Magisterarbeit, 2008
121 Seiten, Note: Sehr gut
1. Einleitung
1.1. Fragestellung
1.2. Theorie und Methode
1.2.1. Theorie
1.2.2. Methode
2. Äthiopische Historie und historisch fundierte Leitlinien der Außenpolitik
2.1. Chronologie und Faktoren der äthiopischen Erfahrungswelt
2.1.1. Aksum und Äthiopien bis zur Kolonialzeit
2.1.2. Äthiopien von der Konsolidierung bis zum Ende des Kalten Krieges
2.1.3. Äthiopien nach 1991: Eine ‚zentralistische Föderation’
2.1.4. Gewalt, Militarisierung und Proliferation
2.1.4.1. Gewalt und Gewaltgewöhnung
2.1.4.2. Militär und Militarisierung
2.1.4.3. Bewaffnung und Proliferation
2.1.5. Der Faktor Religion
2.1.5.1. Christentum: Die koptische Orthodoxie
2.1.5.2. Der Islam und der Islamismus
2.2. Außenpolitik unter Haile Selassie und Mengistu Hailemariam
2.3. Historische Einflüsse und historisch beeinflusste Leitlinien äthiopischer Außenpolitik
2.3.1. Sendungsbewusstsein und regionale Hegemonialmacht
2.3.2. Christentum vs. Islam: Krieg gegen die Isolation
2.3.3. Machtimport durch Bündnispolitik und: Der Feind meines Feindes ist mein Freund
2.3.4. Militarisierung und Verheerung
2.3.5. Ägypten und die Nilfrage
3. Somalia bis zum Jahr 2000
3.1. Das Clansystem: Segmentäre Gesellschaft und pastorale Demokratie
3.2. Die Kolonialzeit: Aufteilung und Gegenwehr
3.3. Unabhängigkeit und Diktatur im Zeichen der nationalen Einigung
3.4. Anarchie nach 1991: Fragmentierung ins Chaos
3.4.1. Internationale Intervention
3.4.2. Konsequenzen
3.5. Der Islam in der somalischen Gesellschaft und Konfliktstruktur
3.6. Äthiopien im Kontext der somalischen Erfahrungswelt
4. Die allgemeine Konstellation am Greater Horn
4.1. Strategische Bedeutung der Region und internationale Interessen
4.1.1. Auswirkungen externer Interventionen am Horn
4.2. Die inneren Grundsätze regionalstrategischer Abläufe
4.3. Die Konstellation vor dem äthio-eritreischen Krieg: Die New African Leaders
4.4. Das Sudan-Containment
4.5. Die regionale Konstellation nach dem Stillhaltevertrag von Algier
4.6. Die Intergovernmental Authority on Development (IGAD)
4.7. Zusammenfassung der Situation
5. Die äthiopische Außenpolitik unter dem Regime Meles Zenawi
5.1. Die Außenpolitik bis zum Krieg mit Eritrea
5.2. Krieg mit Eritrea: „Verdun in der Wüste“
5.3. Die Außenpolitik Äthiopiens nach dem Schiedsspruch der IBC
5.4. Die Außenpolitik nach Westen
5.5. Die äthiopische Somaliapolitik bis 2000: Friedensinitiativen, Sabotage, Intervention
5.5.1. Frühe militärische Eingriffe
5.5.2. Kontinuierliche Eskalation nach dem äthio-eritreischen Krieg
5.5.3. Plan B: Die Institutionalisierung der Anarchie
5.5.4. Die Politik gegenüber Somalialand
5.6. Conclusio: Eine Regierung mit eingeschränkten Handlungsoptionen?
6. Somalia und die Äthio-Connection seit dem Jahr 2000
6.1. Die Arta-Konferenz und das Transitional National Government (TNG)
6.1.1. Die Union of Islamic Courts (UIC): Entstehung und Ausrichtung
6.2. Eine Regierung äthiopischer Prägung: Das Transitional Federal Government (TFG)
6.2.1. Blitzkrieg der UIC: Islamisten gegen Kriegsherrn im War on Terror
6.2.2. Der Vorabend zur Invasion
6.2.3. Die Invasion und danach: Going Iraq?
6.2.4. Die Rebellion: Heterogene Guerilla und ein Ziel
6.3. Zusammenfassung: Mangel an Optionen
6.4. Ausblick
7. Die Rolle der Vereinigten Staaten am Horn von Afrika und bei der äthiopischen Invasionsentscheidung
