Bachelorarbeit, 2020
89 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Lebenswelt von Kindern heute
2.1. Kindheit im Wandel
2.1.1. Medien und Konsum
2.1.2. Verinselung, Verhäuslichung und Inszenierung
2.1.3. Ungleichheit und Armutserfahrungen
2.1.4. Kindheit und Raum
2.2. Zusammenfassung und Folgen
3. Grundbegriffe der frühkindlichen Bildung
3.1. Aktuelle Positionen zur frühkindlichen Bildung
3.1.1. Bildung als Kompetenzförderung
3.1.2. Bildung als Selbstbildung und Aneignung von Welt
3.2. Formale, non-formale und informelle Bildung
3.3. Zusammenfassung
4. Freispiel und Freiraum in der Natur
4.1. Freispiel
4.1.1. Funktion des Spiels
4.1.2. Draußenspiel
4.2. Freiräume
4.2.1. Aktionsraumqualität
4.2.2. Natur als Freiraum
4.3. Zusammenfassung
5. Das Konzept Waldkindergarten
5.1. Geschichte und Entwicklung des Waldkindergartens
5.2. Organisationales
5.2.1. Formen von Waldkindergärten
5.2.2. Trägerschaft
5.2.3. Finanzierung
5.2.4. Rechtliches
5.3. Konzept
5.3.1. Naturraumpädagogik
5.3.2. Naturraum als dritter Erzieher
5.3.3. Der autonom strukturierte Raum
5.4. Zusammenfassung
6. Forschungsteil
6.1. Zum Forschungsstand zu Waldkindergärten
6.2. Ethnographische Forschung
6.2.1. Teilnehmende Beobachtung
6.2.2. Dichte Beschreibung
6.3. Darstellung der Forschung im Feld Waldkindergarten
6.3.1. Zugang zum Feld
6.3.2. Darstellung des Forschungsvorganges
7. Exemplarischer Bericht und Grenzen der Feldstudie
7.1. Exemplarischer Ablauf: Ein Tag im Waldkindergarten
7.2. Grenzen der Feldstudie
8. Analyse - Freiräume im Waldkindergarten
9. Diskussion - Chancen und Grenzen des Konzepts
10. Fazit und Ausblick
10.1. Fazit
10.2. Ausblick
Schlusswort
Literatur
Anhang
Anhang 1: Beobachtungprotokolle
Anhang 2: Liste Kriterien
Anhang 3: Analysetabelle
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie frühkindliche Bildungsprozesse im Waldkindergarten stattfinden, welche Rolle der Naturraum dabei spielt und welche Möglichkeiten sowie Grenzen dieses pädagogische Konzept für die frühkindliche Bildung bietet. Ziel ist es, das Konzept als Alternative zu konventionellen Bildungseinrichtungen kritisch zu würdigen und aufzuzeigen, wie Naturräume als Freiräume für selbstbestimmtes Lernen fungieren können.
7.1. Exemplarischer Ablauf: Ein Tag im Waldkindergarten
Der Tag startet im Garten des Waldkindergartens vor der kleinen Schutzhütte. Die Kinder kommen bereits in wetterfester „Matsch-Kleidung" mit ihren Rucksäcken und bleiben direkt draußen. Heute scheint die Sonne und während die Gruppe wartet, dass alle ankommen, spielen die Kinder im Garten oder erzählen den Erzieherinnen Geschichten vom Wochenende. Es wird auch schon darüber gesprochen und verhandelt, wo es heute hingehen soll. Die Kinder machen Vorschläge. Eine Erzieherin sagt, wir warten noch bis alle da sind, dann soll entschieden werden. An diesem Tag hat ein neues Kind seinen ersten Eingewöhnungstag. Sie bleibt heute mit dem Vater in der Gruppe. Ein Begrüßungslied wird von allen Anwesenden gesungen. Danach darf das Mädchen den Briefkasten des Waldkindergartens öffnen - eine Eichelkette und ein persönlichen Brief findet es darin - dieses Begrüßungsritual haben alle Kinder des Waldkindergartens so erlebt.
Die Erzieherinnen fragen in die nun vollständige Runde, wo es heute hingehen soll. Ein Kind ruft „zur Zauberschlucht!" - und alle sind einverstanden. So schnell geht an diesem Tag die Einigung. So macht sich die Gruppe auf den Weg - doch schon nach den ersten Schritten wird der Gang langsamer: Kinder haben Regenwürmer auf dem ersten Stück noch asphaltierten Weg entdeckt, auf dem auch Autos und Fahrräder fahren. Eine spontane Rettungsaktion beginnt: Die Kinder nehmen die Regenwürmer und tragen sie an den Rand zur Erde. Die Erzieherin C. berichtet, dass man hier in letzter Zeit täglich Regenwürmer retten könne, die lägen bei dem tagelangen Regen täglich hier. Die Erzieherin N. berichtet, dass Regenwürmer nicht die Erde verlassen, weil die Gänge mit Wasser volllaufen, was häufig behauptet würde, sondern dass sie vor den Regentropfen flüchten, die unter der Erde wie pickende Vögel Reize bei den Würmern auslösen. Sie hatte sich anlässlich der Regenwurmsituation und der von den Kindern gestellten Fragen zu Hause darüber informiert.
