Examensarbeit, 2008
96 Seiten, Note: sehr gut
Einleitung
TEIL A
1. Der lernbehinderte Förderschüler
1.1. Definition Lernbehinderung
1.2. Soziokulturelle Aspekte der Lernbehinderung
1.3. Die Überrepräsentation von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund an Förderschulen für Lernhilfe
2. Die Lernhilfeschule als „Schonraum“
2.1. Die Förderschule für Lernhilfe – ein kurzer geschichtlicher Abriss
2.2. Die Förderschule für Lernhilfe – statistische Grundlagen
2.3. Der „Schonraum“ Lernhilfeschule – Realität oder Wunschdenken?
2.4. Resümee – Hat die Förderschule für Lernhilfe eine Schonraumwirkung?
3. Einflussfaktoren der Förderschule auf das Selbstkonzept
3.1. Das globale und das schulische Selbstkonzept
3.2. Der Einfluss der sozialen Bezugsgruppe auf das schulische Selbstkonzept
3.3. Die Rolle der Lehrerin in Bezug auf das Selbstkonzept eines Schülers
3.4. Die gegenseitige Wechselwirkung des Schüler- und Lehrerinnenverhaltens
4. Die Zukunftsperspektiven eines Lernhilfeschülers
4.1. Arbeitsmarkt und die Ausbildungschancen für ‚benachteiligte’ Jugendliche
4.2. Berufsaussichten aus Schülersicht
4.3. Mögliche Wege ins Arbeitsleben für benachteiligte Jugendliche
4.3.1. Schulische Berufsvorbereitungsmaßnahmen
4.3.2. Das Berufsgrundbildungs- und das Berufsvorbereitungsjahr
4.3.3. SchuB-Klassen - eine neue „Erfolg versprechende“ Maßnahme für ‚benachteiligte’ Jugendliche
4.4. Schlussfolgerung
TEIL B
5. Der Untersuchungsauftrag
6. Allgemeine methodische Überlegungen
6.1. Die Technik des Leitfadeninterviews
6.2. Der Aufbau des Leitfadeninterviews
7. Die Durchführung der Interviews
7.1. Zur Auswahl der Schüler
7.2. Gesprächsbedingungen und Durchführung
7.3. Die Auswertung der Interviews
7.4. Überblick über die Schülerdaten
8. Die Ergebnisse der Schülerinterviews
8.1. Der Umgang der Schüler mit der Zuschreibung ‚lernbehindert’
8.1.1. Die Gründe der Überweisung an die Lernhilfeschule aus Schülersicht
8.1.2. Fazit
8.2. Der Umgang der Schüler mit ihrem Förderschulstatus
8.2.1. Schüler, die offen mit ihrem Förderschulstatus umgehen
8.2.2. Beschämte Schüler, die ihren Förderschulstatus verbergen
8.2.3. Fazit
8.3. Der Wohlfühleffekt des Schonraums Lernhilfeschule
8.3.1. Die Auswirkungen der Überweisung an die Förderschule für Lernhilfe
8.3.1.1. Positive Veränderungen aus Schülersicht
8.3.1.2. Kritik an der Lernhilfeschule
8.3.1.3. Fazit
8.4. Der Einfluss der Förderschule auf das schulische Selbstkonzept
8.4.1. Der Einfluss der Förderschule auf die Schulnoten der Schüler
8.4.1.1. Fazit
8.4.2. Die soziale Bezugsgruppe
8.4.2.1. Fazit:
8.4.3. Die Rolle der Lehrerin
8.4.3.1. Fazit
8.5. Die Zukunftsperspektiven und Zukunftswünsche der Förderschüler
8.5.1. Die Zukunftswünsche der Lernhilfeschüler
8.5.1.1. Fazit:
8.5.2. Zu den Berufsaussichten für Förderschüler der Lernhilfeschule
8.5.2.1. Fazit
9. Die theoretische Einordnung der Untersuchungsergebnisse
9.1. Die theoretische Einordnung der Ergebnisse in Bezug auf ‚Lernbehinderung’
9.2. Die Beurteilung der Ergebnisse in Bezug auf die Schonraumwirkung der Lernhilfeschule
9.2.1. Die Einordnung der Ergebnisse in Bezug auf die Entlastungsfunktion
9.2.2. Die Einordnung der Ergebnisse in Bezug auf die Schulleistungen
9.3. Die Einordnung der Ergebnisse in Bezug auf das schulische Selbstkonzept
9.3.1. Die Einordnung der Ergebnisse in Bezug auf die soziale Bezugsgruppe
9.3.2. Die theoretische Einordnung der Ergebnisse in Bezug auf die Beziehung der Schüler zu ihrer Klassenlehrerin
9.3.3. Fazit
9.4. Die theoretische Einordnung der Untersuchungsergebnisse in Bezug auf die Zukunftsperspektiven und Zukunftswünsche der Schüler
9.4.1. Die Zukunftswünsche der Schüler
9.4.2. Die Zukunftsperspektiven der Schüler
Die Arbeit untersucht das Selbstbild und die Zukunftsperspektiven von Lernhilfeschülern kurz vor Ende ihrer Schulzeit. Im Zentrum steht die Frage, ob die Lernhilfeschule tatsächlich einen „Schonraum“ bietet oder ob sie aufgrund der Stigmatisierung und begrenzter Berufschancen eher eine Sackgasse darstellt. Die Untersuchung zielt darauf ab, die subjektiven Erfahrungen der Schüler mit den theoretischen Annahmen zur Schonraumwirkung und zur beruflichen Integration zu vergleichen.
8.3.1.1. Positive Veränderungen aus Schülersicht
Um zu überprüfen, inwiefern der Förderschulbesuch eine Entlastung der Schüler von ihrem Leistungsdruck und Misserfolgserfahrungen darstellt, wurden sie aufgefordert, beide Schulen miteinander zu vergleichen.
Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass der Schulwechsel für fast alle befragten Schüler eine Verbesserung ihrer Situation darstellt. Besonders die Lernatmosphäre an der Förderschule wird von ihnen als angenehm empfunden. So bewerten zehn der 18 befragten Schüler die Lernumgebung als sehr positiv. Kleinere Lerngruppen, ein langsameres Lerntempo, individuelle Hilfestellung und Unterstützung durch die Lehrerin, bewirken nach Aussagen der Befragten, dass das Lernen ihnen wieder Spaß und Freude bereite, was folgende Aussage besonders deutlich zeigt:
„Hier ist es gut. Ich komme jetzt viel öfter in die Schule. Also jetzt schwänze ich nicht mehr so oft. Nur früher habe ich oft gefehlt. Hier ist das Lernen viel besser. Ich lerne mehr und es macht mir auch Spaß und es ist leichter. Die Lehrer schreien einen auch nicht so an und die helfen einem auch und ich bekomme auch keine Sechsen mehr wenn ich fehle. Die Lehrer sind echt netter – nur die Direktorin schreit rum.“ (Schüler 4)
1. Der lernbehinderte Förderschüler: Dieses Kapitel erörtert die Problematik der Begriffsdefinition „Lernbehinderung“ und untersucht den Einfluss soziokultureller Faktoren sowie des Migrationshintergrunds auf das schulische Lernen.
2. Die Lernhilfeschule als „Schonraum“: Hier wird anhand eines geschichtlichen Abrisses und statistischer Daten diskutiert, ob die Lernhilfeschule den Lernenden tatsächlich einen schützenden Schonraum vor Leistungsdruck bietet oder dies ein Wunschdenken bleibt.
3. Einflussfaktoren der Förderschule auf das Selbstkonzept: Das Kapitel analysiert, wie soziale Vergleichsprozesse innerhalb der Klasse und die Beziehung zur Klassenlehrerin das schulische Selbstkonzept und das Selbstbild der Schüler prägen.
4. Die Zukunftsperspektiven eines Lernhilfeschülers: Hier werden die Ausbildungschancen am Arbeitsmarkt sowie berufsvorbereitende Maßnahmen analysiert, um den Übergang der Jugendlichen in das Berufsleben kritisch zu beleuchten.
5. Der Untersuchungsauftrag: Dieses Kapitel leitet aus den theoretischen Ergebnissen von Teil A die Fragestellung für die eigene empirische Studie ab und begründet das methodische Vorgehen.
6. Allgemeine methodische Überlegungen: Hier wird die Wahl des Leitfadeninterviews als Befragungsmethode sowie dessen inhaltlicher Aufbau für die Zielgruppe der Förderschüler begründet.
7. Die Durchführung der Interviews: Das Kapitel beschreibt den Auswahlprozess der Probanden, die Rahmenbedingungen der Gesprächsführung und die methodische Aufbereitung der Daten.
8. Die Ergebnisse der Schülerinterviews: Dieser zentrale Abschnitt präsentiert die gesammelten Aussagen der befragten Schüler zu ihrem Förderschulstatus, dem Schonraumeffekt, ihrer sozialen Stellung sowie ihren Zukunftsplänen.
9. Die theoretische Einordnung der Untersuchungsergebnisse: Das Abschlusskapitel stellt die empirischen Ergebnisse den theoretischen Modellen gegenüber, um zu prüfen, inwieweit die Schonraumthese in der Realität der Schüler Bestand hat.
Lernbehinderung, Förderschule, Schonraum, Selbstkonzept, Schülerperspektive, Migrationshintergrund, Arbeitsmarkt, Berufsvorbereitung, Soziale Benachteiligung, Leitfadeninterview, Schulleistung, Lehrer-Schüler-Beziehung, Zukunftsperspektiven, Stigmatisierung, Sozialisation.
Die Arbeit untersucht, wie sich der Besuch einer Förderschule für Lernhilfe auf das Selbstbild und die Zukunftsaussichten von Jugendlichen auswirkt, insbesondere im Hinblick auf die „Schonraumthese“.
Die Arbeit befasst sich mit der Definition von Lernbehinderung, soziokulturellen Faktoren, der Rolle der Lehrer, der Bedeutung der sozialen Bezugsgruppe und dem schwierigen Übergang der Schüler in das Berufsleben.
Ziel ist es zu ergründen, ob die Lernhilfeschule aus Sicht der betroffenen Schüler tatsächlich einen geschützten Raum bietet oder ob sie die Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt durch ihr Stigma benachteiligt.
Die Autorin verwendet einen qualitativen Forschungsansatz in Form von 18 Leitfadeninterviews mit Förderschülern, um ein authentisches Bild ihrer subjektiven Gedanken und Gefühle zu erhalten.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil A, der den Stand der Wissenschaft zusammenfasst, und einen praktischen Teil B, der die durchgeführte Befragung auswertet und diskutiert.
Die Arbeit ist geprägt durch die Begriffe Schonraum, Stigmatisierung, Selbstkonzept, Lernbehinderung und soziale Benachteiligung im Kontext des gegliederten Schulsystems.
Die Schüler bewerten ihre Förderschullehrerinnen deutlich positiver als ihre früheren Regelschullehrer, da sie diese als geduldiger, fairer und mehr an ihrer Persönlichkeit interessiert wahrnehmen.
Die Mehrheit ist sich der schwierigen Lage bewusst und weiß, dass der Hauptschulabschluss als wichtigstes Einstellungskriterium fungiert; viele äußern jedoch Sorgen und Hoffnungslosigkeit bezüglich ihrer zukünftigen Berufschancen.
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