Magisterarbeit, 2002
103 Seiten, Note: 1,7
Forschungsansatz
1 Geschichtlicher Rückblick: Die soziale Herkunft der Kriminellen
1.1 Vaganten
1.2 Zigeuner und Juden
1.3 Gauner und Räuber
1.4 Geheime Gaunerzeichen
Pilotstudie: Vorkommen und Häufigkeit von 100 Wörtern aus dem Rotwelsch
2 Ihr Ursprung und ihre Wortbedeutung
2.1 Die Etymologie der Testwörter
2.2 Einteilung der Begriffe in sprachliche Sachgruppen
2.3 Häufigkeit der Wörter in anerkannten Wörterbüchern: Darlegung und Auswertung
2.4 Stilistische Klassifikation
2.5 Vorkommen der Wörter in der Literatur
3. Zusammenfassung und Fazit
4. Anhang 1: Abbildungen
5. Anhang 2: Tabellen
6. Literaturverzeichnis
7. Tabellen-, Abbildungs- und Abkürzungsverzeichnis
Die vorliegende Arbeit untersucht das Rotwelsch, die historische Geheimsprache von Randgruppen, und erforscht dessen Ursprung, soziale Herkunft sowie dessen Fortbestand und Häufigkeit in der deutschen Gegenwartssprache und Literatur. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Bedeutung dieser Sprache als Mittel der Identitätsbildung und Abgrenzung sowie ihre Integration in den heutigen Sprachgebrauch.
1.2 Zigeuner und Juden
Seit dem 15. Jahrhundert hatten Not, Elend und die ständige Angst vor Verarmung neue Identifikationsfiguren bekommen, die aus Indien stammenden Zigeuner (siehe Abbildungen 2 bis 5 im Anhang). Sie waren noch weniger gesellschaftlich eingebunden als Vaganten, unehrliche Leute, fremde Bettler oder Räuber. Die Verfolgung konzentrierte sich zunehmend auf sie, zumal sie durch ihr dunkles, fremdartiges Äußeres und als einen klar abgegrenzte Gruppe leichter zu fassen waren. Gruppen die nirgendwo eine Heimat hatten, wie die Zigeuner, waren im Grunde gezwungen als Vaganten umherzuziehen. Das Heimatrecht, welches das Prinzip der Seßhaftigkeit verstärkte und als einzige bürokratische Lösung der Armenfürsorge angesehen wurde, schloß allerdings alle aus, die keine Heimat hatten und trug dazu bei, ihre fremde Identität nur noch zu verfestigen.
Die seßhafte Bevölkerung schuf sich ihr eigenes Konstrukt des Zigeuners und diese Vorstellung ist bis heute stark von dieser Fremdsicht geprägt. Frühere Autoren beschrieben Zigeuner wie folgt: „Die Zigeuner sind häßlich, dem Nichtstun ergeben, sie leben von Diebstahl, sie kampieren auf dem Felde, sie sind Spione, leben von Wahrsagerei, haben keine Religion, kennen kein Vaterland“ (Rheinheimer 2000, S. 176f.). Einige dieser Unterstellungen und Vorurteile, wie Wahrsagerei und Heilkunst nahmen die Zigeuner zum Teil an und nutzten sie zu ihrem Vorteil. Das Bild von Simon Vouet (1590-1649) zeigt eben genau diese Vorstellung der seßhaften Bevölkerung einer Zigeunerin, als Wahrsagerin. Während sie einem Mann, womöglich einem Handwerker aus der Handfläche die Zukunft liest, bestiehlt ihn ihre Mitgefährtin.
Geschichtlicher Rückblick: Die soziale Herkunft der Kriminellen: Dieses Kapitel beleuchtet die historischen, ökonomischen und sozialen Hintergründe der Randgruppen wie Vaganten, Zigeuner, Juden und Bettler, die das Rotwelsch entwickelten.
Ihr Ursprung und ihre Wortbedeutung: Dieser Abschnitt analysiert etymologisch 100 rotwelsche Wörter und ordnet sie verschiedenen Sachgruppen zu, um die Lebenswelt der Sprecher nachzuvollziehen.
Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie das Rotwelsch über Jahrhunderte hinweg als Mittel zur Identitätsstiftung diente und heute als lebendiger Teil der deutschen Sprache weiterlebt.
Rotwelsch, Geheimsprache, Vaganten, Kriminelle, Etymologie, Randgruppen, Soziolinguistik, Sprachgeschichte, Identität, Sozialstruktur, Armut, Sprachentwicklung, Umgangssprache, Jiddisch, Gaunerzinken
Die Arbeit befasst sich mit dem Rotwelsch, der Geheimsprache fahrender Leute, Bettler und Krimineller, und analysiert deren geschichtliche Entwicklung sowie deren Spuren im modernen Sprachgebrauch.
Zentrale Themen sind die soziale Herkunft der Sprecher, die Bedeutung der geheimen Kommunikation, die Etymologie des Wortschatzes und die literarische sowie mediale Rezeption dieser Sprache.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie sich diese ehemals exklusive Geheimsprache in die heutige Umgangssprache integriert hat und welche kulturellen und sozialen Funktionen sie historisch erfüllte.
Die Untersuchung basiert auf einer etymologischen Analyse von 100 Wörtern, deren Auswertung in anerkannten Wörterbüchern sowie einer quantitativen Studie zum Vorkommen dieser Begriffe in der Online-Ausgabe einer großen Tageszeitung.
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Rückblick auf die Lebensverhältnisse der Randgruppen und eine detaillierte linguistische Pilotstudie zu Ursprung, Häufigkeit und Verwendung rotwelscher Vokabeln.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Rotwelsch, Geheimsprache, Vaganten, Soziolinguistik und Sprachwandel charakterisiert.
Armut und die damit verbundene soziale Ausgrenzung zwangen die Betroffenen zur Bildung eigener, für Außenstehende unverständlicher Kommunikationsstrukturen, um sich zu schützen und zusammenzuhalten.
Zinken waren geheime graphische Zeichen, die den Vaganten als Warn- und Informationssystem dienten, um beispielsweise über günstige Bettelgelegenheiten oder Gefahrensituationen zu kommunizieren.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