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Entstehung und Etablierung des Waldkindergartens als Antwort auf veränderte Lebensbedingungen und diskutiert dessen Stellung im aktuellen bildungspolitischen Diskurs.
2. Lebenswelt von Kindern heute: Dieses Kapitel analysiert den soziologischen Wandel der Kindheit seit den 80er Jahren und thematisiert die Zunahme von Verinselung, Verhäuslichung und Medienkonsum.
3. Grundbegriffe der frühkindlichen Bildung: Gegenüberstellung von Kompetenzförderung (formale Bildung) und dem Ansatz der Bildung als Selbstbildung nach Humboldt und Schäfer.
4. Freispiel und Freiraum in der Natur: Vertiefung der Bedeutung des freien Spiels ("Draußenspiel") und die Funktion von naturnahen Aktionsräumen für die kindliche Entwicklung.
5. Das Konzept Waldkindergarten: Historischer Rückblick und Erläuterung der Organisationsformen, Trägerschaft sowie der pädagogischen Konzepte wie Naturraum-Pädagogik.
6. Forschungsteil: Darstellung der ethnographischen Forschungsmethode (teilnehmende Beobachtung) und der gewählten Herangehensweise zur Untersuchung des Spielverhaltens.
7. Exemplarischer Bericht und Grenzen der Feldstudie: Einblicke in den praktischen Alltag anhand eines Tagesablaufs sowie Reflexion der methodischen Einschränkungen der Feldstudie.
8. Analyse - Freiräume im Waldkindergarten: Anwendung der Kriterien des freien Draußenspiels auf die im Waldkindergarten beobachteten Situationen zur Förderung von Selbstbildungsprozessen.
9. Diskussion - Chancen und Grenzen des Konzepts: Kritische Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Bedeutung, den Zugangsbarrieren und den Zukunftsperspektiven des Waldkindergartens.
10. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Waldkindergartenpädagogik und Empfehlungen für notwendige weitere Forschung sowie konzeptionelle Weiterentwicklungen.
Waldkindergarten, Frühkindliche Bildung, Naturraumpädagogik, Selbstbildung, Freispiel, Draußenspiel, Kindheit im Wandel, Ethnographie, Naturerfahrung, Autonomie, Partizipation, Bildungsraum, Sozialpädagogik, Aktionsräume, Nachhaltigkeit.
Die Arbeit analysiert das pädagogische Konzept des Waldkindergartens, um zu untersuchen, wie frühkindliche Bildungsprozesse in einer naturnahen Umgebung stattfinden und wie sich der Naturraum auf Kinder auswirkt.
Die Arbeit verknüpft Bildungssoziologie, Pädagogik der frühen Kindheit und Naturpädagogik und fokussiert dabei besonders auf die Bedeutung von Freiräumen und Naturerfahrungen.
Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, wie im Waldkindergarten Freiräume für Kinder geschaffen werden, in denen informelles, eigenständiges Lernen und Selbstbildung jenseits institutionalisierter Vorgaben möglich sind.
Die Autorin nutzt einen ethnographischen Forschungsansatz, schwerpunktmäßig die Methode der teilnehmenden Beobachtung und der „dichten Beschreibung“ innerhalb eines Hildesheimer Waldkindergartens.
Der Hauptteil deckt theoretische Grundlagen zu Kindheit und Bildung ab, stellt die Historie sowie Konzeption des Waldkindergartens vor und analysiert empirische Beobachtungen des Spielverhaltens der Kinder.
Zu den zentralen Begriffen zählen Waldkindergarten, Naturraumpädagogik, Selbstbildung, Freispiel, Autonomie und Partizipation.
Aufgrund der zunehmenden "Verhäuslichung" und Verplanung moderner Kindheit bietet der Wald einen "autonom strukturierten Raum", der Kindern ermöglicht, spontane, körpergebundene Erfahrungen zu machen, die in urbanen Siedlungen oft fehlen.
Die Autorin identifiziert insbesondere strukturelle Hürden wie Betreuungszeiten, Elterninitiativen mit hohem Arbeitsaufwand und soziale Selektivität beim Zugang als wesentliche Grenzen für eine breitere Umsetzung.
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