Bachelorarbeit, 2019
64 Seiten, Note: 1,0
1. Erwartungen in der Soziale Arbeit
2. Dilemma – Der Zweikampf der Überzeugungen
2.1. Der Zwiespalt im Dilemma
2.2. Ethik – Das Denken über Moral
2.3. Moral als Aushandlungsprozess
2.4. Zur Konstruktion moralisch dilemmatischer Situationen in der Sozialen Arbeit
2.5. Das Trilemma der Sozialarbeitenden
3. Der Fall – Ein hypothetisches Erlebnis aus der Praxis der Straßensozialarbeit
3.1. Das sozialarbeiterische Dividuum – Ein Gedankenexperiment
3.2. Über die Wahl der Theorien
4. Das utilitaristische Spektrum
4.1. Die utilitaristischen Teilschritte
4.2. Fallanwendung: ein utilitaristischer Argumentationsweg – Mögliche Konsequenzen
4.3. Fallanwendung: Ein utilitaristischer Argumentationsweg – Die utilitaristische Entscheidung
5. Pflichtethik
5.1. Kants Ethik
5.2. Deontologie nach Kant
5.3. Die kantischen Imperative – Die Negative moralischen Handelns
5.4. Fallanwendung: ein kantisch-deontologisches Urteil
6. Grenzen der sozialarbeiterischen Moral
6.1. Die Tragik des Dilemmas
6.2. Über Bedauern und Ohnmacht
6.3. Sollen und Können
6.4. Über den Nutzen ethischer Theorien für moralische dilemmatische Situationen in der Sozialen Arbeit und für Sozialarbeitende
7. Fazit – Ethik, das persönliche Argumentarium
Die vorliegende Arbeit untersucht den Umgang mit moralischen Dilemmata in der sozialarbeiterischen Praxis. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, welche Handlungsorientierung der Utilitarismus nach John Stuart Mill und die Deontologie nach Immanuel Kant den Sozialarbeitenden in Situationen bieten können, in denen ethische Theorien an ihre Grenzen stoßen.
3.1. Das sozialarbeiterische Dividuum – Ein Gedankenexperiment
Die Sozialarbeiterin unterbreitete der Person die Möglichkeiten, die ihr durch ihren Beruf und die Rahmenstrukturen der Einrichtung gegeben sind. Mehr Handlungsoptionen stehen ihr als Sozialarbeiterin nicht zur Verfügung. Hier stellt sich nun die Frage: Ist eine berufstätige Sozialarbeiterin nach Dienstschluss ausschließlich Privatperson, die ihre Rolle als Sozialarbeiterin ablegt und sich so anstehender Situationen, die ihren Arbeitsalltag betreffen, entledigen kann beziehungsweise sich von der Verantwortung entbunden fühlt? Hinter der Rolle der Sozialarbeiterin steckt ein Mensch, der im Rahmen konkreter Anforderung an dieser Rolle handelt. Eine komplette Ausfühlung aus der sozialarbeiterischen Rolle gestaltet sich schwierig. Daraus erschließt sich, dass die Sozialarbeiter*innenrolle in das Private übergehen kann. Der Sozialarbeitende ist daher generell kein In-dividuum, denn er ist durch die Zweiteilung in Privatperson und Berufstätige*r nicht unteilbar, sondern teilbar beziehungsweise geteilt. Der*die Sozialarbeitende ist ein Dividuum, zweigeteilt in Berufstätige*r und Privatperson. Der Begriff ‚Individuum‘ bedeutet ursprünglich „unteilbar“ (Sève 2010, S. 1094). Der Begriff des ‚Dividuums‘ wird bei Nietzsche im Aphorismus Nr. 57 über die „Moral als Selbstzertheilung [sic!] des Menschen“ gebraucht (2016, S. 76). In diesem Aphorismus geht Nietzsche davon aus, dass sich Personen in „Thaten [sic!] der Moralität“ für eine bestimmte Person oder für ein konkretes Tun selbst aufopfern (vgl. ebd.). Als Beispiel nennt er unter anderem die Mutter, die ihrem Kind gibt, „was sie sich selber entzieht, Schlaf, die beste Speise, unter Umständen ihre Gesundheit, ihr Vermögen.“ (ebd.). Diese Überlegungen enden mit diesem Satz: „In der Moral behandelt sich der Mensch nicht als individuum [sic!], sondern als dividuum.“ (ebd.).
1. Erwartungen in der Soziale Arbeit: Dieses Kapitel thematisiert die Rolle der Erwartungen in der Sozialen Arbeit und wie professionelle Hilfe sowie das „Helfen bei Bedarf“ die Interaktion zwischen Sozialarbeitenden und Klientel strukturieren.
