Bachelorarbeit, 2022
52 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Die Aktienprämie (Equity Risk Premium)
2.1. Definition/ Beschreibung
2.2. Historische Renditen
3. Equity Premium Puzzle
3.1. Das Modell
3.2. Ergebnisse
4. Kumulative Prospect Theory
4.1. Der Referenzpunkt
4.2. Verlustaversion (Loss Aversion)
4.3. Risikoaversion und Risikofreude
4.4. Die Wertefunktion
4.5. Gewichtungsfunktion
4.6. Zusammensetzung und Anwendung
5. Mental Accounting
5.1. Der Entscheidungsrahmen
5.2. Anschaffungs- und Transaktionsnutzen
5.3. Eröffnung und Schließung mentaler Konten
5.3.1. Sunk Costs
5.3.2. Zahlungsentkopplung
5.4. Budgetierung
5.5. Bewertungsrahmen von Ereignissen
6. Myopic Loss Aversion
6.1. Private Anleger
6.2. Institutionelle Anleger
6.2.1. Pensionsfonds
6.2.2. Stiftungen
7. Ambiguitätsaversion
7.1. Definition: Ambiguitätsaversion
7.2. Theoretische Modelle
7.3. Methodik
7.4. Empirische Ergebnisse
8. Vergleich
9. Besonderheiten in Deutschland und weitere Einflussfaktoren
9.1. Transaktionskosten
9.2. Theorie der seltenen Katastrophen
9.3. Interesse des Finanzdienstleisters
10. Zusammenfassung und Fazit
Diese Arbeit untersucht das sogenannte "Equity Premium Puzzle" – die Diskrepanz zwischen vergleichsweise hohen Aktienrenditen und niedrigen Renditen risikoloser Wertpapiere –, wobei primär verhaltensökonomische Lösungsansätze analysiert werden, um menschliche Abweichungen von rationalen Entscheidungsmodellen am Kapitalmarkt zu verstehen.
4.2. Verlustaversion (Loss Aversion)
Kahnemann und Tversky haben durch ihre Experimente herausgefunden, dass Menschen Verluste stärker als Gewinne gewichten. Das haben sie als Verlustaversion bezeichnet (1979). Dies ist nicht mit der Risikoaversion zu verwechseln, welche durch einen abnehmenden Grenznutzen gekennzeichnet ist, aber Gewinne und Verluste gleich bewertet.
Dieses Verhalten wurde erstmals von Samuelson (1963) beschrieben. Er fragte einen Kollegen, ober er folgende Wette annehmen würde:
Er kann mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% 200$ gewinnen und mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% 100$ verlieren. Der Kollege lehnte die Wette bei einem einmaligen Durchgang ab, obwohl der Erwartungswert positiv ist (+50$). Er begründete dies damit, dass ihm der Verlust von 100$ mehr schmerzen würde, als der Gewinn von 200$ ihn positiv beeinflussen könnte. Dies ist ein irrationales Verhalten und Grundlage der Verlustaversion. (Benartzi und Thaler, 1995, S. 74)
Die Verlustaversion lässt sich durch eine einfache Nutzenfunktion darstellen:
U(k) = k für k ≥ 0
λk für k < 0 (10)
λ ist der Verlustaversionskoeffizient. Wenn λ > 1 ist, werden die Verluste weniger stark als die Gewinne bewertet. Bei λ = 1 ist die Bewertung beider Ereignisse identisch und bei λ < 1 werden die Verluste stärker als die Gewinne bewertet. In der Prospect Theory wurde ein Wert für λ von 2,25, durch ein Experiment, ermittelt. (Kahnemann, D. und Tversky, A., 1992, S. 311).
Das bedeutet, dass einer Person bei einer Lotterie mindestens ein Gewinn von 225€ in Aussicht gestellt werden muss, wenn ebenso ein Verlust von 100€ droht, damit er die Wette akzeptiert.
1. Einleitung: Einführung in das Equity Premium Puzzle und die Relevanz verhaltensökonomischer Ansätze für die Erklärung historischer Aktienrenditen.
