Bachelorarbeit, 2022
36 Seiten, Note: 2,2
1. Vorhaben
1.1 Goya durch Foucaults Augen sehen
1.2 Methodisches Vorgehen: Bedeutung der Darstellungen des Wahnsinns bei Goya
1.3 Aufbau der Bachelorarbeit
1.4 Foucault und Goya - Inwieweit ergänzen sie sich?
1.5 Die Entstehung des Wahnsinns nach Foucault
2. Der Wahnsinn im Wandel der Zeit - "Histoire de la Folie"
2.1 Begriffserklärung: "Wahnsinn"
2.2 Der Wahnsinn zur Zeit der Aufklärung
2.2.1 Die Vernunft
2.3 Francisco de Goya und der Wahnsinn
3. Drei Werke Goyas erfüllt mit Wahnsinn und Unvernunft
3.1 "Los Caprichos"
3.1.1 Ikonographische Beschreibung: "El Sueño de la Razón produce Monstruos"
3.1.2 Analyse: Vernunft ist nur Illusion?
3.2 "Corral de Locos"
3.2.1 Ikonographische Beschreibung: "Corral de Locos"
3.2.2 Analyse: Die Trennung der Wahnsinnigen von kriminellen Gefängnisinsassen
3.3 "Casa de Locos"
3.3.1 Ikonographische Beschreibung:
3.3.2 Foucaults Analyse: "Casa de Locos"
3.3.3 Wahnsinn ist in allen Gesellschaftsschichten vertreten
4. Fazit: Wahnsinn in der Unvernunft des Wegsperrens
4.1 Die wahnsinnige Institution
4.2 Die wahnsinnig positive Institution
4.3 Ausblick einer wahnsinnig guten kontemporären Kunst und Philosophie
Diese Bachelorarbeit untersucht das Verhältnis zwischen dem Phänomen des Wahnsinns und der Kunst von Francisco de Goya unter Anwendung der diskurstheoretischen Ansätze von Michel Foucault. Ziel ist es, Goyas Darstellungen als visuelle Wissensvermittlung zu deuten, die die gesellschaftlichen Strukturen, Machtverhältnisse und den Umgang mit dem als "wahnsinnig" stigmatisierten Anderen im Zeitalter der Aufklärung kritisch hinterfragen.
3.1 "Los Caprichos"
Das Capricho 43 "El Sueño de la Razón produce Monstruos" ist eine der 80 Aquatinta Radierungen der Serie "Los Caprichos", die auf das Jahr 1799 datiert sind, und handelt vom spanischen Leben. Das Wort "capriccio" stammt aus dem Italienischen und bedeutet Laune oder Einfall. Ursprünglich waren die "Caprichos" als Serie von nummerierten Träumen konzipiert. Unter anderem beinhalten etwa 20 der Radierungen Subjekte wie Ehe, Sex, Verführung, Prostitution, Zwangsarbeit, Korruption, Aberglaube, Entführung, Vergewaltigung und unglückliche Liebe. Goya kritisierte darin auch den Machtmissbrauch des Adels und der Regierung. Überdies karikierte er Mönche und Priester und die Inquisition. In der Zeitschrift "Diario de Madrid" wurde die Veröffentlichung der Radierungen am 06.02.1799 angekündigt. Nach nur zwei Tagen und 27 Verkäufen war Goya gezwungen den Verkauf einzustellen, da er unter politischer Beobachtung wegen der gesellschaftskritischen Radierungen stand. König Karl IV, der Goya persönlich mochte und unterstützte, verlangte im Jahre 1903 dem Königshaus die restlichen Radierungen zu überlassen, und rettete Goya somit vor der Inquisition. Die Künstlerin und Autorin Wendy Bird kritisiert die "Caprichos" und beschreibt Goyas Bildersymbolik als obszön und säkulare und religiöse Hypokrisie. Auch die Serie der Radierungen "Los Disparates" behandeln das Thema des Wahnsinns. Foucault beschreibt, dass der Wahnsinn in den "Caprichos" Masken produziert, wahrer als die Wahrheit des Wahnsinns sind:
1. Vorhaben: Einleitung in die Forschungsarbeit, die den methodischen Rückgriff auf Foucaults "Folie et Déraison" zur Analyse der Goya’schen Werke begründet.
2. Der Wahnsinn im Wandel der Zeit - "Histoire de la Folie": Theoretische Fundierung des Wahnsinnsbegriffs im historischen Kontext des 18. Jahrhunderts und der Aufklärung mit Fokus auf die Foucaultsche Dialektik.
3. Drei Werke Goyas erfüllt mit Wahnsinn und Unvernunft: Detaillierte ikonographische und analytische Betrachtung ausgewählter Radierungen und Gemälde zur Veranschaulichung der zeitgenössischen Wahrnehmung des Wahnsinns.
4. Fazit: Wahnsinn in der Unvernunft des Wegsperrens: Synthese der Ergebnisse zur Rolle Goyas als Vorbereiter einer neuen gesellschaftlichen Ordnung und kritische Reflexion des Institutionalisierungsprozesses.
Goya, Wahnsinn, Michel Foucault, Vernunft, Unvernunft, Aufklärung, Ikonographie, Los Caprichos, Casa de Locos, Diskurstheorie, Marginalisierung, Kunstgeschichte, Wissensvermittlung, Gesellschaftskritik, Moderne.
Die Arbeit untersucht, wie Francisco de Goya durch seine bildlichen Darstellungen den gesellschaftlichen Umgang mit sogenannten Wahnsinnigen reflektiert und dabei Foucaults Thesen zur Geschichte des Wahnsinns visuell umsetzt.
Zentrale Themen sind die Dialektik von Vernunft und Unvernunft, der gesellschaftliche Ausschlussprozess in Zuchthäusern und die symbolische Darstellung menschlicher Abgründe und Ängste bei Goya.
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie Goya den historischen Wandel des Wahnsinnsverständnisses erfasst und inwieweit seine künstlerische Praxis als Form kritischer Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Norm dient.
Es wird eine systematische Literaturrecherche mit einer diskurstheoretischen Herangehensweise kombiniert, wobei Foucaults "Folie et Déraison" als primäres analytisches Werkzeug dient, um ikonographische Analysen von Goyas Bildern zu stützen.
Der Hauptteil behandelt die historische Herleitung des Wahnsinnsbegriffs während der Aufklärung sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit "Los Caprichos", "Corral de Locos" und "Casa de Locos".
Die Kernbegriffe sind Goya, Wahnsinn, Foucault, Kunstgeschichte, Institutionenkritik und das Spannungsfeld zwischen Vernunft und Animalität.
Goya stellt Institutionen wie das Gefängnis oder das Irrenhaus als Orte dar, an denen Menschen zwar gemeinsam weggesperrt, aber dennoch in ihrer individuellen Andersartigkeit durch den Wahnsinn vereint werden.
Das Gemälde wird als kritische Auseinandersetzung mit der sozialen Hierarchie und der Rolle des Wahnsinns als Instrument der gesellschaftlichen Ordnung verstanden, welches die Absurdität der Trennung von Vernunft und Unvernunft aufzeigt.
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