Diplomarbeit, 2008
70 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Die Protagonisten - Boswell und Beckford Zwei außergewöhnliche Grandtouristen
2.1 William Beckford (1760-1844)
2.2 James Boswell (1740-1795)
3 Die Grand Tour
3.1 Begrifflichkeit und Vorgeschichte
3.2 Motive der Grand Tour
3.3 Ablauf der Grand Tour
3.3.1 Reiseliteratur
3.3.2 Instruktionen für den Reisenden
3.3.3 Gepäck und Formalitäten
3.3.4 Die Transportmittel
3.3.5 Reisebegleiter und Reisekompanien
3.3.6 Gasthäuser und Herbergen
3.3.7 Die Gefahren und Probleme während der Tour
4 Italien – Das Hauptziel der Grand Tour
4.1 Geschichtlicher Hintergrund
4.2 Staatsformen und Verfassungen
4.3 Musik und Theater
4.4 Malerei
4.5 Die antiken Schätze Italiens
4.6 Die Architektur und ihre Auswirkungen auf England
4.7 Feste und Feierlichkeiten
5 Reiserouten – Zwei Touren im Vergleich
5.1 Boswells und Beckfords Wege nach Italien
5.2 Die Einreise nach Italien
5.3 Piemont und Lombardei
5.4 Venetien
5.5 Toskana
5.6 Rom
5.7 Neapel
5.8 Die Rückreise und folgende Ereignisse
5.9 Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider Touren
6 Das Ende der Grand Tour und die weitere Entwicklung
7 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
Die vorliegende Arbeit untersucht das historische Phänomen der „Grand Tour“, der adligen Bildungsreise durch Europa zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert. Ziel ist es, anhand der Reiseberichte der beiden britischen Aristokraten William Beckford und James Boswell die Motivationen, den Ablauf und die kulturelle Bedeutung dieser Reisen exemplarisch aufzuzeigen und dabei die unterschiedlichen Charaktere und Schwerpunkte der Reisenden sowie deren Einfluss auf ihr späteres Leben herauszuarbeiten.
3.3.6 Gasthäuser und Herbergen
Während der Grand Tour mussten sich die jungen Reisenden immer wieder auf zum Teil widrige Umstände in den entlang ihrer Route liegenden Gasthäusern und Herbergen einstellen. Auch die Verpflegung ließ oft zu wünschen übrig. Von der Qualität der Unterkunft in dem Ort, in dem sie sich gerade befanden, hing meist auch die Aufenthaltsdauer ab. So galt es, in den wichtigen Städten der Tour eine möglichst annehmbare Herberge zu finden. Aus diesem Grund versuchten die meisten Touristen schnell und direkt von einer größeren Stadt in die nächste zu gelangen, da es in kleineren Städten, Dörfern und vor allem auf dem Land an geeigneten Unterkünften mangelte. Aufgrund des noch nicht entwickelten Hotelnetzwerks entlang der wichtigsten Routen kam es so immer wieder zu Zwischenstopps in weniger angenehmen und bei den Reisenden zum Teil gefürchteten Unterkünften. Bestes Beispiel für ein solches Gasthaus in Italien war das in Radicofani an der Via Francigena, der Strecke zwischen Rom und Siena, welches noch dazu von einer trostlosen Landschaft umgeben war.
William Beckford beschreibt seine Eindrücke in Radicofani nach dem Betreten der Herberge wie folgt: „My heart sank, when I entered a vast range of apartments with high black roofs, once intended for a hunting palace of the Grand Dukes, but now desolate and forlorn. The wind having risen every door began to shake and every board substituted for a window to clatter.” Auch der Landschaft kann er nichts Gutes abgewinnen und ist froh, am nächsten Morgen den Weg nach Rom anzutreten: “I began to despair of magical adventures, since none happened at Radicofani; which natures seems wholly to have abandoned. Not a tree, nor an acre of soil, has she bestowed upon its inhabitants, who would have more excuse for practicing the gloomy art, than the rest of mankind.”
1 Einleitung: Einführung in das Thema der Grand Tour und Vorstellung der zwei zentralen Protagonisten, deren Reiseberichte zur Veranschaulichung dienen.
