölkerung eine Orientierung zugemutet und gleichzeitig der Mut aufgebürdet, auf medizinische Expertinnen und Experten zu vertrauen und ihr gesellschaftlichen Sozialleben im großen Rahmen einzuschränken. Die Kanzlerin fungierte in diesem Fall als Erzieherin und indem sie auf Einsicht der Bevölkerung appellierte, entstand ein Erziehungsversuch gegenüber der Bevölkerung, welches ein erziehendes, souveränes Subjekt darstellt, rational denken kann und im Resultat solidarisch handeln kann. Denn zu diesem Zeitpunkt verfügt die Gesellschaft über prinzipielle Handlungsfreiheit, ist befähigt zur Einsicht in den vorliegenden Sachverhalt des Infektionsgeschehens und ist, wie in einem Sozialstaat üblich, auferinander angewiesen.
Auswirkungen der Rede der Bundeskanzlerin konnten schon nach kurzer Zeit beobachtet werden, durch Schilder und Erklärungstafeln vor dem Betreten geschlossener Räume, welche auf das „Social Distancing“ und das Tragen einer Mund- und Nasenschutzmaske Aufmerksam machen sollten. Ab sofort ist man nicht nur vernünftig, kontrolliert und distanziert, wenn man sich an die Appelle der der Politikerinnen und Politiker, insbesondere der Bundeskanzlerin hält, sondern man gilt zusätzlich als verantwortungsvoll und zugewandt, wenn man sich auf die Gebote des Verzichts wie das Einhalten der AHA-Regeln und dem möglichst seltenen Verlassen der eigenen Wohnung hält.
1. Einleitung: Die Einleitung legt den Kontext der Corona-Pandemie als historischen Ausnahmezustand dar und begründet das Ziel, die dabei stattgefundenen Prozesse politischer Erziehung wissenschaftlich zu untersuchen.
2. Politische Erziehung: Dieses Kapitel definiert und theoretisiert den Begriff der politischen Erziehung, grenzt ihn von politischer Bildung ab und identifiziert zentrale Zielvorstellungen sowie Akteure.
3. Die Coronapandemie in Deutschland: Es erfolgt eine chronologische Aufarbeitung der staatlichen Maßnahmen und Lockdowns sowie ein Überblick über die Kritik der Protagonisten und Gegenbewegungen.
4. Politische Erziehung der Gesellschaft in der Corona-Pandemie: Das Hauptkapitel analysiert empirisch die verschiedenen Akteure (Politik, Medien, Gesellschaft) und deren Funktion als Erziehende bzw. Ko-Erziehende der Bevölkerung während der Pandemie.
5. Fazit: Das Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und beantwortet die Forschungsfrage zur politischen Erziehbarkeit Erwachsener unter den Bedingungen der Pandemie.
Politische Erziehung, Demokratieerziehung, Corona-Pandemie, politische Bildung, Solidarität, Pandemie-Maßnahmen, Freiheitsrechte, politischer Erziehungsprozess, Querdenkerbewegung, gesellschaftliche Orientierungszumutung, Erwachsenenbildung, Krisenmanagement, Partizipation, mediale Erziehung, soziale Kontrolle.
Die Arbeit untersucht, ob und wie die deutsche Gesellschaft während der Corona-Pandemie durch staatliche, mediale und gesellschaftliche Maßnahmen gezielt politisch "erzogen" wurde.
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Politik zu den Bürgern in Krisenzeiten, die Verschiebung von politischer Bildung hin zu politischer Erziehung sowie der Einfluss von Massenmedien auf soziale Normen.
Die zentrale Fragestellung lautet: Inwieweit wurde die deutsche Gesellschaft innerhalb der Corona-Pandemie politisch erzogen?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung politischer Erziehungsprozesse und einer diskursanalytischen Betrachtung medialer und politischer Kommunikation während der Pandemie.
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung des Pandemieverlaufs und eine detaillierte Analyse der Akteure (Politik, Massenmedien, Gesellschaft), die als Erziehende bzw. Ko-Erziehende fungierten.
Zu den Schlüsselbegriffen gehören Politische Erziehung, Demokratieerziehung, Orientierungszumutung, Kollaterale Erziehungseffekte und die kritische Distanz zur staatlichen Indoktrination in Krisenzeiten.
Der Autor interpretiert Merkels historische Rede vom 18. März 2020 als zentralen Ausgangspunkt eines Erziehungsversuchs, bei dem die Einhaltung der Maßnahmen als moralische Bürgerpflicht ("Ihre Aufgabe") gerahmt wurde.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Erwachsene zwar nicht in einem schulischen Sinn "erzogen" werden sollten, durch strukturelle Sanktionen und gesellschaftlichen Druck in Krisenzeiten jedoch sehr wohl Lernprozesse und Anpassungsleistungen induziert werden können.
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