Masterarbeit, 2022
161 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Theorien und Begriffe
2.1 Zugrundeliegende Theorien
2.2 Jugend – „Drogen“ – Konsum
3 Hintergrund: Cannabis, dessen Umstände und Funktionen
3.1 Cannabis-Grundlagen
3.2 Set und Setting
3.3 Funktionen
4 Postmoderner Kapitalismus und Anomie als Ausgangspunkt auf der Makroebene
4.1 Merkmale der Postmoderne
4.2 Ökonomischer und sozialer Abstieg
4.3 Auswirkungen auf das gesellschaftliche Erleben
5 Mikroebene der Jugend: Möglichkeiten und Restriktionen
5.1 Set – Folgen der Anomie
5.2 Setting und Drug – Folgen der Globalisierung
6 Mikroebene der Jugend: Rationale Auswahl und Nutzenmaximierung
6.1 Set und Drug – verstärkte Funktionen
6.2 Setting und Drug – jugendlicher Umgang
7 Gesellschaftliche Folgen durch Aggregation
8 Fazit
Die Masterarbeit untersucht, inwiefern der postmoderne Kapitalismus als gesellschaftlicher Rahmen den ansteigenden Cannabiskonsum unter Jugendlichen beeinflusst. Die Arbeit verbindet soziologische Theorien zur Makro- und Mikroebene mit dem Alltagsthema Cannabis, um zu verstehen, wie sich globale gesellschaftliche Umbrüche in individuellen Konsummustern widerspiegeln.
Überforderung
Individualisierung und Spaltung können in Kombination mit eskalatorischem Wettbewerb, insgesamt unter dem Gefühl der Anomie, zum ersten Aspekt auf der Mikroebene führen: Überforderung. Das moderne Leben ist von widersprüchlichen Anforderungen geprägt, von immer mehr Möglichkeiten, Ungewissheiten und der Forderung nach Eigenverantwortung. (Koppetsch, 2011, p. 7) Die Ursache dafür könnte in einem erhöhten Maß an Verantwortungspflicht liegen: „In dem Maße, in dem die eigene Lebensgeschichte nicht mehr von Herkunft, Familie, langfristigen Bindungen und fest gefügten sozialen Strukturen bestimmt wird, sondern von einer wie auch immer gesellschaftlich organisierten und ökonomisch formierten, aber dem Einzelnen als Manifestation der eigenen freien Entscheidung zugerechneten Selbstverwirklichung, erscheint es glaubhaft, den Einzelnen auch für das Gelingen oder Scheitern seines oder ihres Lebens verantwortlich zu machen.“ (Günther, 2002, p. 118) Es heißt also, dass aus der quasi erzwungenen Wahl aus vielen Möglichkeiten, sein Leben zu gestalten, eine ungemeine Verantwortung erwächst, von der aber keine Leitlinien existieren und an die Hand gegeben werden, wie mit ihr umgegangen werden und wie sie genutzt werden soll. Honneth fasst diese Umstände so zusammen, dass die Ansprüche, die Menschen an sich stellen, sich zu Forderungen umwandeln: „Mit den institutionellen Wandlungen, die den westlichen Kapitalismus in den letzten zwanzig Jahren erfasst haben, hat sich das lebenspraktisch angestrebte Ideal der Selbstverwirklichung zur Ideologie und Produktivkraft eines desregulierten Wirtschaftssystems entwickelt: […] Aus diesem Prozess einer Verkehrung von Idealen in Zwänge, von Ansprüchen in Forderungen, sind Formen eines sozialen Unbehagens und Leidens erwachsen, die in der Geschichte der westlichen Gesellschaften bislang als Massenphänomen unbekannt waren.“ (Honneth, 2002b, pp. 154–155) Diese Form der Überforderung kann auch als Folge der erzwungenen Flexibilität und der widersprüchlichen Anforderungen der Arbeitswelt nach Voswinkel und der Beschleunigung nach Rosa gesehen werden (hier in Kapitel 4): „Eines der Symptome eines herannahenden Nervenzusammenbruchs ist der Glaube, die eigene Arbeit sei von furchterregender Wichtigkeit.“ (Bertrand Russel in Schnabel, 2015, p. 227)
1 Einleitung: Beschreibt die Relevanz des Cannabiskonsums als gesellschaftlich allgegenwärtiges Phänomen und führt in die Fragestellung ein.
