Bachelorarbeit, 2022
68 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Theoretischer Rahmen
2.1 Die Cleavage Theorie
2.2 Das A-G-I-L Paradigma als Ausgangspunkt der Analyse
2.3 Vier Konfliktlinien nach Lipset und Rokkan
2.3.1 Der Zentrum-Peripherie Konflikt
2.3.2 Der Kirche-Staat Konflikt
2.3.3 Der Stadt-Land Konflikt
2.3.4 Der Arbeit-Kapital Konflikt
2.4 Entstehung von Parteien
2.4.1 Gesellschaftliche Konflikte in Form parteipolitischer Oppositionen
2.4.2 Die Parteienlandschaft der Bundesrepublik Deutschland
3 Methodische Vorgehensweise
3.1 Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring: Inhaltliche Strukturierung
3.2 Theoriegeleitete Kategorisierung
4 Debatten um das Entstehen einer neuen Konfliktlinie
4.1 Postmaterialismus versus Materialismus
4.2 Somewheres versus Anywheres
4.3 Kommunitarismus versus Kosmopolitismus
4.4 Zwischenfazit
5 Analyse des neuen Konflikts im Spiegel der Cleavage Theorie
5.1 Analyse nach theoriegeleiteten Kategorien
5.1.1 Kriterium des Entstehungskontexts
5.1.2 Kriterium der politischen Wirksamkeit
5.1.3 Kriterium der historischen Dimension
5.2 Zwischenfazit und Grenzen
5.3 Sprachliche und inhaltliche Bestimmung des neuen Konflikts
5.3.1 Sprachliche Analyse
5.3.2 Die Links-Rechts-Dichotomie als bestimmendes Paradigma
6 Fazit
7 Résumé français
7.1 Introduction
7.2 Cadre théorique
7.2.1 La théorie du clivage
7.2.2 Les quatre lignes de fractures selon Lipset et Rokkan
7.2.3 Naissance des partis politiques : Le paysage politique allemand
7.3 Approche méthodologique
7.4 Débats sur l’émergence d’une nouvelle ligne de fracture
7.4.1 Post-matérialisme versus Matérialisme
7.4.2 Somewheres versus Anywheres
7.4.3 Cosmopolitisme versus Communautarisme
7.5 Analyse du nouveau conflit au prisme de la théorie du clivage
7.5.1 Critère du contexte de création
7.5.2 Critère de l’efficacité politique
7.5.3 Critère de la dimension historique
7.6 Détermination du nouveau conflit en termes de langue et de contenu
7.6.1 Analyse linguistique
7.6.2 La dichotomie gauche-droite comme paradigme déterminant
7.7 Conclusion
Die Arbeit untersucht die These, ob die deutsche Gesellschaft durch einen neuen Grundkonflikt geprägt ist, der sowohl kulturelle als auch ökonomische Dimensionen umfasst und sich als neue, langfristige Konfliktlinie (Cleavage) im Sinne der Theorie von Lipset und Rokkan deuten lässt.
2.1 Die Cleavage Theorie
Die von Lipset und Rokkan (1967) entwickelte Cleavage Theorie (zu deutsch: Theorie der Konfliktlinien) hat zum Ziel, das Entstehen und die Persistenz von Parteien vor dem Hintergrund historisch-gesellschaftlicher Entwicklungen in westeuropäischen Staaten zu erklären. Genauer gesagt steht hierbei die Analyse von „conflicts and their translation into party systems“ (ebd., S. 5) im Zentrum. Interessenunterschiede und Ungleichheiten begünstigen gesellschaftliche Spannungen, welche politische Konfliktlinien, sogenannten Cleavages, hervorbringen können (vgl. Schubert und Klein, 2018, zitiert nach Bundeszentrale für politische Bildung, 2021a).
