Bachelorarbeit, 2017
80 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
1.1 Zielsetzung
1.2 Begriffsklärung
1.2.1 Dialekt
1.2.2 Bregenzerwald und Bregenzerwälder Dialekt
1.2.3 Standardsprache
1.2.4 Sprachstandserhebung
2 Die sprachliche Situation im Bregenzerwald
2.1 Diglossie – Zwei Formen der gleichen Sprache
2.2 Spannungsfeld Dialekt und Standardsprache
2.2.1 Der Einfluss der Medien auf den Standardspracherwerb
2.3 Dialekt und Identitätsbildung
3 Der Bregenzerwälder Dialekt
3.1 Die Alemannische Sprachfamilie
3.2 Merkmale des Bregenzerwälder Dialekts
3.3 Dialektale Auffälligkeiten erkennen und den bewussten Umgang fördern
3.3.1 Lehrplanbezug
3.3.2 Mögliche Einflüsse des Dialekts auf die Verwendung der Standardsprache
4 Sprachdiagnose
4.1 Aufgaben und Ziele von Sprachstandserhebungen
4.2 Arten von Sprachstandserhebungen
4.2.1 Kategorien
4.3 Herausforderungen
5 Forschungsgegenstand
5.1 Erörterung der Problemstellung
5.1.1 Forschungsfragen
5.2 Ausarbeitung der Sprachstandserhebung
5.2.1 Aufbau der Sprachstandserhebung
5.2.2 Ablauf der Beobachtung
5.2.3 Untersuchungskriterien
5.3 Untersuchung der Sprachkenntnisse
5.3.1 Durchführung der Sprachstandserhebung
5.3.2 Auswertung der Sprachstandserhebung
5.4 Analyse der Ergebnisse
5.4.1 Analyse der Ergebnisse aus dem Vergleich von Dialekt und Standardsprache
5.4.2 Analyse der Ergebnisse aus der qualitativen Fehleranalyse
5.4.3 Aufschlüsse aus den Reflexionen der Kinder
6 Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die dialektale Sozialisation von Kindern im Bregenzerwald deren Standardspracherwerb beim Eintritt in die Volksschule beeinflusst, mit dem Ziel, ein Diagnoseinstrument zur gezielten Förderung zu entwickeln.
1 Einleitung
„Reda wia dr Schnabl gwasa ischt“ – diese Redewendung aus Vorarlberg bedeutet, in der Erstsprache - jener Sprache mit der man aufgewachsen ist - zu sprechen. Denkt man an seine eigene Erstsprache, würde wohl kaum jemand den Dialekt als solche bezeichnen. Doch in vielen Teilen Österreichs ist der Dialekt genau das: die erste Sprache die ein Kind hört, die Sprache, die zu Hause von Eltern und Geschwistern gesprochen wird, die Alltagssprache. In der Redewendung steckt jedoch noch mehr. Sie steht auch für die Verbundenheit zur Heimat, das Gefühl dazu zu gehören und verstanden zu werden. Der Dialekt ist für Viele nicht nur eine Möglichkeit sich zu verständigen, sondern auch ein starker Ausdruck ihres Heimatgefühls und ihrer Identität.
Die Talschaft Bregenzerwald im westlichsten Bundesland Österreichs ist besonders stark vom Dialekt geprägt. Durch Einflüsse aus verschiedenen Sprachgruppen hat sich in dieser Region im Laufe der Zeit eine Mundart entwickelt, die selbst für Bewohner benachbarter Talschaften schwer zu verstehen ist.
Da ich selbst in dieser Talschaft aufgewachsen bin weiß ich, dass Kinder, welche einen Dialekt sprechen, im Alltag keineswegs benachteiligt sind – ganz im Gegenteil. Die Beherrschung eines Dialektes ist eine wichtige sprachliche Kompetenz und ein wertvoller Teil der Persönlichkeitsentwicklung. Spätestens beim Schuleintritt und dem damit verbundenen Schriftspracherwerb können jedoch bei den Kindern vereinzelt Schwierigkeiten mit der Standardsprache auftreten. Es liegt dann an der Lehrperson, die standardsprachlichen Kompetenzen der Kinder richtig einzuschätzen und sie gezielt zu fördern.
