Diplomarbeit, 2008
66 Seiten, Note: 1,00
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmungen
2.1 Zeitarbeit
2.2 Sozialstrukturanalyse und sozioökonomische Struktur
3. Zeitarbeit als dynamische Wachstumsbranche des Arbeitsmarktes
3.1 Regulierung der Zeitarbeitsbranche
3.2 Quantitative Entwicklung der Zeitarbeit
3.2.1 Saisonale Entwicklung der Zeitarbeit
3.2.2 Konjunkturelle Entwicklung der Zeitarbeit
3.2.3 Zeitarbeit als Wachstumsbranche
3.3 Strukturelle, tätigkeitsspezifische Entwicklung der Zeitarbeit unter Berücksichtigung der allgemeinen Entwicklung des Arbeitsmarktes
3.3.1 Strukturelle Unterschiede
3.3.2 Substitutionstendenzen bei regulärer Beschäftigung
3.3.2.1 Umfang der Substitution
3.3.2.2 Ursachen der Substitution
3.4 Dynamik und Fluktuation in der Zeitarbeitsbranche
4. Sozioökonomische Struktur von Leiharbeitnehmern
4.1 Rekrutierungspotential von Leiharbeitnehmern
4.2 Geschlechterspezifische Unterschiede
4.2.1 Frauenquote
4.2.2 Segregation nach Frauen- und Männerberufen
4.2.3 Saisonale Schwankungen
4.3 Nationalitäten
4.4 Stellung im Beruf
4.4.1 Begrifflichkeiten und Abgrenzungen
4.4.2 Vertikale Hierarchien bei Leiharbeitnehmern und regulär Beschäftigten
4.4.3 Befristete Arbeitsverhältnisse und berufliche Stellung
4.5 Qualifikation
4.6 Altersstruktur
4.7 Einkommen
4.7.1 Methodik
4.7.2 Einkommensunterschiede
4.8 Beschäftigungsdauer und soziodemographische Merkmale
5. Subjektive Lebenswirklichkeiten von Leiharbeitnehmern
5.1 Leiharbeitnehmer im Vergleich zu regulär Beschäftigten
5.2 Disparität zwischen Qualifikation und beruflicher Stellung
6. Resümee
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die quantitative Entwicklung sowie die sozioökonomische Struktur und Lebenswirklichkeit von Leiharbeitnehmern in Deutschland fundiert zu untersuchen. Im Zentrum steht dabei die Analyse der Rolle der Zeitarbeit als Flexibilisierungsinstrument am Arbeitsmarkt sowie die Frage, inwieweit Leiharbeit reguläre Beschäftigungsverhältnisse substituiert.
3.3.2.2 Ursachen der Substitution
Zeitarbeit wird in der Regel von den Entleihern als Alternative zu Überstunden und befristeten Arbeitsverträgen gesehen. Der Vorteil gegenüber befristeten Verträgen ist der, dass Leiharbeiter ohne zeit- und kostenaufwendige Such- und Auswahlverfahren unmittelbar zur Verfügung stehen und Zeitarbeitsfirmen für das überlassene Personal oft eine Qualitätsgarantie geben. Überstunden bieten bei Kapazitätsausweitungen hingegen nur eine beschränkte Möglichkeit, da diese nicht unbegrenzt angehäuft werden können. Dies erklärt, dass Zeitarbeiter bei kurzfristigen Personalengpässen infolge von saisonalen oder konjunkturellen Kapazitätsausweitungen und außerplanmäßigen Ausfällen der Stammbelegschaft eingesetzt werden.
Dies erklärt aber nicht, dass Zeitarbeit langfristig reguläre Beschäftigung substituiert. Vorliegend treten Substitutionstendenzen gerade bei Berufen auf, die besonders arbeitsintensiv sind, wie bei den Metallberufen, bei Schlossern und Mechaniker und Elektrikern. Gerade diese Branchen sind vom Strukturwandel besonders betroffen. Da nun die Zahl der Zeitarbeitskräfte einerseits im saisonalen und konjunkturellen Verlauf sehr stark schwankt und die Substitution im Zeitraum 1999 bis 2006 maximal 20 % der regulären sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten betrug, ist nicht davon auszugehen, dass Zeitarbeit die Ursache der Substitution ist, wie es zum Beispiel von Seiten der Gewerkschaften oft behauptet wird.
