Magisterarbeit, 2007
125 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Methodologie und Vorstellung der Romane
2.1 Methodologische Vorbemerkungen: Zum Verhältnis von Ökonomie und Literatur
2.2 Biographische Bezüge, Forschungsstand und Vorstellung der Romane
HAUPTTEIL
3 Wirtschaft als Erzählung und ökonomische Kodierung des Poetischen: Das dialektische Verhältnis von Ökonomie und Literatur auf der Ebene des Erzählten
3.1 Wirtschaft als Erzählung
3.1.1 Narrative Momente des Ökonomischen auf der inhaltlichen Ebene
3.1.2 Deirdre McCloskeys Storytelling in Economics
3.1.3 Fiktionalität von materieller und immaterieller Ökonomie
3.2 Ökonomische Kodierung des Poetischen
3.2.1 Werttheorie in Simmels Philosophie des Geldes und in der Neoklassik
3.2.2 Ökonomische Durchdringung literarischer Medien
3.2.2.1 Tagebuch und Subjektdiskurs
3.2.2.2 Zwischenmenschliche Kommunikation und Intersubjektivitätsdiskurs
3.2.3 Auswege aus der ökonomischen Logik? Gesellschaftlicher Ausstieg und Tod
3.2.3.1 Am Rand der Tanzfläche: Gesellschaftlicher Ausstieg
3.2.3.2 „Man fällt einfach fürs öffentliche Leben aus.“: Tod, Blut und Geld
4 Von Ökonomie erzählen: Poetische Verfahren
4.1 „[I]n der Luft gehen“: Poetische Aneignungsstrategien, monetäre Semiotik und literarische Selbstverzinsung in Händlers Roman Wenn wir sterben
4.1.1 Ökonomische, monetäre Strukturierung des Romanverfahrens
4.1.1.1 Metareflexive Aneignung verschiedener Sprachstile
4.1.1.2 Schlafender und Wächter zugleich: Erzähltheoretische Analyse der Instanz Wir
4.1.1.3 Poetische und pekuniäre Semiotik
4.1.2 Verschwendungslogik und Ästhetisierung der Wirtschaft
4.1.2.1 Umschlag der ökonomischen Aneignungsstrategie und monetären Semiotik in poetische Verschwendung
4.1.2.2 Der Leser als Ethnograph und die Ästhetisierung ökonomischer Diskurse
4.1.2.3 [G]rundsätzlich [hängt] alles von allem ab“: Die Theorie der rationalen Erwartung als Reflexionsmedium des dialektischen Romanverfahrens
4.2 „Saint-Exupèry und seine ganz spezielle märchenhafte Logik mit den Anforderungen von Lipinski […] verbinden“: Ironische Brechungen, Märchentopoi und Verschwendung in Merkels Roman Das Jahr der Wunder
4.2.1 Ökonomische, monetäre Strukturierung des Romanverfahrens
4.2.1.1 „Natürlich ist [das Konzept] auch ein bisschen ironisch gemeint“: Rollenprosa und ironische Brechungen
4.2.1.2 „Ich glaube, dass die Unterschiede nicht so groß [sind]“: Ästhetische und zeichentheoretische Implikationen der monetären Logik
4.2.2 Verschwendungslogik und Ästhetisierung der Wirtschaft
4.2.2.1 Der ethnographische Blick des Christian Schlier
4.2.2.2 Märchenhafte Logik und Geschichten für kleine Jungs: Intertextuelle Bezüge
4.2.2.3 Zu wenig Sekt und zu viel Trinkgeld: Das dialektische Verhältnis zwischen wirtschaftlicher Knappheit und maßloser Fülle
4.3 Die fiktionale Potentialität des Monetären: Simmels ‚Superadditum des Geldes’ und seine Implikationen für die literarischen Verfahren
5 Schluss-Bilanz und Forschungsausblick
6 Literaturangaben
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Austauschprozesse zwischen ökonomischen und literarischen Diskursen anhand der Romane Das Jahr der Wunder (2001) von Rainer Merkel und Wenn wir sterben (2002) von Ernst-Wilhelm Händler, mit dem primären Ziel aufzuzeigen, wie literarische Verfahren ökonomische Konzepte ästhetisieren und umgekehrt ökonomische Logiken die Struktur des Erzählens beeinflussen.
