Masterarbeit, 2022
126 Seiten
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Inhaltlicher Aufbau und methodisches Vorgehen
1.3 Stand der Forschung
2. Ungleiche Machtverhältnisse in der Lebensmittelwertschöpfungskette
2.1 Begriffsverständnis und theoretischer Hintergrund
2.1.1 Lebensmittelwertschöpfungskette
2.1.2 Abgrenzung zum Ernährungssystem
2.1.3 Ungleiche Machtverhältnisse
2.1.4 Konzept der globalen Wertschöpfungsketten nach Gereffi et al.
2.2 Methodisches Vorgehen
2.3 Analyse von Marktstruktur und Marktverhalten
2.3.1 Landwirtschaft
2.3.2 Agrarhandel
2.3.3 Verarbeitendes Gewerbe
2.3.4 Lebensmittelhandel
2.3.5 Rolle der Verbraucher:innen
2.4 Auswirkung von Machtkonzentration in der Wertschöpfungskette
2.4.1 Fünf Modelle von Machtasymmetrien in der Lebensmittelwertschöpfungskette
2.4.2 Sozioökonomische Auswirkungen von Machtkonzentration
2.5 Zusammenfassung des Kapitels
2.6 Diskussion der Ergebnisse
3. Dezentralisierung der Lebensmittelwertschöpfungskette
3.1 Dimensionen von Dezentralisierung
3.1.1 Administrative Dimension
3.1.2 Finanzielle Dimension
3.1.3 Wirtschaftliche Dimension
3.1.4 Politische Dimension
3.1.5 Räumliche Dimension
3.2 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse
4. Gesellschaftliche Transformationsprozesse im Ernährungssystem
4.1 Begriffsverständnis und theoretischer Hintergrund
4.1.1 Multi-Level-Perspektive nach Geels
4.1.2 Transformative Nischen
4.2 Methodisches Vorgehen
4.3 Synthetisierter Modellrahmen
4.3.1 Regimeelemente
4.3.2 Soziotechnische Landschaft
4.3.3 Nischen
4.3.3.1 Prozess der Transformation
4.3.3.2 Voraussetzungen zur transformativen Wirkung
4.4 Beitrag transformativer Nischen zur Dezentralisierung
4.4.1 Auswahl transformativer Nischen
4.4.2 Analyse transformativer Nischen
4.4.3 Vorstellung der Nischen
5. Diskussion
5.1 Gemeinsame Ergebnisdiskussion
5.2 Kritische Betrachtung der Methodik
6. Fazit
Diese Masterarbeit untersucht das Potenzial einer Dezentralisierung der Lebensmittelwertschöpfungskette, um ungleiche Machtverhältnisse innerhalb des deutschen Ernährungssystems auszugleichen. Dabei wird analysiert, wie zivilgesellschaftliche Nischen durch transformative Prozesse zur Dezentralisierung beitragen können, um die Position landwirtschaftlicher Kleinerzeuger zu stärken und demokratische Strukturen zu fördern.
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
Das Ernährungssystem in Deutschland hat sich seit Beginn der industriellen Landwirtschaft stark verändert. Innerhalb weniger Jahrzehnte hat sich die Nahrungsmittelproduktion von einer lokalen Versorgung hin zu einem global vernetzten Ernährungssystem entwickelt (Baumgarten et al., 2018, S. 10–11). Dezentrale Versorgungsstrukturen wurden zugunsten zentralisierter und konzentrierter Prozesse ausgetauscht. War die Ernährung zu Beginn des 19. Jahrhunderts abhängig von lokalen Gegebenheiten, so konnte dies durch globale Versorgungsstrukturen und Produktivitätssteigerungen überwunden werden. Damit konnte zwar das Problem der Ernährungssicherheit gelöst werden, jedoch brachte der Aufbau moderner Betriebs- und Handelsstrukturen neue Herausforderungen mit sich (Brakensiek et al., 2016, S. 158–159; Stierand, 2014, 40-41). Die Ausrichtung an kurzfristigen ökonomischen Zielen stellen das System heute neben der ökologischen Belastungsgrenze, verstärkt vor soziale und ökonomische Herausforderungen (Schulz et al., 2020, S. 31).