Es spricht mehr für die These, dass Zeitarbeit als Anpassungsinstrument der Entleiher infolge des Strukturwandels eingesetzt wird. Nachfrage- und wettbewerbsbedingt wird die Stammbelegschaft auf ein erforderliches Mindestmaß reduziert und bei saisonalen und konjunkturellen Kapazitätsschwankungen wird auf die Leistungen von Zeitarbeitsfirmen zurückgegriffen. Für diese These spricht auch, dass gerade Unternehmen, die langfristig von einem Anpassungsdruck betroffen sind ihre Kostenstrukturen möglichst variabel anpassen möchten. Die Personalkosten sind bei Unternehmen zumindest mittelfristig der größte Fixkostenblock. Zur Variabilisierung dieser Fixkosten bieten Zeitarbeitsfirmen passende Lösungsmöglichkeiten: die kurzfristige Beschaffung von Arbeitskräften, die jederzeit „zurückgegeben“ werden können. Gegen das Argument, dass Zeitarbeit der Ursache der Substitution ist, spricht zusätzlich, dass wegen der hohen Fluktuation der Leiharbeitnehmer ständig Einarbeitungsmaßnahmen notwendig wären, was aus betriebswirtschaftlicher Sicht mittel- und langfristig von Nachteil ist.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Zeitarbeit als wachsenden und teils umstrittenen Bereich des Arbeitsmarktes ein und erläutert die methodische Vorgehensweise sowie die genutzten Datenquellen.
2. Begriffsbestimmungen: Hier werden zentrale Begriffe definiert, insbesondere Zeitarbeit im Kontext des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes sowie die theoretischen Grundlagen der Sozialstrukturanalyse.
3. Zeitarbeit als dynamische Wachstumsbranche des Arbeitsmarktes: Das Kapitel beleuchtet die historische Regulierung, die quantitative Entwicklung und die strukturelle Bedeutung der Zeitarbeit unter Berücksichtigung von Substitutionsprozessen und Fluktuation.
4. Sozioökonomische Struktur von Leiharbeitnehmern: Dieser Abschnitt analysiert das Rekrutierungspotenzial, geschlechtsspezifische Unterschiede, Qualifikationsniveaus, Altersstrukturen und Einkommensverhältnisse der Leiharbeitnehmer im Vergleich zu regulär Beschäftigten.
5. Subjektive Lebenswirklichkeiten von Leiharbeitnehmern: Das Kapitel untersucht die Zufriedenheit und die subjektive Wahrnehmung der Arbeitsbedingungen durch Leiharbeitnehmer sowie Disparitäten zwischen formeller Qualifikation und tatsächlicher beruflicher Stellung.
6. Resümee: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Betrachtung der Ergebnisse und einer Einschätzung zur künftigen Rolle der Zeitarbeitsbranche unter dem Aspekt der zunehmenden Flexibilisierung.
Zeitarbeit, Arbeitnehmerüberlassung, Arbeitsmarkt, Leiharbeitnehmer, Strukturwandel, Substitution, Beschäftigung, Deregulierung, Sozioökonomie, Qualifikation, Einkommen, Flexibilisierung, Hartz-Reformen, Arbeitsbedingungen, Fachpersonal.
Die Diplomarbeit untersucht die ökonomische und sozioökonomische Bedeutung der Zeitarbeitsbranche in Deutschland, analysiert deren Wachstum sowie die Lebenswirklichkeit der darin Beschäftigten.
Zu den Kernpunkten gehören die quantitative Entwicklung der Branche, die sozioökonomische Struktur der Leiharbeitnehmer und deren Abgrenzung zu regulär Beschäftigten sowie die Auswirkungen gesetzlicher Deregulierungen.
Ziel ist es, ein differenziertes Bild der Zeitarbeitsbranche zu zeichnen, indem die Realität der Beschäftigten analysiert und die Hypothese einer bloßen Substitution regulärer Stellen kritisch hinterfragt wird.
Die Arbeit stützt sich primär auf eine empirische Sekundäranalyse von Daten der Bundesagentur für Arbeit sowie des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) unter Anwendung statistischer Matchingverfahren.
Der Hauptteil gliedert sich in die quantitative Analyse des Branchenwachstums, die detaillierte Untersuchung sozioökonomischer Merkmale (Alter, Geschlecht, Qualifikation) und die subjektive Bewertung der Arbeitsbedingungen durch Leiharbeiter.
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Zeitarbeit, Substitution, Flexibilisierung, Sozioökonomie und Arbeitnehmerüberlassung charakterisiert.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Deregulierungen zwar als Katalysator wirken, die Entwicklung der Zeitarbeit jedoch nicht vordergründig von gesetzlichen Rahmenbedingungen, sondern primär von betriebswirtschaftlichen Anpassungsbedarfen getrieben ist.
Ja, die Arbeit zeigt eine deutliche Disparität auf, da viele hochqualifizierte Leiharbeitnehmer Tätigkeiten unterhalb ihres Qualifikationsniveaus ausüben, was sie als eine Form der vertikalen Verdrängung identifiziert.
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