[I]n der Luft gehen“ (WWS, 454): Poetische Aneignungsstrategien, monetäre Semiotik und literarische Selbstverzinsung in Händlers Roman Wenn wir sterben
Händlers Roman realisiert durch seine Orientierung an der monetären Logik eine spezifische literarische Aneignungsstrategie, die verschiedene poetische Schreibweisen und Sprachstile in das Zeichennetzwerk des Textes integriert. Darüber hinaus eignet er sich ökonomische Diskurse an, die er mit dem literarischen Verfahren vermittelt, und erzeugt so Poetik, die als literarische Verwirklichung des wissenschaftlich orientierten New Economic Criticism interpretiert werden kann.
1 Einleitung: Die Einleitung verortet das Interesse der Gegenwartsliteratur an ökonomischen Motiven und definiert die Fragestellung zur dialektischen Verschränkung von ökonomischen Prinzipien und poetischen Erzählverfahren.
2 Methodologie und Vorstellung der Romane: Dieses Kapitel begründet den methodischen Zugang des New Economic Criticism und stellt die beiden zu analysierenden Romane in ihrem biographischen und forschungsgeschichtlichen Kontext vor.
3 Wirtschaft als Erzählung und ökonomische Kodierung des Poetischen: Das dialektische Verhältnis von Ökonomie und Literatur auf der Ebene des Erzählten: Der erste Teil des Hauptteils untersucht inhaltlich, wie die Romane wirtschaftliche Theorien narrativ konstruieren und wie ökonomische Optimierungskalküle intersubjektive Beziehungen bestimmen.
4 Von Ökonomie erzählen: Poetische Verfahren: Der zweite Teil des Hauptteils arbeitet auf formaler Ebene heraus, wie die monetäre Poetik der Texte zu einer Ästhetisierung der Wirtschaft führt und welche Rolle dabei die Konzepte der Verschwendung und Abstraktion spielen.
5 Schluss-Bilanz und Forschungsausblick: Die Schlussbilanz fasst die Ergebnisse zur wechselseitigen Durchdringung von Literatur und Ökonomie zusammen und gibt einen Ausblick auf offene Forschungsfelder, insbesondere im Hinblick auf religiöse Metaphorik und geschlechtsspezifische Konnotationen.
Ökonomie, Literatur, New Economic Criticism, Monetäre Semiotik, Ästhetisierung, Erzählverfahren, Simmel, Philosophie des Geldes, Werttheorie, Arbeitswertlehre, Grenznutzentheorie, Poetologie, Fiktionalität, Intertextualität, Narratologie
Die Arbeit analysiert die wechselseitige Durchdringung von ökonomischen und literarischen Diskursen in den Romanen von Rainer Merkel und Ernst-Wilhelm Händler, um aufzuzeigen, wie Wirtschaft und Literatur sich in der deutschen Gegenwartsliteratur gegenseitig prägen.
Im Zentrum stehen die poetologische Verwendung ökonomischer Theorien, die fiktionale Konstruktion wirtschaftlicher Realität und die Art und Weise, wie monetäre Logiken die formale Erzählstruktur und das Subjektverständnis in den untersuchten Werken beeinflussen.
Die Untersuchung zielt darauf ab, zu ergründen, inwiefern literarische Erzählverfahren ökonomischen Modellen folgen und wie umgekehrt das Ökonomische eine imaginäre, poetische Komponente in den Texten gewinnen kann.
Die Arbeit stützt sich primär auf den interdisziplinären Forschungsansatz des New Economic Criticism sowie auf kulturwissenschaftliche und erzähltheoretische Methoden, insbesondere unter Einbezug von Georg Simmels Werttheorie.
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Untersuchung wirtschaftlicher Narrationen und eine formale Analyse der ästhetischen Poetik der Texte, wobei sowohl die industrielle Produktion als auch die kreative Wissensökonomie thematisiert werden.
Zentrale Begriffe sind unter anderem Ökonomie und Literatur, Monetäre Semiotik, Ästhetisierung der Wirtschaft, Postmoderne Erzählstrategien, Simmels Geldphilosophie und die Fiktionalität ökonomischer Diskurse.
Der Begriff dient zur theoretischen Fundierung der fiktionalen Qualität des Geldes, das über seine reine Tauschfunktion hinaus als "absolutes Mittel" und imaginäre Potenz fungiert, was in den Romanen literarisch verarbeitet wird.
Händler nutzt komplexe, formale Strategien wie die Kollage verschiedener Sprachstile und eine hohe Abstraktionsdichte, die das traditionelle, mimetische Erzählen zugunsten einer selbstreferentiellen, fast schon "unökonomischen" Materialschlacht an Zeichen verdrängen.
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