Diplomarbeit, 2009
64 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Der Identitätsbegriff als integrativer Ansatz
2.1 Identität in der Spätmoderne
2.2 Rollentheorie
2.3 Kommunikation und Interaktion
2.4 Austauschtheorie
2.5 Individualpsychologie
2.6 Determinismus
2.7 Trieb
3 Interpretation
3.1 Ada
3.2 Alev
4 Schlussbemerkung
Die Arbeit verfolgt das Ziel, sozialpsychologische Kategorien wie Identitätskonstruktion, Rollentheorie und Austauschtheorie zur Interpretation von Juli Zehs Roman „Spieltrieb“ anzuwenden, um die komplexen Innenwelten der Protagonisten und ihr Austauschverhältnis zur Außenwelt zu durchleuchten.
Die Dynamik des Spiels
Ada neigte sich vor und klemmte die Hände zwischen die Oberschenkel. Den Standort zum Photographieren hatte Alev gut gewählt. Smutek war ohne weiteres zu erkennen, auch wenn er auf ihre Brüste starrte und ihm das Stirnhaar über die Augen fiel. Ada selbst war eine Landschaft aus Haaren, Wangen, Bauch und Schenkeln, alles breit gezogen von der Schwerkraft, der Kopf wie bei einer Ohnmächtigen zur Seite gerollt. Eine mattschimmernde Fleischpfütze auf blauem Untergrund, Ada fand sich hässlich.
Alev ist sich möglicher Bedenken von Ada bewusst und fragt sie:
»Stört dich der Anblick?«
»Am schrecklichsten sollte wahrscheinlich sein, dass nichts daran mich erschreckt.«
Ada hatte eine Hand auf die Maus gelegt und klickte sich durch den Rest der Sammlung. Mit dem Fleischklumpen auf den Photos hatte sie ebenso wenig zu tun wie mit ihren eigenen Erinnerungen, und weil sie sich kannte, wusste sie, dass die fehlende Kongruenz zwischen Sein und Gewesen nicht dem Bedürfnis nach Selbstschutz, sondern eher einem technischen Problem entsprang. Kaum war ein Geschehen durchlebt, wurde es kalt und fremd wie ein kurzzeitig geborgtes und wieder abgelegtes Kleidungsstück.
1 Einleitung: Diese Einführung beleuchtet die kontroversen Reaktionen auf Juli Zehs Werk und begründet die methodische Entscheidung, den Roman durch sozialpsychologische Modelle zu erschließen.
2 Der Identitätsbegriff als integrativer Ansatz: Das Kapitel führt zentrale theoretische Konzepte ein, darunter Identitätskonstruktion in der Spätmoderne, Rollentheorie, Kommunikation, Austauschtheorie, Individualpsychologie, Determinismus und Triebtheorie, um eine Basis für die Romananalyse zu schaffen.
3 Interpretation: Dieser Hauptteil überträgt die theoretischen Grundlagen auf die Handlung und die Charaktere, wobei insbesondere die Rollen von Ada und Alev detailliert analysiert werden.
4 Schlussbemerkung: Die abschließende Reflexion evaluiert die Eignung der gewählten sozialpsychologischen Ansätze für die literarische Interpretation und stellt Fragen nach den Werten der Spätmoderne im Roman.
Spieltrieb, Juli Zeh, Identitätskonstruktion, Rollentheorie, Spätmoderne, Sozialpsychologie, Kommunikationstheorie, Austauschtheorie, Individualpsychologie, Determinismus, Machtstreben, Bindungslosigkeit, Empathie, Nihilismus, Literaturanalyse
Die Arbeit untersucht Juli Zehs Roman „Spieltrieb“ unter Zuhilfenahme sozialpsychologischer Modelle, um die Identitätsbildung und die zwischenmenschlichen Interaktionen der Figuren zu interpretieren.
Die Untersuchung konzentriert sich auf Themen wie Identitätskonstruktion, Rollenverhalten, Machtdynamiken, Kommunikation und das Spannungsfeld zwischen determiniertem Verhalten und individuellem Willen.
Ziel ist es, zu zeigen, dass sich durch die Anwendung sozialpsychologischer Kategorien komplexe literarische Zusammenhänge objektiver und tiefergehend erfassen lassen.
Es werden verschiedene sozialpsychologische Theorien wie die Rollentheorie von Dahrendorf, die Kommunikationstheorie von Watzlawick und Schulz von Thun sowie Ansätze zur Identitätsarbeit von Keupp verwendet.
Der Hauptteil widmet sich der konkreten Anwendung dieser Theorien auf den Roman, wobei das Verhalten der Charaktere Ada und Alev detailliert in Bezug auf ihre psychologische Motivation und ihre soziale Interaktion untersucht wird.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Identitätskonstruktion, Rollentheorie, Spätmoderne, Machtstreben und Bindungslosigkeit definiert.
Ada zeigt Symptome einer Identitätsdiffusion, da sie Schwierigkeiten hat, ihre verschiedenen Selbstanteile zu integrieren, was sich in ihrer Gefühlskälte und ihrem Drang zur Selbstverletzung manifestiert.
Alev wird als narzisstisch geprägte Persönlichkeit analysiert, die durch seinen kulturellen Hintergrund und sein Gefühl, als Mann (aufgrund von Impotenz) ein Versager zu sein, in ein übersteigertes Kompensationsverhalten im Sinne eines Machtstrebens flieht.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