2 Theorien und Begriffe: Setzt das theoretische Fundament mittels der Coleman-Badewanne, der DSS-Theorie und der Anomietheorie.
3 Hintergrund: Cannabis, dessen Umstände und Funktionen: Beleuchtet die Substanz Cannabis, deren Wirkung, Konsumformen und die gesellschaftliche Verbreitung in Deutschland.
4 Postmoderner Kapitalismus und Anomie als Ausgangspunkt auf der Makroebene: Analysiert globale Trends wie Globalisierung und Beschleunigung als Ausgangspunkt gesellschaftlicher Anomie.
5 Mikroebene der Jugend: Möglichkeiten und Restriktionen: Beschreibt, wie sich makrostrukturelle Unsicherheit als spezifisches „Set“ (Überforderung, Sinnverlust) in der Jugend manifestiert.
6 Mikroebene der Jugend: Rationale Auswahl und Nutzenmaximierung: Untersucht, wie Jugendliche durch Konsum und Rituale aktiv reagieren, um neuro-enhancement oder Entspannung zu erreichen.
7 Gesellschaftliche Folgen durch Aggregation: Zeigt auf, wie sich individueller Konsum über Generationen hinweg zu einer gesamtgesellschaftlichen Akzeptanz von Cannabis aggregiert.
8 Fazit: Führt die Erkenntnisse zusammen und diskutiert Implikationen für die Drogenpolitik und präventive Ansätze.
Postmoderner Kapitalismus, Cannabiskonsum, Anomie, Jugendsoziologie, Coleman-Badewanne, DSS-Theorie, Globalisierung, Neuro-Enhancement, Entfremdung, Sinnverlust, Soziale Ungleichheit, Suchtforschung, Individualisierung, Resonanzkrise, Konsumkompetenz
Die Arbeit untersucht die soziologischen Hintergründe für den Anstieg des Cannabiskonsums unter Jugendlichen in Deutschland, eingebettet in die Strukturen des postmodernen Kapitalismus.
Die Schwerpunkte liegen auf der Gesellschaftsanalyse der Postmoderne, der Lebensphase Jugend als „Träger“ gesellschaftlicher Transformation und der soziologischen Einordnung von Cannabiskonsum als funktionales Handeln.
Das Ziel ist zu ergründen, wie Effekte des postmodernen Kapitalismus die sozialen Funktionen und Entwicklungen des Cannabiskonsums im Jugendalter beeinflussen.
Es handelt sich um eine rein literaturbasierte soziologische Masterarbeit, die verschiedene soziologische Theorien (vor allem Coleman-Badewanne und Zinbergs DSS-Theorie) mit zeitgenössischen Analysen zum Kapitalismus verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Makroebene (Kapitalismus, Anomie), der Mikroebene der Jugend (Set/Setting, Wahrnehmung/Restriktionen) und die Prozesse der Aggregation, die zu einer gesellschaftlichen Normalisierung führen.
Zentrale Begriffe sind postmoderner Kapitalismus, Anomie, Individualisierung, Entfremdung, Substanzkonsum, Jugendphase, neuro-enhancement und Resonanz.
Angesichts der Aktualität des Themas und der sensiblen sozioökonomischen Zusammenhänge greift die Arbeit auf fundierte, aber nicht rein akademische Werke zurück, um gesellschaftliche Trends zeitnah zu analysieren, sofern diese wissenschaftlich haltbar sind.
Sie dient als gedankliches und strukturelles Gerüst, um den Bogen von den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auf der Makroebene über die individuellen Lebenswelten der Jugend zur aggregierten gesellschaftlichen Wirkung zu spannen.
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