7.1. Die regionale Bedeutung der USA in der Vergangenheit
7.2. Die amerikanische Somaliapolitik
7.3. War on Terror und äthiopische Invasion
7.4. Die militärische Präsenz in der Region
7.5. Perspektiven, Image, Interessen
8. Synopse: Entscheidungsstränge und Perzeptionen der äthiopischen Somaliapolitik
8.1. Direkte Bedrohungen
8.1.1. Gefahr von außen: Islamismus
8.1.2. Gefahr von innen: OLF und ONLF
8.1.3. Der äthio-eritreische Stellvertreterkrieg
8.1.4. Offene Drohungen aus Mogadischu
8.2. Indirekte Bedrohungen
8.2.1. Der Unsicherheitsfaktor Sudan
8.2.2. Ägypten und die Nilwasserfrage
8.3. Weitere Ziele und Motivationen
8.3.1. Abullahi Yusuf: Ein Freund Äthiopiens
8.3.2. Der Meerzugang als ökonomisches Diktat
8.3.3. Das äthiopische Streben nach der regionalen Hegemonie
8.3.4. Die USA als positiver Faktor: Tolerierung, Genehmigung, Aufforderung?
8.3.5. Faktor Öl
8.3.6. Äthiopische Innenpolitik
8.4. Mentalität, Zwänge, Alternativen
8.4.1. Die äthiopische Grundangst vor der Isolation
8.4.2. Die mentale Verfassung einer Guerilla-Regierung
8.4.3. Flexible Reaktion als Antwort auf einen Blitzkrieg
8.4.4. Anarchie als Exit-Strategie
9. Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht den Stellenwert Somalias in der Außenpolitik Äthiopiens im Zeitraum 2006-2008 unter besonderer Berücksichtigung US-amerikanischer Interessen am Horn von Afrika. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, welche Motive und Faktoren Äthiopien zum Einmarsch in Somalia bewogen haben und wie diese Entscheidung in den Kontext historischer und strategischer Rahmenbedingungen eingebettet ist.
2.3.1. Sendungsbewusstsein und regionale Hegemonialmacht
Primär kann festgehalten werden, dass die zentraläthiopische Kultur und Geschichte in ihrer Umgebung – wie überhaupt auf der Erde – als einzigartig bezeichnet werden muss. Dass dieser Aspekt integraler Bestandteil des Selbstverständnisses von Amharen und Tigray ist, darf angenommen werden.
Zugrunde liegt dem daraus resultierenden Sendungsbewusstsein sowohl die Christianisierung als auch die frühe Mythologisierung der kaiserlichen Herkunftslinie. Damit stellten sich die staatstragenden Völker – ähnlich ihren Äquivalenten anderswo – über alle anderen Ethnien und Nationen. Dieses Selbstbewusstsein führte in der alsbald feindlichen Umgebung moslemischer Nachbarn zu Konflikten, die trotz aller innerer Zerwürfnisse auf äthiopischer Seite zur relativen Einigkeit beigetragen haben.
Diese verinnerlichte Einzigartigkeit wurde von den Amharen im Kolonialzeitalter bis zum Fall von Haile Selassie II. und auch noch unter Mengistu im Zuge von Expansion und Amharisierungspolitik betont und gleichzeitig weiterhin zur Legitimierung von Herrschaft verwendet. Zur Erhaltung des Mythos beigetragen haben Erfolge wie die Schlacht von Adwa, aber auch die große internationale und kontinentale Anerkennung als Konsequenz der Aufrechterhaltung der Eigenstaatlichkeit als Symbol afrikanischer Identität.
Heute spiegelt sich dieses Selbstbewusstsein im ständigen Streben nach der regionalen Hegemonialmachtsstellung wider, die Äthiopien in Konkurrenz mit Ägypten, dem Sudan und Kenia treten lässt und wiederholt den Einsatz der Streitkräfte zur Folge gehabt hat. Die Einbindung Äthiopiens in die Koalition der New African Leaders trägt dem Führungsanspruch insofern Rechnung, als sie sich gegen den direkten Konkurrenten Sudan wandte.