2. Die Aktienprämie (Equity Risk Premium): Definition der Risikoprämie und Darstellung historischer Renditedaten verschiedener Länder.
3. Equity Premium Puzzle: Beschreibung des neoklassischen Ursprungsmodells von Mehra und Prescott und dessen Unfähigkeit, die beobachteten Aktienprämien zu erklären.
4. Kumulative Prospect Theory: Erläuterung der psychologischen Komponenten wie Referenzpunktbildung, Verlustaversion und Gewichtungsfunktion.
5. Mental Accounting: Analyse, wie Haushalte ihr Vermögen kategorisieren und mental separat verwalten, anstatt Geld als vollständig fungibel zu betrachten.
6. Myopic Loss Aversion: Zusammenführung von Prospect Theory und Mental Accounting zur Erklärung der Aktienprämie durch kurzsichtige Bewertungsintervalle.
7. Ambiguitätsaversion: Untersuchung, wie die Furcht vor dem Unbekannten bei Wahrscheinlichkeiten zu höheren Renditeforderungen der Anleger führt.
8. Vergleich: Gegenüberstellung der vorgestellten Lösungsansätze unter Berücksichtigung ihrer Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Modellierung.
9. Besonderheiten in Deutschland und weitere Einflussfaktoren: Analyse der deutschen Anlagepräferenzen, Transaktionskosten und der Theorie der seltenen Katastrophen.
10. Zusammenfassung und Fazit: Kritische Reflexion der Ergebnisse und Ausblick auf zukünftige Forschung im Bereich verhaltensökonomischer Faktoren bei Investitionsentscheidungen.
Equity Premium Puzzle, Aktienprämie, Verhaltensökonomie, Verlustaversion, Prospect Theory, Mental Accounting, Myopic Loss Aversion, Ambiguitätsaversion, Risikoaversion, Nutzenfunktion, Kapitalmarkt, Anlegerverhalten, Rendite, Referenzpunkt, Investmentfonds.
Die Arbeit untersucht, warum historische Aktienrenditen deutlich höher ausfallen, als es klassische neoklassische Modelle vorhersagen – ein Phänomen, das als Equity Premium Puzzle bezeichnet wird.
Die zentralen Felder sind die verhaltensökonomischen Erklärungsmodelle wie die Prospect Theory, Mental Accounting, Myopic Loss Aversion sowie die Ambiguitätsaversion und deren Einfluss auf Kapitalmarktentscheidungen.
Das Ziel ist es, verhaltensökonomische Lösungsversuche für das Equity Premium Puzzle darzustellen, kritisch zu bewerten und die psychologischen Faktoren bei der Geldanlage zu ergründen.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich historischer ökonomischer Modelle mit verhaltensökonomischen Theorien, ergänzt durch Fallbeispiele und die Auswertung statistischer Daten.
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen des EPP, nutzt die Prospect Theory zur Erklärung von Verlustwahrnehmung und untersucht die Rolle von Bewertungszeiträumen und Ambiguitäten für institutionelle und private Anleger.
Die Arbeit ist primär durch Begriffe wie Equity Premium Puzzle, Verlustaversion, Prospect Theory, Myopic Loss Aversion und Ambiguitätsaversion charakterisiert.
Private Anleger und Institutionen unterliegen unterschiedlichen Bewertungszeiträumen und Zielsetzungen, was direkten Einfluss darauf hat, wie sie ihr Portfolio bezüglich des Risikos strukturieren.
Nach der Prospect Theory bewerten Investoren Gewinne oder Verluste stets relativ zu einem individuellen Referenzpunkt, wie dem Status quo oder einem persönlichen Zielgehalt, statt absolut.
Da privates Geld nicht als rein fungibel betrachtet wird (mentale Konten), hindert die psychologische Trennung Anleger oft daran, ihr Vermögen optimal zu diversifizieren, da sie Verluste in einem mentalen Konto stärker gewichten als Gewinne in einem anderen.
Transaktionskosten fungieren als realer finanzieller Verlust zu Beginn einer Investition; bei kurzsichtiger Bewertung kann dies die Attraktivität von risikobehafteten Anlagen wie Investmentfonds mindern.
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