2 Die Protagonisten - Boswell und Beckford Zwei außergewöhnliche Grandtouristen: Detaillierte Vorstellung der Biografien, Persönlichkeiten und Hintergründe von William Beckford und James Boswell.
3 Die Grand Tour: Definition der Grand Tour, Erläuterung der Motive sowie eine umfassende Analyse der praktischen Reiseaspekte von Literatur über Ausrüstung bis hin zu Gefahren.
4 Italien – Das Hauptziel der Grand Tour: Untersuchung der Faktoren, die Italien zum bevorzugten Ziel machten, darunter Politik, Kunst, Architektur und das gesellschaftliche Festleben.
5 Reiserouten – Zwei Touren im Vergleich: Detaillierter Vergleich der Routen von Beckford und Boswell sowie eine chronologische Analyse ihrer Etappen und Erlebnisse in den verschiedenen italienischen Städten.
6 Das Ende der Grand Tour und die weitere Entwicklung: Analyse der Ursachen für den Niedergang der klassischen Grand Tour und die Entstehung des modernen Massentourismus.
7 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen: Synthese der Ergebnisse und Einordnung der Grand Tour als Vorläufer moderner Bildungs- und Kulturerfahrungen.
Grand Tour, Bildungsreise, William Beckford, James Boswell, Italien, 18. Jahrhundert, Adelsreisen, Kulturgeschichte, Reiseliteratur, Kavalierstour, Italienreise, Tourismusgeschichte, Aristokratie, Reisemotive, Europa.
Die Arbeit analysiert die „Grand Tour“ als adlige Bildungsreise des 16. bis 18. Jahrhunderts, wobei sie sich primär auf die Aufzeichnungen der zwei britischen Aristokraten William Beckford und James Boswell stützt, um das Phänomen lebensnah darzustellen.
Zentrale Themen sind die Planung und Durchführung der Reisen, die politischen und kulturellen Motive für die Wahl Italiens als Hauptziel, die Bedeutung von Kunst, Architektur und Geselligkeit sowie der Vergleich der unterschiedlichen Reiseerfahrungen der beiden Protagonisten.
Das Ziel ist es, die Komplexität der damaligen Bildungsreise zu erfassen und anhand von exemplarischen Reiseberichten aufzuzeigen, wie diese Erfahrungen zur persönlichen Reifung und zur Entwicklung der interkulturellen Kompetenz der Reisenden beitrugen.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgreifenden Literatur- und Quellenanalyse der Reiseaufzeichnungen von Beckford und Boswell sowie der Einbettung dieser primären Quellen in den historischen Kontext der Epoche.
Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Definition der Grand Tour, die Analyse Italiens als Reiseziel inklusive politischer und kultureller Aspekte, sowie einen detaillierten Vergleich der Touren der beiden Protagonisten durch verschiedene italienische Regionen.
Die wichtigsten Begriffe sind Grand Tour, Bildungsreise, Italienreise, Aristokratie, William Beckford, James Boswell, 18. Jahrhundert, Kulturtourismus und historische Reiseberichte.
Beckford war ein romantisch-exzentrischer Reisender, der sich stark für Architektur, Kunst und Natur begeisterte, während Boswell als gesellschaftsorientierter Lebemann vor allem Kontakte zu prominenten Zeitgenossen suchte und sehr offen über seine amourösen Abenteuer berichtete.
Cicisbeos waren gesellschaftlich akzeptierte Begleiter verheirateter Frauen, die oft auch als deren Liebhaber fungierten und die britischen Touristen in das gesellschaftliche Gefüge einführten, was für die Reisenden ein faszinierendes, aber auch befremdliches soziales Phänomen darstellte.
Die politische Neuordnung Europas durch die Französische Revolution und die napoleonischen Kriege, kombiniert mit dem technischen Fortschritt (Eisenbahn) und dem Aufstieg des Bürgertums, führten dazu, dass das exklusive Privileg der adligen Bildungsreise durch den aufkommenden modernen Massentourismus abgelöst wurde.
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