1. Einleitung: Die Arbeit legt den theoretischen und methodischen Rahmen fest, um die komplexen sicherheitspolitischen Beziehungen zwischen Äthiopien und Somalia zu analysieren.
2. Äthiopische Historie und historisch fundierte Leitlinien der Außenpolitik: Dieses Kapitel arbeitet die historischen Grundlagen heraus, die äthiopisches Machtstreben, religiöse Identität und die außenpolitische Ausrichtung prägen.
3. Somalia bis zum Jahr 2000: Hier werden die soziopolitischen Strukturen Somalias sowie die historische Entwicklung bis zur Anarchie nach 1991 und die Auswirkungen internationaler Interventionen detailliert betrachtet.
4. Die allgemeine Konstellation am Greater Horn: Die strategischen Interessen und regionalen Machtverhältnisse, insbesondere die Rolle der IGAD und des Sudan-Containments, werden hier kontextualisiert.
5. Die äthiopische Außenpolitik unter dem Regime Meles Zenawi: Der Fokus liegt auf der Entwicklung äthiopischer Strategien gegenüber Eritrea, dem Sudan und Somalia, inklusive der Entscheidung zur militärischen Intervention.
6. Somalia und die Äthio-Connection seit dem Jahr 2000: Dieses Kapitel beleuchtet den Aufstieg der Islamischen Gerichte (UIC) und die Schaffung des Transitional Federal Government (TFG) als äthiopisches Instrument.
7. Die Rolle der Vereinigten Staaten am Horn von Afrika und bei der äthiopischen Invasionsentscheidung: Hier wird die US-amerikanische Interessenlage im War on Terror und deren direkter Einfluss auf die äthiopische Invasionsentscheidung untersucht.
8. Synopse: Entscheidungsstränge und Perzeptionen der äthiopischen Somaliapolitik: Eine abschließende Synthese der Faktoren, Motive und Bedrohungswahrnehmungen, die Äthiopiens Agieren gegenüber Somalia steuern.
Äthiopien, Somalia, Außenpolitik, Militär, Realismus, Horn von Afrika, Hegemonie, Islamismus, USA, regionale Sicherheit, Meles Zenawi, TFG, UIC, Clansystem, Invasionsentscheidung.
Die Diplomarbeit untersucht die sicherheitspolitischen Beweggründe für das militärische Eingreifen Äthiopiens in Somalia im Zeitraum zwischen 2006 und 2008.
Die Arbeit behandelt die historischen Prägungen äthiopischer Machtpolitik, somalische Clanstrukturen, regionale Machtkonstellationen am Horn von Afrika sowie den Einfluss globaler Mächte wie der USA.
Die Forschungsfrage fragt nach der Bedeutung Somalias für die äthiopische Außenpolitik und danach, welche Faktoren und Motive Addis Abeba konkret zum Einmarsch bewegten.
Der Autor nutzt den neorealistischen Ansatz der Münchner Schule zur Internationalen Politik, verfeinert durch das Konzept der Konstellationsanalyse.
Der Hauptteil analysiert die historische Genese der Konfliktlinien, die äthiopische Innen- und Außenpolitik unter Meles Zenawi, die somalische Anarchie und die Rolle externer Akteure wie der USA oder Ägyptens.
Wichtige Schlagworte sind neben Äthiopien und Somalia auch "Regionale Hegemonie", "War on Terror", "Militarisierung" und "Neorealismus".
Religion dient Äthiopien historisch sowohl zur internen Legitimation als auch zur Außenabgrenzung; insbesondere die Wahrnehmung eines "islamischen Bollwerks" prägt die Angst vor Isolation und das Sicherheitsdenken gegenüber moslemischen Nachbarn.
Die Arbeit legt dar, dass die Wiederherstellung der Anarchie in Somalia als eine Art "Exit-Strategie" fungiert, da sie die Herrschaft eines geeinten, äthiopienfeindlichen Somalias verhindert, was für Addis Abeba als zweitbeste Lösung gilt.
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