Masterarbeit, 2021
104 Seiten, Note: summa cum laude
I. Einleitung
II. Forschungsstand
III. Florenz im Quattrocento
3.1 Wirtschaft
3.2 Die Medici – Kontrolle der politischen und sozialen Bühne von Florenz
3.2.1 Aufstieg und Patronage (1378-1433)
3.2.2 Cosimo, il Vecchio (1434-1464)
3.2.2.1 Machtfestigung
3.2.2.2 Cosimo als Pater Patriae im Dienste Florenz?
3.2.3 Piero di Cosimo, il Gottoso (1464-1469)
3.2.4 Lorenzo di Piero, il Magnifico (1469-1492)
3.2.4.1 Offene Rebellion: die Pazzi-Verschwörung 1478
3.2.4.2 Der Prächtige
3.2.5 Piero di Lorenzo, lo Sfortunato (1472-1503)
3.3 Florentinischer Millenniarismus
IV. Savonarolas Aufstieg zum Propheten
4.1 Kindheit, Jugend und Ausbildung
4.2 Erste Predigtversuche und Weiterbildung
4.3 Rückkehr nach Florenz und Anfänge der prophetischen Predigt
4.3.1 Neues auf neue Art
4.3.2 Schwert des Herrn bald und geschwind
4.4 Prior und Reformer San Marcos
4.5 Savonarola und Karl VIII.
V. Florenz und Genf im Vergleich
5.1 Notwendigkeit einer Reform
5.1.1 Die Notwendigkeit einer Reform nach Savonarola
5.1.2 Die Notwendigkeit einer Reform nach Calvin
5.2 Gottgewollte politische Ordnung und Rolle des geistlichen Anführers
5.2.1 Savonarolas politische Prophetie
5.2.2 Calvins bürgerliches Regiment
5.3 Teilnahme am Politprozess
5.3.1 Savonarola – ein republikanischer Führer?
5.3.2 Genf – zwischen Xenophobie und bourgeois
5.4 Verchristlichung des Alltagslebens
5.4.1 Von der Einfalt des christlichen Lebens
5.4.1.1 „denn schwer ist es, Reichtum zu besitzen und diesen nicht zu lieben.“
5.4.1.2 Kleidung und äussere Erscheinung
5.4.1.3 Spiel, Prostitution und Sodomie
5.4.1.4 fanciulli – Savonarolas Kinderpolizei
5.4.1.5 Verbrennungen der Eitelkeiten
5.4.2 vivre selon Évangile et la parole de Dieu
5.4.2.1 Verbot von Spiel, Trunk und Tanz
5.4.2.2 Taufnamen
5.4.3 Unterstützung und Widerstände gegen die Reformer
5.4.3.1 Florenz
5.4.3.2 Genf
VI. Fazit
VII. Quellen und Literaturverzeichnis
7.1 Primärquellen
7.2 Sekundärliteratur
Diese Masterarbeit untersucht den Aufstieg und das Wirken von Girolamo Savonarola in Florenz zwischen 1492 und 1498, um die sozio-politischen Bedingungen seines prophetischen Auftretens zu analysieren und ihn mittels eines querschnittartigen Vergleichs mit der Reformation unter Johannes Calvin in Genf – insbesondere hinsichtlich der Umsetzung religiös motivierter politischer und sozialer Reformen – kritisch neu zu bewerten.
I. Einleitung
„Unter anderen seiner Diener erwählte Gott auch mich Unwürdigen und Unnützen zu dieser Aufgabe [Prophezeiungen verkünden] und liess mich im Auftrag meiner Oberen im Jahr 1489 nach Florenz kommen, und in diesem Jahr begann ich – am ersten August, einem Sonntag – in unserem San Marco öffentlich die Apokalypse auszulegen. Und während ich jenes ganze Jahr in Florenz predigte, brachte ich dem Volk unaufhörlich drei Dinge vor: erstens, die Kirche habe sich in diesen Zeiten zu erneuern; zweitens, vor dieser Erneuerung würde Gott eine grosse Drangsal über Italien kommen lassen; drittens, diese Dinge würden sich bald ereignen.“
Wer den Dominikanermönch Girolamo Savonarola kennt, versteht, welche Brisanz in diesen Zeilen steckt. Diese Worte stammen nicht etwa von Savonarola selbst. Nein, vielmehr kamen sie von Gott persönlich – so zumindest unter Berücksichtigung der Rolle Savonarolas als Gottes Prophet im Florenz des späten Quattrocento. Doch sein Wirken nahm am 23. Mai 1498 ein jähes Ende. Er und zwei Dominikanerbrüder, Fra Domenico da Pescia und Fra Silvestro Maruffi, wurden gehängt, ihre Überreste verbrannt und anschliessend in den Arno gestreut. Sein im Prozess abgelegtes Geständnis schockierte die Anhänger: Fra Girolamo soll seine Prophezeiungen einer Erneuerung der Christenheit und seine Vision eines glorreichen Florenz nicht von Gott erhalten haben, sondern sie entsprangen seinem Trieb nach weltlicher Macht. An kaum einem anderen Tag war die Ungewissheit seiner Anhänger grösser. War Florenz auf einen Scharlatan und einen opportunistischen Lügner hereingefallen oder sollten die verbliebenen Anhänger, die Piagnoni, das Ende eines wahren Propheten beklagen? Ob Savonarola tatsächlich im Auftrag Gottes gewirkt hat, darüber wollte der florentinische Historiker Francesco Guiccardini in seiner Studie Storia fiorentina kein Urteil fällen. Und doch stand für ihn ausser Frage: „War er gottesfürchtig, so hatten wir in ihm einen grossen Propheten, war er gottlos, einen ausserordentlichen Mann vor uns.“ Wer war dieser Mann, der sich selbst als Prophet sah und mit seinen feurigen Predigten nicht nur die Gemüter von Florenz, sondern ganz Italiens erhitzte? War dieser umstrittene Bussprediger, der zur inneren Umkehr aufrief und Florenz zum Zentrum der Erneuerung erkor?