In diesem Kapitel, welches den theoretischen Rahmen für diese Arbeit vorgibt, sollen die Kernelemente der in den 1960er Jahren entwickelten Cleavage-Theorie nachgezeichnet werden. Hierbei wird in einem ersten Schritt die Entstehung von Konflikten in westeuropäischen Gesellschaften analysiert. Somit kann anschließend – unter Bezugnahme auf das deutsche Parteiensystem – aufgezeigt werden, wie und unter welchen Bedingungen gesellschaftliche Spannungen ihren Ausdruck in Form von politischen Konfliktlinen finden.
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Cleavage-Theorie und Diskussion der Forschungsfrage, ob ein neuer, gesellschaftlicher Konflikt in Deutschland als langfristige Konfliktlinie zu verstehen ist.
2 Theoretischer Rahmen: Darstellung der klassischen Cleavage-Theorie nach Lipset und Rokkan, des A-G-I-L Paradigmas und der vier historischen Konfliktlinien sowie der Genese des deutschen Parteiensystems.
3 Methodische Vorgehensweise: Erläuterung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring und Definition der deduktiven Kategorien zur Analyse des Diskurses.
4 Debatten um das Entstehen einer neuen Konfliktlinie: Zusammenfassung der wissenschaftlichen Debatten über Wertekonflikte, spezifisch Postmaterialismus, Somewheres vs. Anywheres und Kommunitarismus vs. Kosmopolitismus.
5 Analyse des neuen Konflikts im Spiegel der Cleavage Theorie: Anwendung der theoretischen Kriterien auf den aktuellen Konflikt, um zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine neue Cleavage erfüllt sind.
6 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und kritische Reflexion, ob der untersuchte Konflikt tatsächlich als neue, langfristige Konfliktlinie im Sinne der Theorie zu gewerten ist.
Cleavage-Theorie, Kommunitarismus, Kosmopolitismus, deutsche Parteienlandschaft, gesellschaftlicher Konflikt, politische Wirksamkeit, Globalisierung, Rechts-Links-Schema, Postmaterialismus, Anywheres, Somewheres, Wertewandel, politische Transformation, Parteiensystem, Strukturwandel.
Die Arbeit analysiert, ob aktuelle gesellschaftliche Spannungen in Deutschland, oft thematisiert als Gegensatz zwischen Kommunitarismus und Kosmopolitismus, die Kriterien einer klassischen Konfliktlinie (Cleavage) nach Lipset und Rokkan erfüllen.
Zentrale Themen sind die historische Genese politischer Konfliktlinien, die Auswirkungen der Globalisierung auf soziale und kulturelle Unterschiede sowie die Einordnung neuer populistischer Parteien in das traditionelle Parteiensystem.
Das Ziel ist zu bestimmen, ob der wahrgenommene neue Grundkonflikt in der deutschen Gesellschaft eine soziostrukturelle Verankerung und politische Wirksamkeit aufweist, die ihn als langfristige "Cleavage" auszeichnet.
Die Autorin verwendet eine qualitative Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring, wobei deduktive Kategorien aus der Cleavage-Theorie abgeleitet werden, um den aktuellen wissenschaftlichen Diskurs systematisch zu untersuchen.
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen (Lipset und Rokkan), die Entwicklung des deutschen Parteiensystems sowie verschiedene wissenschaftliche Debatten um neue Konfliktpole gegenübergestellt und anhand der definierten Analysekriterien überprüft.
Neben der zentralen "Cleavage"-Thematik sind Begriffe wie "Somewheres" und "Anywheres", "Kommunitarismus", "Kosmopolitismus", "Globalisierung" sowie die "Rechts-Links-Dichotomie" entscheidend für das Verständnis der Untersuchung.
Die Autorin argumentiert, dass trotz politischer Wirksamkeit des Konflikts die von Lipset und Rokkan geforderte historische Dimension einer "Revolution" und die langfristige Beständigkeit als eigenständige Cleavage durch die Transformationen des aktuellen Parteiensystems an ihre Grenzen stoßen.
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass entgegen einiger Debatten eine Differenzierung anhand des klassischen Rechts-Links-Schemas weiterhin sinnvoll ist, um die soziokulturellen und sozioökonomischen Positionen der Parteien in einem zweidimensionalen Modell einzuordnen.
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