Bachelorarbeit, 2008
37 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Begriffsklärungen
2.1 Soziale Ungleichheit
2.2 Soziale Schicht
2.3 Soziales Milieu und Lebensstil
3 Analyse sozialer Ungleichheit
3.1 Schichtforschung
3.1.1 Geiger
3.1.2 Dahrendorf
3.1.3 Gegenwärtige Ungleichheitsanalyse
3.1.4 Erklärungspotential
3.2 Milieu- und Lebensstilforschung
3.2.1 Milieu- und Lebensstilkonzepte
3.2.2 Pierre Bourdieu
3.2.3 In der Marktforschung
3.2.4 In der Sozialforschung
3.2.5 Erklärungspotential
4 Vergleich und Bewertung
5 Fazit und Ausblick
Diese Arbeit untersucht, ob traditionelle Modelle zur Analyse sozialer Ungleichheit, wie klassische Schichtmodelle, im Kontext einer sich wandelnden deutschen Gesellschaft an Erklärungskraft verloren haben und durch neue Konzepte wie Milieu- und Lebensstilmodelle abgelöst werden sollten.
3.1.1 Geiger
Einer der Soziologen, der den Begriff der sozialen Schicht zu einem soziologischen Grundbegriff und einer Grundkategorie der Sozialstrukturanalyse erhoben hat, ist Theodor J. Geiger. Mit seinem Ansatz stellt er den von Marx und Weber entworfenen Klassenmodellen ein Schichtmodell sozialer Ungleichheit entgegen.
Im soziologischen Gebrauch versteht er Schichten zunächst als Oberbegriff für sämtliche Strukturen sozialer Ungleichheit. Sein Verständnis von Schicht und Schichtung lässt sich mit dem folgenden Zitat darstellen:
„Jede Schicht besteht aus vielen Personen (Familien), die irgendein erkennbares Merkmal gemein haben und als Träger dieses Merkmals einen gewissen Status in der Gesellschaft und im Verhältnis zu anderen Schichten einnehmen. Der Begriff des Status umfasst Lebensstandard, Chancen und Risiken, Glücksmöglichkeiten, aber auch Privilegien und Diskriminationen, Rang und öffentliches Ansehen. […] Schichtung heißt also Gliederung der Gesellschaft nach dem typischen Status (den Soziallagen) ihrer Mitglieder, ohne nähre Bestimmung dieser Soziallagen oder der Merkmale, an die sie im geschichtlichen Sonderfall geknüpft sind“ (Geiger 1962:186; Hervorh. im Orig.).
Der zentrale Gedanke Geigers ist, dass soziale Schichten – neben gemeinsamen ökonomischen Faktoren – durch eine gemeinsame Mentalität geprägt sind, von denen jeweils ein bestimmtes politisches und wirtschaftliches Verhalten zu erwarten ist (vgl. Geiger 1932:77f). Dieser Gedanke ist Geigers größtes Verdienst, da er erstmalig eine sozialpsychologische Kategorie in die Schichtforschung integriert. Mentalität kann verstanden werden als „geistig seelische Disposition“ (ebd.:77), als „unmittelbare Prägung des Menschen durch seine soziale Lebenswelt“ (ebd.:77), die ihren Ausdruck u. a. in bestimmten Weisen des Konsums, der Lebens- und Freizeitgestaltung (vgl. ebd.:80), oder, um es mit einem anderen Begriff zu nennen: in einem Lebensstil findet.
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Notwendigkeit, traditionelle Schichtungsmodelle angesichts gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse und Individualisierungstrends zu hinterfragen.
2 Begriffsklärungen: Dieses Kapitel definiert und grenzt zentrale sozialstrukturrelevante Begriffe wie soziale Ungleichheit, soziale Schicht sowie soziales Milieu und Lebensstil voneinander ab.
3 Analyse sozialer Ungleichheit: Hier werden gängige Schichtmodelle sowie Milieu- und Lebensstilmodelle detailliert vorgestellt und deren jeweiliges Erklärungspotential erörtert.
4 Vergleich und Bewertung: Dieses Kapitel diskutiert kritisch die Eignung der verschiedenen Ansätze und bewertet die Möglichkeiten einer Integration von Schicht- sowie Milieu- und Lebensstilforschung.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass kein Modell alleinige Gültigkeit beanspruchen kann und plädiert für ein komplementäres Verständnis der verschiedenen Ansätze in der Sozialstrukturanalyse.
Soziale Ungleichheit, Soziale Schicht, Soziales Milieu, Lebensstil, Sozialstrukturanalyse, Individualisierung, Mentalität, Schichtungsmodell, Lebensweltansatz, Erlebnisgesellschaft, Bourdieu, Sinus-Milieus, Sozialer Wandel, Vertikale Ungleichheit, Horizontale Ungleichheit
Die Arbeit befasst sich mit dem Wandel der deutschen Sozialstruktur und analysiert, inwieweit traditionelle Schichtmodelle zur Erklärung sozialer Ungleichheit durch neuere Milieu- und Lebensstilansätze ergänzt oder abgelöst werden müssen.
Die zentralen Themen sind die Entwicklung von Schichttheorien, die Entstehung der Milieu- und Lebensstilforschung, die Auswirkungen von Individualisierungsprozessen sowie die empirische Operationalisierung sozialer Ungleichheit.
Das primäre Ziel ist die kritische Prüfung, ob klassische Schichtmodelle angesichts moderner gesellschaftlicher Differenzierungen historisch obsolet sind oder ob sie weiterhin als Instrument der Sozialstrukturanalyse dienen können.
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse, in der verschiedene soziologische Konzepte und Modelle (von Geiger bis Schulze) gegenübergestellt, auf ihre Erklärungspotentiale hin untersucht und bewertet werden.
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit der klassischen Schichtforschung, den theoretischen Grundlagen von Milieu- und Lebensstilkonzepten (z. B. Bourdieu, Sinus-Institut, Schulze) sowie ein anschließender Vergleich und eine Bewertung dieser Ansätze.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie soziale Ungleichheit, soziale Schicht, Milieu, Lebensstil, Sozialstrukturanalyse und Individualisierung charakterisiert.
Bourdieu verknüpft Kultur und Lebensstil über das Habituskonzept und ordnet kulturelle Praktiken und Geschmacksurteile direkt sozioökonomischen Klassenpositionen zu, was seinen Ansatz klassentheoretisch fundiert.
Dieser Begriff beschreibt das Phänomen, dass die Grenzen zwischen sozialen Milieus fließend sind, sich überschneiden und somit nicht exakt in starren Kategorien abgrenzbar sind.
Die Autorin argumentiert, dass beide Ansätze unterschiedliche Ebenen der sozialen Realität beschreiben, theoretische Defizite aufweisen und eine Integration sinnvoller ist, da Schichtkonzepte weiterhin eine wichtige Basis für das Verständnis von Ressourcenverteilung und Vertikalität bieten.
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