Bachelorarbeit, 2009
47 Seiten, Note: 1,0
1. Vergangenheitsbewältigung und Identitätsstifter
1.1 Intentionale Gattungsbestimmung
1.2 Die Idee der Konstruierbarkeit der eigenen Identität
2. Willkür: „Re-Aktion“
2.1 Der Entschluss: Rationalität als Elfenbeinturm
2.2 Das Unterlassen
2.3 Der Widerruf
2.4 Das Trauma der Vergangenheit
2.5 Selbstwirksamkeit
3. Weltbild: „Pluralismus“
3.1 Die sozialen Rahmen und die vererbte Schuld
3.2 Der Protagonist
3.2.1 Das Feind-Stigma
3.2.2 Propaganda
3.2.3 Lebensbedrohlichkeit simulieren – gesellschaftliche Meidung erwirken
3.2.4 Internalisierung der Schuld
3.2.5 Isolation/Rückzug des Feindes als Konsequenz bewirken
3.3 Die Mutter
3.4 Mutter-Sohn-Konflikt als Gesellschaftskritik
3.4.1 Realitäts-Ästhetik
3.5 Postmoderne Wirklichkeit
4. Sinn / Bedeutung: „Die Entzweiung der Welt“
4.1 Die Ideologie der Sprache
4.2 Psychotische Divergenz
5. Wahrheit: „subjektiv“
5.1 „L’Effect de réelle“- Der Wirklichkeitseffekt
6. Der „Identitätseffekt“
6.1 Der „selfing Prozess“
6.2 Der Abschied: Loslassen
Die Arbeit untersucht, wie Michael Krüger in seiner Erzählung „Wieso ich?“ gesellschaftliche und individuelle Strategien der Vergangenheitsbewältigung unter postmodernen Bedingungen dekonstruiert und wie der Protagonist versucht, aus einem selbstgeschaffenen „Panoptikum“ von Schuld und Fremdbestimmung zu entkommen, um eine eigene Identität zu finden.
2.1 Der Entschluss: Rationalität als Elfenbeinturm
So beschließt er beispielsweise in einer Bahnhofskneipe, nachdem er mit dem Zug in seiner Heimatstadt angekommen ist, die Studentin anzurufen, die er auf der Fahrt kennen gelernt hatte, „um sowohl einen geeigneten Gesprächspartner zur Fortsetzung der eben aufgetauchten Wissenschaftsprobleme als auch ein Nachtquartier zu finden“, wobei diese rationalen Beweggründe als Hauptanliegen ausgegeben werden und das persönliche Bedürfnis, nämlich der Studentin näher zu kommen, nur zum „Nebenprodukt dieser zwei zur Lösung anstehenden Grundprobleme“ (S.172) abgewertet wird. Die Erörterung von Wissenschaftsproblemen liefert aus Sicht des Protagonisten den Grund für die Notwendigkeit mit der Studentin in Kontakt zu treten. Der Ich-Erzähler bevorzugt eine rationalisierte Artikulation seines Annäherungsvorhabens, indem er die bei der Studentin „als Verdacht bestehende Frage der genetischen Anziehung ein Stück vorangebracht werden“ (S.172) wollte, um seine Sehnsucht rational begründbar zu machen („meine genetische Sehnsucht nach ihr“ S.172) und damit sowohl zur Existenz zu berechtigen als auch als Motivation für einen Anruf zu rechtfertigen. So ist nicht nur das Bedürfnis, sondern auch die Motivation für die Nachforschungen ob einer Existenz der zur Fortpflanzung mit ihm erforderlichen „äußerst selten anzutreffenden Genkombination“ (S.170) bei der Studentin legitimiert, da sie zur Erlangung wissenschaftlich fundierter Erkenntnisse auf dem Gebiet der Biologie dient.
Die Betonung eines etwaigen Nützlichkeitsaspekts in der Begegnung mit ihr befähigt ihn, seinen Wunsch zu etablieren und dient ihm nicht nur in dieser Situation, sondern auch generell, als Rechtfertigung für seine Präferenz bestimmter Handlungen oder Ansichten, um nicht „als ein seinen Trieben verfallenes […] Subjekt hingestellt“ (S.182) zu werden.
1. Vergangenheitsbewältigung und Identitätsstifter: Das Kapitel erläutert die Schwierigkeit, Identität vor dem Hintergrund einer traumatischen nationalsozialistischen Vergangenheit zu konstruieren und führt in den Diskurs der neuen Erinnerungsliteratur ein.
2. Willkür: „Re-Aktion“: Es wird die passive, reaktive Haltung des Protagonisten analysiert, der seine Nichtverantwortlichkeit durch eine rationale Theorie entschuldigt.
3. Weltbild: „Pluralismus“: Das Kapitel beleuchtet die familiären Verhältnisse, insbesondere den Mutter-Sohn-Konflikt, und ordnet diesen als Kritik an der deutschen Vergangenheitsbewältigung ein.
4. Sinn / Bedeutung: „Die Entzweiung der Welt“: Hier wird der Zusammenhang zwischen Sprache, Denken und der Wahrnehmung der Realität anhand sprachtheoretischer Ansätze untersucht.
5. Wahrheit: „subjektiv“: Das Kapitel stellt dar, warum eine objektive Wahrheitssuche in der Postmoderne scheitern muss und Wahrheit als subjektiver Konstruktionsprozess verstanden werden muss.
6. Der „Identitätseffekt“: Das Abschlusskapitel fasst zusammen, dass Identität eine narrative Konstruktion ist, die aktiv erarbeitet werden muss, statt als Gegebenheit zu existieren.
Identität, Postmoderne, Vergangenheitsbewältigung, Erinnerungskultur, Narration, Subjektivität, Schuld, Generationenkonflikt, Wirklichkeitskonstruktion, Selbstwirksamkeit, Familiengedächtnis, German Angst, Sprache, Psychoanalyse, Selbstfindung.
Die Arbeit analysiert die Erzählung „Wieso ich?“ von Michael Krüger im Kontext der deutschen Erinnerungskultur und der postmodernen Identitätskonstruktion.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Spannung zwischen individueller Identitätssuche, dem familiären Umgang mit dem Erbe des Nationalsozialismus und der Rolle von Rationalität als Schutzmechanismus.
Ziel ist es zu untersuchen, wie Krüger die Unmöglichkeit einer totalitären, eindeutigen Wahrheit aufzeigt und stattdessen eine subjektive, konstruierbare Identität als Ausweg aus dem Trauma präsentiert.
Die Autorin stützt sich auf literaturwissenschaftliche Gattungsbestimmungen, psychoanalytische Konzepte sowie sprachtheoretische und sozialpsychologische Ansätze, um den Text zu analysieren.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der psychologischen Konditionierung des Protagonisten, den Einfluss der Mutter-Sohn-Beziehung, die sprachtheoretische Einordnung sowie die Dekonstruktion von Realität und Wahrheit.
Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören Identität, Postmoderne, Erinnerungskultur, narrative Identität, Subjektivität und Vergangenheitsbewältigung.
Die Mutter übt durch ihren Zwang zur moralischen Perfektion und ihr Verdrängen der Vergangenheit einen massiven Druck auf den Sohn aus, was bei ihm zu Schuldgefühlen und einer dauerhaften Identitätsstörung führt.
Das Wegwerfen des Huts symbolisiert den bewussten Akt des Loslassens von objektiven, faktischen Beweisen der Vergangenheit und markiert den Beginn einer neuen, selbstbestimmten Identitätsfindung.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