2. Dilemma – Der Zweikampf der Überzeugungen: Hier werden theoretische Grundlagen des Dilemma-Begriffs erarbeitet, Ethik als Reflexionstheorie definiert und die Aushandlung von Moral als notwendiger Prozess in der Sozialen Arbeit beleuchtet.
3. Der Fall – Ein hypothetisches Erlebnis aus der Praxis der Straßensozialarbeit: Anhand eines Fallbeispiels einer Straßensozialarbeiterin wird das Konzept des "sozialarbeiterischen Dividuums" eingeführt und die Schwierigkeit der Wahl zwischen professioneller Rolle und privater Moral verdeutlicht.
4. Das utilitaristische Spektrum: Das Kapitel führt in den Utilitarismus ein, erläutert dessen Prinzipien (Konsequentialismus, Utilität, Hedonismus, Sozialprinzip) und wendet diese auf das Fallbeispiel an, um mögliche Folgen abzuwägen.
5. Pflichtethik: Diese Sektion expliziert Kants Pflichtethik und den kategorischen Imperativ, um abschließend zu prüfen, ob sich daraus ein moralischer Handlungsspielraum für die behandelte Fallsituation begründen lässt.
6. Grenzen der sozialarbeiterischen Moral: Hier werden die professionellen Grenzen der Moral aufgezeigt, die Tragik des Dilemmas sowie das Phänomen des Bedauerns als "innere Sanktion der Pflicht" diskutiert und der Nutzen ethischer Reflexion unterstrichen.
7. Fazit – Ethik, das persönliche Argumentarium: Das Fazit fasst zusammen, dass ethische Theorien Sozialarbeitenden ein notwendiges Handwerkszeug zur Argumentation und Selbstverantwortung geben, auch wenn sie moralische Dilemmata nicht gänzlich auflösen können.
Soziale Arbeit, moralisches Dilemma, Berufsethos, Utilitarismus, Deontologie, John Stuart Mill, Immanuel Kant, Doppelmandat, Tripelmandat, Sozialarbeiterisches Dividuum, Professionalität, Handlungsaufforderung, Bedauern, Moralphilosophie, Ethik.
Die Arbeit befasst sich mit dem Umgang mit moralischen Dilemmata in der Sozialen Arbeit und untersucht, wie sozialarbeitende Fachkräfte in Situationen, in denen Pflichten kollidieren, handlungsfähig bleiben können.
Die Arbeit verknüpft das soziologische Rollenverständnis von Sozialarbeitenden (Stichwort: Doppel- bzw. Tripelmandat) mit moralphilosophischen Ansätzen, insbesondere dem Utilitarismus und der Deontologie.
Ziel ist es zu prüfen, inwieweit philosophische Ethiktheorien für die Praxis Sozialer Arbeit praxistauglich sind und Sozialarbeitenden eine Orientierung in moralischen Entscheidungskonflikten bieten können.
Die Autorin nutzt die Auswertung relevanter Fachliteratur und wendet die theoretischen Erkenntnisse auf ein hypothetisch konstruiertes Fallbeispiel aus der Straßensozialarbeit an, um die Anwendbarkeit zu testen.
Den Kern bildet die Gegenüberstellung des utilitaristischen Spektrums und der pflichtethischen Begründungsmodelle, anhand derer die Professionelle ihre Entscheidung reflektiert.
Kernbegriffe sind das "sozialarbeiterische Dividuum", das doppelte/tripel Mandat, moralische Dilemmata, Utilitarismus und Deontologie sowie die Frage nach dem professionellen Handeln.
Der Begriff beschreibt die innere Uneinigkeit und Zerrissenheit der sozialarbeitenden Person, die in Dilemmasituationen gleichzeitig "Berufstätige" (unter professionellen Standards) und "Privatperson" (mit eigenen moralischen Werten) ist.
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass echte moralische Dilemmata prinzipiell unlösbar sind. Das Handeln erfordert daher immer eine Entscheidung für eine Option unter dem bewussten Verzicht auf die andere, was ein Gefühl des Bedauerns hinterlässt.
Professionalität fungiert oft als Grenze. Während die Privatperson emotional helfen möchte, unterliegt die professionelle Person Mandaten, die ein solches Handeln einschränken oder sogar untersagen, um die Struktur der Sozialen Arbeit zu wahren.
Ethik dient als "Argumentarium". Sie ermöglicht es, das eigene Handeln fundiert zu begründen, sich professionell zu positionieren und dem Ohnmachtsgefühl gegenüber unlösbaren Dilemmata durch Reflexion zu begegnen.
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