Bachelorarbeit, 2008
61 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 John Rawls und seine Theorie der Gerechtigkeit als politische Konzeption
2.1 Gesellschaft als faires Kooperationssystem
2.2 Wohlgeordnete Gesellschaft
2.3 Grundstruktur
2.4 Urzustand
2.5 Die zwei Gerechtigkeitsprinzipien und ihre lexikalische Ordnung
2.5.1 Die wesentlichen Grundfreiheiten (a)
2.5.2 Chancengleichheit und Differenzprinzip (b)
3 Gerechtigkeit – eine interdisziplinäre Betrachtung
3.1 Neuropsychologie und Moralforschung
3.2 Empirische Gerechtigkeitsforschung
3.3 Gerechtigkeit als „Gerechtigkeit der Demokratie“
3.4 Rawls´ Gerechtigkeitsprinzipien im empirischen Test
4 Chancengleichheit – gesellschaftliche Realität vs. Theorie-Ideal
4.1 Chancen(un)gleichheit bei Bildungschancen
4.2 Soziale Mobilität: die „Sperrklinken-Gesellschaft“
5 Fazit
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Gerechtigkeitstheorie von John Rawls auf die gesellschaftliche Realität in Deutschland anwendbar ist, indem sie normative Konzepte mit empirischen Forschungsergebnissen aus Soziologie und Neurowissenschaften kontrastiert.
2.1 Gesellschaft als faires Kooperationssystem
Rawls betrachtet die politische Gesellschaft „als ein faires System der langfristigen, von einer Generation zur nächsten fortwirkenden Kooperation, wobei die Kooperierenden als freie und gleiche Bürger“ betrachtet werden. Diese zentrale Idee geht mit zwei Grundgedanken einher. Erstens werden die Bürger als freie und gleiche Personen betrachtet, die über „die beiden moralischen Vermögen“ verfügen. Damit meint Rawls die Anlage zum Gerechtigkeitssinn, sowie die Fähigkeit, sich eine Vorstellung vom Guten zu machen und „eine Konzeption des Guten zu vertreten, zu revidieren und rational durchzusetzen.“
Zweitens kooperieren diese Bürger in einer wohlgeordneten Gesellschaft, „die durch eine öffentliche Gerechtigkeitskonzeption wirksam geregelt ist“. Die wesentlichen Merkmale der sozialen Kooperation sind:
a) die von den Kooperierenden als Verhaltenssteuerung akzeptierten Regeln und Verfahren
b) faire Modalitäten und eine Reziprozität, d.h. wer seinen Beitrag leistet, wird auch Nutzen genießen
c) eine Vorstellung vom rationalen Vorteil der Beteiligten
Dabei unterscheidet Rawls explizit zwischen dem „Vernünftigen“ und dem „Rationalen“! Er setzt vernünftige Personen voraus, die grundsätzlich bereit sind, im Sinne der fairen Modalitäten auch Prinzipien auf Kosten eigener Interessen einzuhalten. Er verweist allerdings auch darauf, dass es zwar unvernünftig wäre, „aber nicht generell der Rationalität [entbehrt]“, sich anders zu verhalten. Dass er (schon mit der Vorstellung von freien und gleichen Bürgern) von Merkmalen der sozialen Welt abstrahiert und somit Idealisierungen vornimmt, ist Rawls bewusst. Ziel solcher abstrakten Konstruktionen ist es, einen ungehinderten Blick auf fundamentale Fragen zu bekommen und sich auf besonders signifikante Elemente zu konzentrieren.
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die wachsende soziale Ungerechtigkeitsdebatte in Deutschland und definiert das Ziel der Arbeit, die Rawls'sche Gerechtigkeitstheorie kritisch auf reale gesellschaftliche Verhältnisse zu prüfen.
2 John Rawls und seine Theorie der Gerechtigkeit als politische Konzeption: Dieses Kapitel stellt die Grundzüge von Rawls' "Justice as Fairness" dar, inklusive der Konzepte des Urzustands, des Schleiers des Nichtwissens und der zwei zentralen Gerechtigkeitsprinzipien.
3 Gerechtigkeit – eine interdisziplinäre Betrachtung: Hier werden philosophische Annahmen mit Erkenntnissen der Neuropsychologie und Moralforschung konfrontiert, um die reale Existenz eines angeborenen Moralsinns und die Begrenztheit rein rationaler Gerechtigkeitskonzepte zu diskutieren.
4 Chancengleichheit – gesellschaftliche Realität vs. Theorie-Ideal: Das Kapitel untersucht empirisch die Bildungschancen und die soziale Mobilität in Deutschland und zeigt die Diskrepanz zwischen dem Rawlsschen Anspruch auf Chancengleichheit und der existierenden sozialen Schließung auf.
5 Fazit: Das Fazit resümiert, dass das Rawlssche Modell als kritisches Ideal dient, aber an der empirischen Realität aufgrund psychologischer Faktoren und sozialer Abwehrmechanismen scheitert, was eine bewusste politische Auseinandersetzung mit Gerechtigkeitsdefiziten notwendig macht.
John Rawls, Gerechtigkeit als Fairness, Soziale Ungleichheit, Bildungschancen, Chancengerechtigkeit, Differenzprinzip, Soziale Mobilität, Neuropsychologie, Moralsinn, Wohlgeordnete Gesellschaft, Politische Philosophie, Empirische Gerechtigkeitsforschung, Sperrklinken-Gesellschaft, Institutionelle Ungerechtigkeit, Grundstruktur.
Die Arbeit untersucht die Anwendbarkeit der Gerechtigkeitstheorie von John Rawls auf die aktuelle gesellschaftliche Realität in Deutschland, insbesondere unter Berücksichtigung empirischer Erkenntnisse.
Zentral sind die theoretische Fundierung durch John Rawls, interdisziplinäre Einblicke aus der Hirnforschung und Soziologie sowie eine Analyse der Bildungsgerechtigkeit und sozialen Mobilität.
Das Ziel ist zu evaluieren, ob die durch Rawls formulierten Gerechtigkeitskriterien in der realen deutschen Gesellschaft eine praktische Entsprechung finden oder als normatives Ideal zu verstehen sind.
Die Autorin kombiniert eine theoretische Analyse der philosophischen Werke von Rawls mit einem interdisziplinären Literaturabgleich (Neuropsychologie, empirische Sozialforschung, Bildungsstudien).
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Rawls-Theorie, deren interdisziplinäres "Kreuzverhör" mittels psychologischer Studien und eine empirische Prüfung anhand deutscher Daten zu Bildung und sozialer Herkunft.
Wichtige Begriffe sind Gerechtigkeit als Fairness, Chancengleichheit, Differenzprinzip, Hintergrundgerechtigkeit und das Konzept der "Sperrklinken-Gesellschaft".
Die Neuropsychologie wird herangezogen, um zu klären, ob ein angeborener Moralsinn existiert, was die Frage beantwortet, ob Gerechtigkeitsvorstellungen rein erlernt oder biologisch fundiert sind.
Die Arbeit schlussfolgert, dass im deutschen Bildungssystem eine institutionelle Ungerechtigkeit existiert, die stark von der sozialen Herkunft geprägt ist und dem idealen Gerechtigkeitsanspruch widerspricht.
Die Akzeptanzforschung wird als lehrreich für das Verständnis von Gerechtigkeitsurteilen bewertet, aber als instrumentell begrenzt, wenn sie dazu genutzt wird, soziale Abwehrmechanismen als "gerecht" zu legitimieren.
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