Examensarbeit, 2006
67 Seiten, Note: 2,0
Geschichte Europas - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Einleitung
1. Die Jagd in der Frühen Neuzeit
1.1 Jagdregal der Landesherren
1.2 Die Jagd in Brandenburg-Preußen
2. Friedrich Wilhelm I. als Jagdherr
2.1 Holz-, Mast- und Jagdordnungen 1719/20
2.2 Edikte
3. Friedrich Wilhelm I. als Jäger
3.1 Jugend- und Kronprinzenzeit
3.2 Der „Jägerkönig“
3.2.1 Der Frühling in Potsdam
3.2.2 „Königs“ Wusterhausen im Spätsommer und Herbst
3.2.3 Saujagen im Winter
3.2.4 Lernen von Dessau
3.2.5 Der Hof
3.2.6 Das Ausland
3.2.7 Kritik
3.2.8 Krankheit und Tod
3.3 Das Jagdschloss Stern
4. Jagen und Regieren
Zusammenfassung
Diese Arbeit untersucht die bisher stark vernachlässigte Rolle der Jagdleidenschaft im Leben des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. Ziel ist es, mittels einer fundierten Quellenanalyse aufzuzeigen, wie diese Passion sein Handeln als Landesherr, seinen Alltag am Hof und seine Regierungsführung maßgeblich beeinflusste.
3.2.1 Der Frühling in Potsdam
Im April, wenn sich Friedrich Wilhelm wie üblich in der Frühlingszeit in Potsdam aufhielt, wurde dort der Reiherbeize nachgegangen. „Die Raiger-Peitz betreffende, so wird dieselbe etliche Wochen nach einander gehalten, so offt das Wetter favorisiret, und Ihro Majestät der König dieser Lust genissen wollen“, so David Fassmann. „Zu solchem Ende begeben Sie sich auf eine Höhe, die bey nahe drey viertel Teutsche Meilen von Potsdam gelegen.“
Zur Reiherbeize reitet der König. An dem Ort, an dem Beize stattfindet, steht ein großer Herd, in dem ein großes Feuer brennt, beschreibt Fassmann. Man kann sich um dieses Feuer herumsetzen und sich wärmen. Wenn sich Reiher zeigen, werden die Falken von den Falknern im Tal steigen gelassen. Die Falken fangen den Vogel und halten ihn fest, bis der Falkner kommt und ihn aufnimmt. „Die Falckenierer überbringen den Raiger dem Ober- oder Hof-Jägermeister, und der Hof-Jägermeister praefendiret ihn dem König, von dem er mit einem Ring gepeitzet, und sodann wieder in die freie Lufft gelassen wird.“ Der König bedient sich dieser Lust am Nachmittag. Auch die Königin schaut sich das Spektakel bisweilen an, erzählt Fassmann, indem sie sich in einer Kutsche zum Geschehen fahren lässt, jedoch nie absteigt, es sie denn, Gäste seien zu Besuch.
Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Bedeutung von Friedrich Wilhelm I. ein und identifiziert seine Jagdleidenschaft als bisher unterbeleuchteten, aber wesentlichen Aspekt seiner Persönlichkeit und Regierungszeit.
1. Die Jagd in der Frühen Neuzeit: Dieses Kapitel bettet die höfische Jagd in den historischen Kontext der Frühen Neuzeit ein und erläutert die Bedeutung des Jagdregals für die landesherrliche Machtausübung.
2. Friedrich Wilhelm I. als Jagdherr: Hier wird analysiert, wie der König durch umfangreiche Holz-, Mast- und Jagdordnungen sowie verschärfende Edikte seinen Einfluss auf die Forst- und Jagdwirtschaft institutionalisierte.
3. Friedrich Wilhelm I. als Jäger: Dieser Hauptteil beleuchtet detailliert das persönliche Jägerleben des Königs, von seiner Jugend in Wusterhausen bis zu seinem Wirken als „Jägerkönig“, und geht dabei auf Aspekte wie Technik, Hoforganisation, Krankheit und Kritik ein.
4. Jagen und Regieren: Das Kapitel diskutiert das Spannungsfeld zwischen der intensiven jagdlichen Tätigkeit und den Regierungsverpflichtungen und kommt zu dem Schluss, dass die Jagd die Effektivität der Staatsverwaltung behinderte.
Zusammenfassung: Das Fazit fasst die Kernergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit, Friedrich Wilhelm I. auch als „Jägerkönig“ zu begreifen, um sein Handeln ganzheitlich zu verstehen.
Friedrich Wilhelm I., Soldatenkönig, Jagd, Preußen, Parforcejagd, Wusterhausen, Jagdordnung, Hofstaat, Jägerei, Forstwirtschaft, Wilddiebe, Podagra, Herrscherbild, Frühe Neuzeit, Jagdschloss Stern
Die Arbeit analysiert die bislang kaum beachtete, aber zentrale Rolle der Jagdleidenschaft im Leben und Handeln des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I.
Die Themenfelder umfassen das Jagdwesen der Frühen Neuzeit, die preußische Gesetzgebung durch Jagdordnungen, den Einfluss der Jagd auf die Hoforganisation sowie die Wechselwirkung zwischen dem königlichen Privatvergnügen und den Regierungsgeschäften.
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit die Jagdleidenschaft ein prägender Bestandteil der Persönlichkeit Friedrich Wilhelms I. war und wie stark sie sein Verhalten als „Soldatenkönig“ beeinflusste.
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Quellenanalyse, unter anderem durch die Auswertung zeitgenössischer Berichte, Briefwechsel (insbesondere an den Fürsten von Anhalt-Dessau) und offizieller Jagdordnungen und Edikte.
Der Hauptteil widmet sich dem persönlichen Jagdleben des Königs, analysiert dessen „Jägerkultur“, die Rolle von Wusterhausen und Potsdam als Jagdresidenzen sowie die physischen Auswirkungen der Jagd auf seine Gesundheit.
Die wichtigsten Begriffe sind Friedrich Wilhelm I., Jagd, Parforcejagd, preußischer Absolutismus, Staatsverwaltung und die persönliche Leidenschaft des Königs.
Der Autor führt diesen Begriff ein, um neben dem historisch etablierten Titel „Soldatenkönig“ eine weitere, für das Verständnis seiner Persönlichkeit essenzielle Facette seines Lebens in den Fokus zu rücken.
Die Arbeit legt dar, dass der König seine physischen Leiden, insbesondere Gichtanfälle (Podagra), durch exzessive körperliche Betätigung auf der Jagd verschlimmerte, während er selbst fälschlicherweise glaubte, die Jagd stärke seine Gesundheit.
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