Diplomarbeit, 2007
159 Seiten, Note: Sehr gut
Prolog
1 Einleitung
1.1 Erkenntnisinteresse und These
1.2 Fragestellung, Methode und Struktur
2 Makroanalyse
2.1 Die Kultur: Prozess der deutschen Aufklärung
2.1.1 Allgemeine Momente der Deutschen Aufklärung
2.1.2 Spezielle Momente der Deutschen Aufklärung
2.1.2.1 Karl Heinrich Seibts Sendungsbewusstsein
2.1.2.2 Das sapere aude und der Staatsdienst
Exkurs: Größtmögliches Glück für die größtmögliche Zahl
2.2 Die Politik: Maria-Theresianischer Reformabsolutismus
2.2.1 Der „geräuschlose Raumgewinn der Aufklärung“
2.2.2 Vormoderne Zustände und erste Reformen
2.3 Die Ökonomie: Staatswirtschaftslehre im Dienste des Staatszwecks
2.3.1 Joseph von Sonnenfels und seine Funktion als „Staatsstilist“
2.3.1.1 Staatslehre und kameralistisches System
2.3.2 Das staatsbürgerliche Erziehungsprogramm
Exkurs: Unglückseliger Zustand der deutschen Schulen
2.4 Die Pädagogik: Schule als Politicum
2.4.1 Johann Ignaz von Felbiger und die großen Reformen
2.4.1.1 Neue Methoden – verbesserter Unterricht
2.4.2 Die Elementarschulreform innerhalb der monarchia austriaca
2.4.2.1 Instandsetzung der Allgemeine Schulordnung von 1774
2.4.2.2 Die Lehrervorbildung für die deutschen Schulen
2.4.2.3 Die allgemeine Schulreform und ihre Auswirkungen
Rückblick
3 Mikroanalyse
3.1 Mikrophysik der Macht
3.1.1 Gelehrige Körper durch Disziplin
3.1.1.1 Die Kunst der Verteilungen
3.1.1.2 Kontrolle der Tätigkeiten
3.1.2 Die Norm als Mittel der guten Abrichtung
3.1.2.1 Der hierarchische Blick
3.1.2.2 Die normierende Sanktion
3.1.2.3 Die Prüfung
Rückblick
4 Ausblick
Die Arbeit untersucht die historische Implementierung der allgemeinen Schulpflicht in der österreichischen Monarchie im Jahr 1774 unter Kaiserin Maria Theresia. Das Hauptziel besteht darin, die staatliche Bildungsreform als ein Instrument der Disziplinierung und Normalisierung des Gesellschaftskörpers zu analysieren, wobei die machttheoretischen Konzepte von Michel Foucault auf die Schulreformschriften von Johann Ignaz von Felbiger angewendet werden, um die Verbindung zwischen staatlicher Rationalität und der Zähmung des menschlichen Körpers aufzuzeigen.
3.1.1.1 Die Kunst der Verteilungen
Die Organisation eines seriellen Raumes und die Verteilung der Individuen im Raum war eine der großen technischen Mutationen, welche durch die Einführung des Elementarunterrichts ermöglicht worden ist und wodurch das traditionelle Unterrichtssystem abgelöst wurde. Erstes Merkmal ist die bauliche Abtrennung von der Umgebung, die so genannte Klausur.
Im Zuge der Theresianischen Schulreform wurde auch der Organisation der Schulbauten entsprechendes Augenmerk geschenkt, da die Unterrichtsbedingungen zuvor keiner allgemein verbindlichen Festlegung zugeführt worden waren: Die Allgemeine Schulordnung von 1774 verordnet innerhalb der § 3 und § 4 den Bau der Schulgebäude betreffend, dass jene nach der allgemein festgesetzten Art und sobald als möglich eingerichtet, und in allen Dingen ohne irgend eine Ausnahme der Schulkommission der Provinz, in der sie sich befinden, unterstellt werden sollen. Wenn neue Schulgebäude errichtet, oder alte verbessert werden, müssen darin so viele Schulstuben angelegt werden, als Lehrer zugleich unterrichten. Die Schulstuben dürfen durchaus nicht zu irgendeinem anderen Gebrauch dienen, deshalb muss die Schulstube auch auf dem Lande von der Wohnung des Schulmeisters abgesondert sein.
1 Einleitung: Die Einleitung legt das theoretische Fundament mittels Michel Foucaults Konzepten dar und definiert das Ziel der Arbeit, die Geschichte der Disziplinierung des Gesellschaftskörpers durch die österreichische Schule nach 1774 zu rekonstruieren.
2 Makroanalyse: Dieses Kapitel beschreibt die vier gesellschaftlichen Triebkräfte – Aufklärung, Reformabsolutismus, Kameralistik und Pädagogik –, die gemeinsam auf die Nutzbarmachung des Volkes durch das "Glückseligkeitspostulat" abzielten.
3 Mikroanalyse: Hier findet die kritische Relektüre der Felbiger-Schriften statt, wobei Unterrichtsmethoden als konkrete Disziplinierungstechniken entlarvt werden, die den Körper des Schülers als "politisches Objekt" formen.
4 Ausblick: Der Ausblick verbindet die historische Analyse mit den Strukturen der modernen Kontrollgesellschaft und reflektiert, wie sich das Schul-Dispositiv in eine neue, flexiblere Form der Selbstkontrolle gewandelt hat.
Schulpflicht, Maria Theresia, Johann Ignaz von Felbiger, Michel Foucault, Disziplinarmacht, Reformabsolutismus, Kameralistik, Elementarschule, Normalisierung, Macht, Körper, Staat, Aufklärung, Schulpädagogik, Institutionengeschichte.
Die Arbeit analysiert die Einführung der allgemeinen Schulpflicht in der österreichischen Monarchie 1774 als ein staatlich gesteuertes Projekt, um aus der Bevölkerung "brauchbare" und "disziplinierte" Untertanen zu formen.
Es wird das machttheoretische Instrumentarium von Michel Foucault genutzt, insbesondere die Konzepte von Macht, Disziplin, Norm und dem "politischen Körper", um die Schulreformschriften von Felbiger kritisch zu beleuchten.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie das pädagogische Handeln und die neue Schulorganisation des 18. Jahrhunderts dazu dienten, den menschlichen Körper in eine produktive staatliche Ordnung einzubinden.
Die Kameralistik diente als staatswirtschaftliche Lehre, die Bildung als Investition in "Humankapital" betrachtete und somit die Notwendigkeit eines einheitlichen, staatlich kontrollierten Schulsystems begründete.
Felbigers Schriften werden als Dokumente einer Mikrophysik der Macht untersucht, in denen alltägliche Unterrichtstechniken (wie die Tabellen- oder Buchstabenmethode) als Disziplinierungspraktiken identifiziert werden.
Sie ist ein mächtiges Disziplinierungsinstrument, das durch Belohnung und Bestrafung das Verhalten der Schüler systematisch in Richtung Konformität und "Sittsamkeit" lenkt.
Der Normschüler ist ein Konstrukt der Disziplinargesellschaft, anhand dessen Schüler messbar, klassifizierbar und vergleichbar gemacht werden, was die individuelle Entwicklung der Lernenden einer strikten Kontrolle unterwirft.
Der Ausblick stellt die These auf, dass die damalige Disziplinierungsschule in die moderne "Kontrollgesellschaft" übergegangen ist, in der nun der "Schulmanager" und die "Schlüsselqualifikationen" die Form der Selbstkontrolle dominieren.
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