I. Einleitung: Stellt die Forschungsarbeit vor, definiert das Erkenntnisinteresse hinsichtlich Savonarolas Wirken in Florenz und begründet den Vergleich mit der Genfer Reformation.
II. Forschungsstand: Gibt einen kritischen Überblick über die Savonarola-Literatur und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit seiner Rolle als Vorläufer der Reformation.
III. Florenz im Quattrocento: Analysiert die wirtschaftlichen und sozio-politischen Strukturen im spätmittelalterlichen Florenz sowie die Machtverhältnisse der Medici-Familie.
IV. Savonarolas Aufstieg zum Propheten: Zeichnet Savonarolas Biografie, seine Ausbildung im Dominikanerorden und die Anfänge seines Wirkens als Prior in San Marco nach.
V. Florenz und Genf im Vergleich: Führt den vergleichenden Hauptteil durch, der die Notwendigkeit von Reformen, die politische Ordnung und die Verchristlichung des Alltagslebens in beiden Städten gegenüberstellt.
VI. Fazit: Verdichtet die Untersuchungsergebnisse und beantwortet die leitenden Forschungsfragen zum sozio-politischen Aufstieg Savonarolas und zur Vergleichbarkeit mit der Reformation unter Calvin.
Girolamo Savonarola, Florenz, Quattrocento, Johannes Calvin, Genf, Reformation, Prophetie, Medici-Familie, Piagnoni, Verchristlichung, Millenniarismus, Reform, consilio maggiore, San Marco, Kirchenkritik
Die Arbeit untersucht den Aufstieg und das Wirken des Mönchs Girolamo Savonarola im Florenz des 15. Jahrhunderts und vergleicht seine reformatorischen Bestrebungen mit der Reformation unter Johannes Calvin in Genf.
Die zentralen Themen sind politische Machtstrukturen in republikanischen Städten, die Rolle charismatischer religiöser Anführer, die Verbindung von Religion und Politik sowie der Wandel gesellschaftlicher Moralvorstellungen.
Das Ziel ist es, Savonarolas Wirken im Kontext seiner Zeit kritisch neu zu bewerten und einseitige Interpretationen, die ihn lediglich als „Vorläufer der Reformation“ sehen, anhand eines Vergleichs mit der Genfer Reformation zu hinterfragen.
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die primärquellenbasiert arbeitet und einen komparativen Ansatz verfolgt, um Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen der florentinischen und genferischen Reformbewegung aufzuzeigen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der florentinischen Verhältnisse unter den Medici, die Biografie Savonarolas sowie einen direkten Vergleich zwischen der religiös-politischen Ordnung in Florenz und Genf.
Schlüsselwörter sind u.a. Savonarola, Florenz, Reformation, Calvin, Genf, Prophetie, Medici und Verchristlichung.
Sie nutzte ein komplexes Patronagesystem, durch welches sie wichtige Ämter mit loyalen Anhängern besetzte, ohne dabei die republikanische Fassade der Stadt komplett aufzugeben.
Wegen seiner scharfen Kirchenkritik und der Forderung nach umfassender moralischer Erneuerung sahen spätere Generationen, etwa Anhänger Luthers, ihn oft fälschlicherweise als frühen Vorläufer und Wegbereiter einer protestantischen Konfession.
Während Savonarola seine Visionen innerhalb der römisch-katholischen Kirche realisieren wollte, ohne sich von ihr zu trennen, forderte Calvin strikt die Trennung von der römischen Kirche und institutionalisierte seine Reformen durch eine neue Kirchenordnung.
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