Bachelorarbeit, 2008
41 Seiten, Note: 1,3
1 GLIEDERUNG NACH SOZIOLOGISCHEM ERKLÄRUNGSMODELL
2 STREIK: DEFINITION UND HINTERGRÜNDE
2.1 STREIK
2.2 GEWERKSCHAFTEN
3 SOZIOLOGISCHE HANDLUNGSTHEORIE: AKTEURSMODELLE
3.1 HOMO OECONOMICUS
3.2 HOMO SOCIOLOGICUS
3.3 EMOTIONAL MAN
3.4 IDENTITÄTSBEHAUPTER
3.5 FAZIT AKTEURSMODELLE
4 AKTEURSTHEORETISCHE ERKLÄRUNG VON STREIKVERLAUF
4.1 HANDLUNGSMOTIVE
4.2 SCHWELLENWERTMODELL
4.3 ANWENDUNG DES SCHWELLENWERTMODELLS
5 ILLUSTRIERENDE FALLBEISPIELE
5.1 GATE GOURMET - MENSCHENWÜRDIGERE ARBEITSBEDINGUNGEN & MEHR LOHN
5.2 OPEL - STANDORTVERTEIDIGUNG DEUTSCHLAND
5.3 FAZIT FALLBEISPIELE
6 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
6.1 ZUSAMMENFASSUNG
6.2 AUSBLICK
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Erklärungslücke der klassischen Ökonomie hinsichtlich der Entstehung von Streiks durch die Anwendung eines soziologischen Erklärungsmodells zu schließen. Hierbei wird untersucht, wie individuelles Handeln durch ein Zusammenspiel ökonomischer und soziologischer Faktoren in ein kollektives Streikgeschehen mündet.
3.1 HOMO OECONOMICUS
Der Homo Oeconomicus entstammt der sog. Rational Choice Theorie (RCT), die mittlerweile als Sammelbezeichnung verschiedener Ansätze einer Handlungstheorie der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften gilt. Die RCT hat sich als individualistisches Paradigma ab den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts in Konkurrenz zum normativen und interpretativen Paradigma (vgl. die folgenden Ausführungen zum Homo Sociologicus) entwickelt und sich (zumindest gemäß Schimank) als dominierendes Paradigma der soziologischen Theorie gegenüber Systemtheorie und Interaktionismus durchgesetzt. Dieses Paradigma umfasst unterschiedliche Theorietraditionen und wird u.a. von Raymond Boudon, James S. Coleman, Anthony Downs, Hartmut Esser, Siegwart Lindenberg, Mancur Olson und Karl-Dieter Opp vertreten, gleichzeitig aber auch u.a. von Alfred Schütz und Norman Denzin heftig kritisiert.
Historisch orientieren sich die Theorien der rationalen Wahl an der klassischen Ökonomie Adam Smiths und berufen sich auf Max Webers Programm einer verstehenden Soziologie. Sie versuchen, komplexe soziale Handlungen mit Hilfe möglichst einfacher Modellannahmen zu fassen. Erklärungsmodelle der rationalen Wahl reichen vom klassischen Homo Oeconomicus, wie hier im Folgenden beschrieben, bis zum RREEMM (Restricted Resourceful Expecting Evaluating Maximising Man) von Lindenberg der modernen Soziologie. Der Homo Oeconomicus gilt aber in „reiner“ Form vorrangig als das Akteursmodell der Wirtschaftswissenschaft und wird dort als idealer ausschließlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten denkenden und handelnden Akteur charakterisiert. Über den Rationalitätsbegriff des so gekennzeichneten Individuums, der den Ausgangspunkt dieses Modells darstellt, gibt es, ebenso wie über die Gewichtung und Entstehung der Präferenzen bei Handlungswahlen, keine Einigkeit. Einigkeit besteht aber wiederum bei der Ansicht, die RCT als Bestandteil des strukturell- individualistischen Ansatzes zu verstehen, der postuliert, dass alle soziologischen Analysen im Sinne des nach Coleman benannten Methodologischen Individualismus letztlich auf individuelle Handlungen zurückführbar sind.
1 GLIEDERUNG NACH SOZIOLOGISCHEM ERKLÄRUNGSMODELL: Das Kapitel erläutert den Aufbau der Arbeit auf Basis des soziologischen Modells von James S. Coleman (sog. Coleman'sche Badewanne) zur Analyse von Makro-Mikro-Makro-Zusammenhängen.
2 STREIK: DEFINITION UND HINTERGRÜNDE: Es erfolgt eine Definition des Streikbegriffs sowie eine Einordnung in den institutionellen Kontext des deutschen Gewerkschaftssystems als Rahmenbedingung.
3 SOZIOLOGISCHE HANDLUNGSTHEORIE: AKTEURSMODELLE: Vorstellung der vier relevanten Akteursmodelle (Homo Oeconomicus, Homo Sociologicus, Emotional Man, Identitätsbehaupter) zur Erklärung individueller Entscheidungsmotive.
4 AKTEURSTHEORETISCHE ERKLÄRUNG VON STREIKVERLAUF: Analyse der kollektiven Aggregation von individuellem Handeln unter Nutzung des Schwellenwertmodells von Mark Granovetter.
5 ILLUSTRIERENDE FALLBEISPIELE: Praktische Anwendung der Theorie anhand der Streikfälle bei Gate Gourmet und Opel zur Rekonstruktion und Validierung der Streikabläufe.
6 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: Zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse sowie eine Einschätzung der zukünftigen Entwicklung der Streikkultur unter Berücksichtigung verschiedener Handlungsmotive.
Streik, Handlungstheorie, Homo Oeconomicus, Homo Sociologicus, Schwellenwertmodell, Kollektive Mobilisierung, Arbeitskampf, Gewerkschaften, Soziologie, Akteursmodelle, Rational Choice, Identitätsbehauptung, Emotional Man, Sozialer Widerstand.
Die Arbeit untersucht die Entstehung von Streiks aus einer soziologischen Perspektive, indem sie ökonomische und soziale Handlungsmotive miteinander verknüpft.
Die zentralen Felder umfassen die Soziologie industrieller Beziehungen, Handlungstheorien, Modelle kollektiven Verhaltens sowie die Analyse von Streikprozessen.
Ziel ist es, die Erklärungslücke der Ökonomie bezüglich der Entstehung von Arbeitskämpfen durch die Einbeziehung soziologischer Akteursmodelle wie dem "Emotional Man" oder "Identitätsbehaupter" zu schließen.
Es wird das soziologische Erklärungsmodell nach James S. Coleman (Makro-Mikro-Makro) genutzt, kombiniert mit dem Schwellenwertmodell zur Erklärung kollektiver Mobilisierung.
Im Hauptteil werden theoretische Akteursmodelle erläutert, die Logik der Aggregation von Handlungen beschrieben und diese Theorien anhand der Fallbeispiele Gate Gourmet und Opel angewendet.
Wesentliche Begriffe sind Streik, Handlungstheorie, Schwellenwertmodell, kollektive Mobilisierung und soziale Akteursmodelle.
Während der Streik bei Gate Gourmet trotz langer Dauer erfolgreich war und eine Dynamik entwickelte, scheiterte der Opel-Streik aufgrund mangelnder gewerkschaftlicher Einbindung und fehlender Anschlussdynamik innerhalb der Belegschaft.
Die Gewerkschaft fungiert als korporativer Akteur, der individuelle Handlungen bündelt, aber auch Spannungen zwischen verschiedenen Mitgliedergruppen (Aktive vs. Passive/Skeptiker) aufweist.
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