Magisterarbeit, 2008
98 Seiten, Note: 1,0
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
I. Einleitung
II. Theorieteil
1. Popliteratur
1.1. Einführung
1.2. Kriterien nach Jung und Ullmaier
1.3. Pop in der Literaturgeschichte
1.4. Kritik an der Popliteratur
2. Körpertheorien
2.1. Einführung
2.2. Von der Trennung zur Unterdrückung
2.3. Widersprüche der Gegenwart
3. Körper in der Literatur
4. Untersuchungsmethode und Begriffsklärung
III. Lektüreteil
1. Christian Kracht „Faserland“
1.1. Autor und Inhalt
1.2. Der unterdrückte Körper
1.2.1. Die Missachtung des Körpers
1.2.2. Die Sorge um die Oberfläche
1.2.3. Der Körper meldet sich zurück
1.3. Resümee
2. Sibylle Berg „Amerika“
2.1. Autorin und Inhalt
2.2. Der bewertete Körper
2.2.1. Der hässliche Körper
2.2.2. Verschwinden im Schmerz
2.2.3. Der schöne Körper
2.2.4. Verschwinden im Glück
2.3. Resümee
3. Kai Damkowski „angst sucht hase“
3.1. Autor und Inhalt
3.2. Der transgressive Körper
3.2.1. Körper als Innenwelt: Präsenz
3.2.2. Körper und Außenwelt: Osmose
3.2.3. Körper in der Synthese: Absenz
3.3. Resümee
IV. Schlussbetrachtung
V. Bibliographie
Die Arbeit führt die Diskurse „Körper“ und „Popliteratur“ zusammen, um die in Wissenschaft und Feuilleton häufig geäußerte Generalisierung vom „Körperkult“ in der Popliteratur zu prüfen. Dabei wird ein Untersuchungsinstrumentarium entlang der Hauptachse von „Aufladung“ und „Verschwinden“ entwickelt, um die paradoxen, kulturwissenschaftlich herausgearbeiteten Standpunkte zum Körper der Gegenwart anhand von drei repräsentativen Romanen zu verifizieren.
1.2.1. Die Missachtung des Körpers
Gleich zu Anfang des Romans erfährt der Leser, dass sich der Protagonist auf Sylt an einem Imbiss eine zweite Portion Scampis mit Knoblauchsoße bestellt, obwohl ihm bereits nach der ersten übel gewesen ist. Parallel dazu trinkt er am Ende seiner Reise in einem Hotel in der Schweiz Kaffee, obwohl er gar keinen mag. Er meint hierzu:
Mein Herz fängt an, wie blöd zu rasen, und ich fühle mich schwindlig, aber ich trinke trotzdem morgens zwei große Tassen.
Die in beiden Fällen deutlich werdende Missachtung von Signalen ist für das Verhältnis des Protagonisten gegenüber seinem Körper programmatisch. Dabei kann nicht davon ausgegangen werden, dass er dessen Signale nicht als solche verstünde. Phänomene wie Herzklopfen oder Übelkeit nimmt der Protagonist durchaus und zum Teil sogar mit verstärkter Aufmerksamkeit wahr, steht diesen jedoch neutral bis gleichgültig gegenüber. Im Allgemeinen bleibt die Kenntnisnahme ohne Konsequenz für die weitere (Be-)Handlung. Insofern kann von „emotionslose(r) Beschreibungsakribie“ gesprochen werden, auch wenn diese nicht in detailliert-pathologische Bereiche vordringt.
Fast scheint es, als möchte sich der Protagonist bewusst „unvernünftig“ verhalten. Demzufolge lässt sich fragen, ob er die Unterdrückung bewusst vollzieht und instrumentalisiert, um sich anschließend mit doppelter Intensität den Folgen respektive den peinlichen Auswürfen widmen zu können. Die nach außen getragene Gleichgültigkeit wäre demnach eher kindliches Kalkül nach dem Motto: „Schaut einmal, was ich mit meinem Körper alles anstellen kann!“.
I. Einleitung: Die Einleitung führt in die zentrale Thematik der Arbeit ein und verknüpft die Begriffe „Körper“ und „Popliteratur“, wobei die Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen „Aufladung“ und „Verschwinden“ als methodische Leitlinie etabliert wird.
II. Theorieteil: In diesem Kapitel werden grundlegende Definitionen zur Popliteratur erarbeitet und körpertheoretische Diskurse sowie deren Relevanz für literarische Darstellungen dargelegt.
III. Lektüreteil: Der Hauptteil analysiert exemplarisch die Werke „Faserland“ von Christian Kracht, „Amerika“ von Sibylle Berg und „angst sucht hase“ von Kai Damkowski hinsichtlich ihrer spezifischen Körperdarstellungen und -diskurse.
IV. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse der Analysen zusammen und bestätigt die Parallelität von Körperaufwertung und Körperverdrängung in der untersuchten Popliteratur.
V. Bibliographie: Das Verzeichnis listet sämtliche verwendeten Primär- und Sekundärquellen auf.
Popliteratur, Körpertheorien, Christian Kracht, Sibylle Berg, Kai Damkowski, Körperlichkeit, Identität, Transzendenz, Entkörperung, Oberfläche, Faserland, Amerika, angst sucht hase, Postmoderne, Gegenwartsliteratur.
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Körper und Popliteratur in drei deutschen Romanen der neunziger Jahre, um die These eines „Körperkults“ kritisch zu hinterfragen.
Die Arbeit fokussiert sich auf die Begriffe „Aufladung“ und „Verschwinden“ des Körpers, die als paradoxe Tendenzen in den gewählten Werken identifiziert und analysiert werden.
Ziel ist es zu belegen, dass in der Popliteratur der neunziger Jahre Körper nicht nur „aufgeladen“ werden (etwa durch Konsum oder Oberfläche), sondern gleichzeitig Tendenzen des „Verschwindens“ (z. B. durch Drogen, psychische Störungen oder den Wunsch nach Entkörperlichung) aufweisen.
Die Autorin verzichtet auf ein starres, schematisches Fragenrepertoire und wählt einen induktiven Ansatz, bei dem das Untersuchungsinstrumentarium aus den spezifischen Bedürfnissen der drei analysierten Romane abgeleitet wird.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Lektüre von Krachts „Faserland“, Bergs „Amerika“ und Damkowskis „angst sucht hase“, wobei jeweils nach einer Einleitung zu Autor und Inhalt die spezifischen körperbezogenen Spannungsfelder untersucht werden.
Zu den Kernbegriffen gehören neben der Popliteratur insbesondere die Kategorien „Körper“, „Identität“, „Postmoderne“ sowie die Begriffe „Aufladung“ und „Verschwinden“.
Die Sorge um die Oberfläche fungiert bei Kracht als kompensatorischer Akt zur Missachtung körperlicher Bedürfnisse; Markenkleidung und äußeres Erscheinungsbild dienen dem Protagonisten als letzte Orientierungspunkte in einer als elend empfundenen Welt.
„Amerika“ verdeutlicht die Dichotomie von „schön“ und „hässlich“ und zeigt auf, dass der Körper sowohl als Instrument für soziale Distinktion als auch als Quelle von Schmerz und existenzieller Not fungiert.
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