Speziell in Regionen, die sehr stark vom Dialekt geprägt sind, wird dieser oft als Störung im Schulalltag gesehen und deshalb kaum bis gar nicht in den Unterricht miteinbezogen. Auch in der Literatur spiegelt sich dieses Bild wider. Es gibt für Lehrpersonen kein Werk das aufzeigt, welche Auffälligkeiten in der Verwendung der Standardsprache auf den jeweiligen Dialekt zurück zu führen sind.
In dieser Arbeit wird der Dialekt bewusst nicht als Problem, sondern als das Normal gesehen - als Grundlage für den Standardspracherwerb des dialektal sozialisierten Kindes.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung des Dialekts für Identität und Heimat im Bregenzerwald und definiert das Ziel der Arbeit, den Dialekt als Basis für den Standardspracherwerb zu etablieren.
2 Die sprachliche Situation im Bregenzerwald: Dieses Kapitel analysiert das Phänomen der Diglossie und das Spannungsfeld zwischen der favorisierten Mundart und der institutionellen Standardsprache.
3 Der Bregenzerwälder Dialekt: Es werden die alemannischen Sprachwurzeln sowie spezifische grammatikalische, phonetische und lexikalische Merkmale des Dialekts dargestellt.
4 Sprachdiagnose: Der theoretische Rahmen für Sprachstandserhebungen wird dargelegt und verschiedene diagnostische Verfahren sowie deren Herausforderungen werden erörtert.
5 Forschungsgegenstand: Dieser Teil dokumentiert das methodische Vorgehen bei der Entwicklung und Durchführung der Sprachstandserhebung bei Kindern im Bregenzerwald sowie deren qualitative Auswertung.
6 Resümee: Die Ergebnisse bestätigen einen deutlichen Einfluss der dialektalen Sozialisation auf den Standardspracherwerb und plädieren für eine wertschätzende und gezielte Förderung im Unterricht.
Bregenzerwald, Dialekt, Standardsprache, Standardspracherwerb, Diglossie, Sprachstandserhebung, Sprachdiagnose, alemannische Sprachfamilie, Identitätsbildung, qualitative Fehleranalyse, Schuleingangsphase, Sprachförderung, Zweitspracherwerb, Sprachkompetenz, Fehlerquelle.
Die Arbeit untersucht den Einfluss der Bregenzerwälder Mundart auf den Erwerb der deutschen Standardsprache bei Kindern im Volksschulalter.
Im Zentrum stehen die Diglossie-Situation, die sprachwissenschaftlichen Merkmale des Bregenzerwälder Dialekts sowie Methoden zur Diagnose sprachlicher Kompetenzen.
Das Ziel ist es, durch eine qualitative Analyse aufzuzeigen, wie dialektal geprägte Schülerinnen und Schüler beim Übergang zur Schriftsprache gezielt unterstützt werden können.
Die Autorin verwendet eine Literaturrecherche zu den theoretischen Grundlagen sowie eine empirische, qualitative Sprachstandserhebung mittels Bildgeschichten und Fehleranalyse.
Der Hauptteil gliedert sich in eine linguistische Beschreibung der Dialektmerkmale und deren Auswirkungen auf die Standardsprache sowie in die Auswertung der beobachteten Sprachproben von 17 Kindern.
Wichtige Begriffe sind Dialektbedeutung, Diglossie, Fehleranalyse nach phonetischen, morphologischen, syntaktischen und lexikalischen Ebenen sowie Sprachstanddiagnostik.
Da das Präteritum im Bregenzerwälder Dialekt fehlt, müssen Kinder diese Zeitform im Zuge des Schriftspracherwerbs mühsam wie eine Fremdsprache erlernen.
Die Reflexionsgespräche ergaben eine starke Identifikation mit dem Dialekt, der meist als einfacher und „bequemer“ empfunden wird als die Standardsprache.
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