Masterarbeit, 2022
65 Seiten, Note: 2,1
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmungen
2.1 Schöpfungsglauben
2.2 Tierethik
3. Schöpfungsglaube und Tierethik aus christlicher Perspektive
3.1 Christlicher Schöpfungsglauben
3.1.1 Biblischer Schöpfungsglauben
3.1.2 Schöpfung in der Evangelischen Theologie
3.1.3 Tiere im christlichen Schöpfungsglauben
3.2 »Traditioneller Schöpfungsglaube« - Eine Problemdarstellung
3.2.1 Das Motiv der »Gottebenbildlichkeit«
3.2.2 Das Motiv des »Herrschaftsauftrags«
3.2.3 Das Motiv der »(All)-Macht«
3.2.4 Das Motiv der »Seele«
3.2.5 Tierethische Konsequenzen
3.3 Tierethik in der christlichen Theologie
3.3.1 Neuere Perspektiven auf traditionelle Motive
3.3.2 Schöpfungstheologische Zugänge in tierethischen Entwürfen
3.3.3 Vergleich der neueren tierethischen Entwürfe
3.4 Potenziale und Hindernisse des christlichen Schöpfungsglaubens für die (christliche) Tierethik
4. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Christlicher Schöpfungsglaube und tierethischen Konsequenzen aus evangelisch-theologischer Sicht, mit dem Ziel, die Diskrepanz zwischen der biblischen Wertschätzung für Tiere und ihrer theoretischen Vernachlässigung in der christlichen Tradition aufzudecken sowie Möglichkeiten für eine Neubestimmung aufzuzeigen.
3.2.4 Das Motiv der »Seele«
Ein weiteres wirkmächtiges Motiv christlicher (Schöpfungs-)Theologie ist die Lehre von der »Seele«. Für die Selbstdeutung des Menschen sind wohl wenige Begriffe von so großer Tragweite gewesen, wie jener Begriff. Die christliche Rede von der Seele ist verbunden mit einer pluralistischen Interpretationstradition seit der Alten Kirche über Augustin, Thomas von Aquin und die reformatorischen Traditionen bis in die Neuzeit. Schon in der Übersetzung der Septuaginta wurden u.a. in die Genesis Pointierungen eingebracht, die zu einer »Mischanthropologie« zwischen alttestamentlichem Sprachgebrauch und griechisch-philosophischer Seelenvorstellung führten. Martin Luther übersetzte den Begriff der anima mit »Seele«.
Über Jahrhunderte entstand ein eigentümliches Bild der Seele. Nach neuscholastischer Dogmatik sei die Seele als »geistige, unsterbliche und individuelle Substanz« zu verstehen. Im Zuge der Rezeption der griechischen Philosophie etablierte sich die aristotelische Unterscheidung des Seelenvermögens. Danach verfügten Menschen über eine anima rationale, eine Vernunftseele die dem Menschen seine Ewigkeitsfähigkeit garantiere. Tiere und Pflanzen besäßen nach dieser Vorstellung ein anders geartetes, geringeres Seelenvermögen ohne die Ewigkeitsfähigkeit. Nach katholischer Sicht bleibe die menschliche Seele über die Zeit des irdischen Lebens im Körper gefangen und verlasse diesen erst mit dem Tod wieder. Diese »Theorie der unsterblichen Vernunftseele entspricht einer substantialistischen Metaphysik, die sowohl vom biblischen als auch vom modernen Denken her nicht wirklich nachvollziehbar ist«.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik einer christlich geprägten ökologischen Krise ein und stellt die Fragestellung nach der Mensch-Tier-Beziehung aus evangelisch-theologischer Sicht vor.
2. Begriffsbestimmungen: Hier werden die zentralen Begriffe Schöpfungsglauben und Tierethik definiert und in ihren historischen sowie philosophischen Kontext eingeordnet.
3. Schöpfungsglaube und Tierethik aus christlicher Perspektive: Dieses Hauptkapitel untersucht biblische Schöpfungsaussagen, reformatorische und moderne Schöpfungstheologien sowie die Rolle der Tiere darin, dekonstruiert traditionelle Machtmotive und diskutiert neuere tierethische Entwürfe.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer Dekonstruktion überkommener, anthropozentrischer Motive zugunsten eines lebensbejahenden Schöpfungsverständnisses.
Christlicher Schöpfungsglaube, Tierethik, Anthropozentrismus, Gottebenbildlichkeit, Herrschaftsauftrag, Seele, Schöpfungstheologie, Mitgeschöpfe, ökologische Krise, Tiervergessenheit, Befreiungstheologie, prozesstheologische Ansätze, Tierrechte, Pneumatologie, Gerechtigkeitsethik.
Die Arbeit untersucht, warum Tiere im christlichen Schöpfungsglauben und in theologischen Lehren weitgehend ausgeblendet werden und wie sich dieses Verhältnis durch eine theologische Neubewertung verbessern lässt.
Zu den zentralen Themen gehören die Analyse biblischer Schöpfungserzählungen, die Kritik an klassischen Motiven wie dem Herrschaftsauftrag oder dem unsterblichen Seelenbegriff sowie der Entwurf einer tierfreundlichen Theologie.
Das primäre Ziel ist es, eine christliche Basis für eine gerechtere Mensch-Tier-Beziehung zu schaffen und aufzuzeigen, wie biblische Motive von einer anthropozentrischen Engführung befreit werden können.
Die Arbeit nutzt die historisch-theologische Analyse, führt exegetische Untersuchungen der biblischen Texte durch und vergleicht verschiedene moderne tierethische Entwürfe kritisch miteinander.
Im Hauptteil werden zunächst traditionelle Machtmotive wie Gottebenbildlichkeit, Allmacht und Seele problematisiert und danach neuere ökologische und pneumatologische Ansätze von Theologen wie Taxacher, Enxing und Käfer vorgestellt.
Schlüsselbegriffe wie "Tiervergessenheit", "anthropozentrische Perspektive", "Gottebenbildlichkeit" und "Schöpfungsgemeinschaft" stehen im Zentrum der Argumentation.
Damit ist gemeint, dass Tiere in der traditionellen christlichen Theologie meist nur als statistische Randnotiz oder als reine Nutzungsobjekte für den Menschen vorkommen, was den biblischen Befund der Mitgeschöpflichkeit ignoriert.
Die Autoren lehnen meist die aggressive Interpretation (Niederzwingen) ab und plädieren stattdessen für eine "universale Ordnungsfunktion" oder eine verantwortungsbewusste Verantwortung, die auf das Wohl der gesamten Schöpfung ausgerichtet ist.
Die traditionelle Lehre von der ewigkeitsfähigen Vernunftseele des Menschen exkludiert Tiere und lässt ihr Leben aus theologischer Sicht bedeutungslos erscheinen, wodurch ihre ethische Relevanz in den Augen der Kirche untergraben wurde.
Die Autoren betonen, dass eine religiöse, teils als "toxisch" empfundene Sprache durch säkulare Begriffe oder neue, ganzheitliche Konzepte ersetzt werden muss, um eine Anschlussfähigkeit an eine moderne Gesellschaft zu gewährleisten.
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