Wie vulnerabel das globale Ernährungssystem ist, zeigt sich derzeit im Ukraine-Russland-Krieg und der damit ausgelösten Debatte um internationale Abhängigkeitsverhältnisse in der Lebensmittelwertschöpfungskette (König, 2022). Doch auch innerhalb Deutschlands prägen stark konzentrierte Marktstrukturen und Abhängigkeitsverhältnisse die Lebensmittelwertschöpfungskette. Es wird angenommen, dass sich die daraus entstehenden ungleichen Machtverhältnisse vor allem negativ auf landwirtschaftliche Kleinerzeuger auswirken (European Commission, 2022). So sinkt etwa die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland stark, während die Größe der Betriebe kontinuierlich zunimmt (Statistisches Bundesamt, 2021b). Mit dem Rückgang der kleinstrukturierten Landwirtschaft wird ein wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und kultureller Bedeutungsverlust von Landwirtschaft und ländlichem Raum verbunden (Brakensiek et al., 2016, S. 12). Umso mehr drängt die Notwendigkeit landwirtschaftliche Kleinerzeuger zu erhalten.
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der zentralisierten Lebensmittelwertschöpfungskette ein und definiert die zentralen Forschungsfragen sowie das methodische Vorgehen der Arbeit.
2. Ungleiche Machtverhältnisse in der Lebensmittelwertschöpfungskette: Das Kapitel analysiert die Marktstrukturen und das Marktverhalten der Akteure und identifiziert die strukturelle Unterlegenheit von Kleinerzeugern gegenüber konzentrierten Marktakteuren.
3. Dezentralisierung der Lebensmittelwertschöpfungskette: Es werden verschiedene Dimensionen der Dezentralisierung definiert, um ein theoretisches Verständnis für alternative Versorgungsstrukturen zu schaffen.
4. Gesellschaftliche Transformationsprozesse im Ernährungssystem: Dieses Kapitel nutzt die Multi-Level-Perspektive, um den Beitrag transformativer Nischen zur Dezentralisierung und Überwindung bestehender Regimeelemente zu untersuchen.
5. Diskussion: Die erarbeiteten Erkenntnisse werden zusammengetragen, kritisch reflektiert und in einen gemeinsamen Kontext gesetzt, um die Forschungsfragen zu beantworten.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bewertet das Potenzial von Nischen für eine sozioökonomische Transformation und zeigt weiteren Forschungsbedarf auf.
Dezentralisierung, Lebensmittelwertschöpfungskette, Machtverhältnisse, Ernährungssystem, Transformative Nischen, Landwirtschaft, Marktkonzentration, Multi-Level-Perspektive, Versorgungssicherheit, Transformation, Kleinerzeuger, Nachhaltigkeit, Marktstruktur, zivilgesellschaftliche Bewegungen, Ernährungssouveränität.
Die Arbeit untersucht die Machtkonzentration in der deutschen Lebensmittelwertschöpfungskette und analysiert, inwiefern dezentrale Strukturen und zivilgesellschaftliche Nischen dazu beitragen können, ungleiche Machtverhältnisse auszugleichen.
Die zentralen Themen sind Marktstrukturen im Agrarsektor, Machtasymmetrien zwischen Erzeugern und Großabnehmern, Konzepte der Dezentralisierung sowie die Rolle transformativer Prozesse und Nischen für eine soziale und ökologische Transformation des Ernährungssystems.
Das Hauptziel ist es herauszufinden, ob und wie zivilgesellschaftliche Nischen mittels Dezentralisierung ungleichen Machtverhältnissen in der Wertschöpfungskette entgegenwirken können.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer synthesebildenden Modellbildung. Es werden sozioökonomische Theorien mit der Transformationsforschung (Multi-Level-Perspektive) verknüpft, um die Dynamiken zwischen Regime und Nischen zu analysieren.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der bestehenden Machtstrukturen (Kapitel 2), die theoretische Herleitung der Dezentralisierung (Kapitel 3) und die Untersuchung spezifischer zivilgesellschaftlicher Nischen wie Foodcoops, Ernährungsräte und Plattform-Kooperativen (Kapitel 4).
Dezentralisierung, Lebensmittelwertschöpfungskette, Machtverhältnisse, Ernährungsregime, transformative Nischen und soziale Gerechtigkeit stehen im Mittelpunkt der Untersuchung.
Die Arbeit zeigt, dass hohe Konzentrationen im Handel und der Ernährungsindustrie zu Preisdruck, erschwertem Marktzugang und einer strukturellen Abhängigkeit der Kleinerzeuger führen, was deren Existenzgrundlage gefährdet.
Nischen fördern die regionale Vermarktung, schaffen Transparenz und ermöglichen durch direkte Beziehungen zwischen Erzeuger und Verbraucher eine faire Honorierung, wodurch sie der Marktmacht der großen Lebensmittelkonzerne entgegenwirken.
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