Bachelorarbeit, 2022
33 Seiten, Note: 2.4
1 EINLEITUNG
1.1 Theoretische Grundlagen und Begriffserklärungen
1.1.1 Kultur
1.1.1.1 Der moderne Kulturbegriff
1.1.1.2 Interkulturalität
1.1.2 Identität
1.1.2.1 Entwicklung von Identität
1.1.2.2 Hybride und kulturelle Identität
1.1.3 Die Heimat
1.1.3.1 Der Heimatbegriff
1.1.3.2 Transkulturelle Räume als neue Heimat
1.1.4 Das Fremde
1.1.4.1 Das kulturell Fremde
1.1.4.2 Das Fremde als Eigenes
2 EIN LEBEN ZWISCHEN ZWEI WELTEN
2.1 Kulturelle Unterschiede - Leylas Zeit in Deutschland und Kurdistan
2.2 Leylas Identitätsuche
2.2.1 Identitätswechsel
2.2.2 Die Rolle der Verwandten und Freunde bei der Identitätssuche
2.2.3 Kurdistan – eine vergebliche Suche im Schulatlas. Auf der Suche nach der Identität
2.3 Doppelte Heimat oder Heimatlosigkeit?
2.4 Das Fremde als Bedrückung und als Chance
3 HEIMAT, FREMDE UND IDENTITÄT – EIN RESÜMEE
3.1 Woher komme ich?
3.2 Wo gehöre ich hin?
3.3 Heimat als identitätsstiftende Funktion
3.4 Konstruktion kultureller Identität und das Erleben von Fremden
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand des Werkes „Die Sommer“ von Ronya Othmann die Darstellung und Konstruktion von Identität durch die Wahrnehmung von Heimat und dem Fremden innerhalb der interkulturellen Literaturwissenschaft. Ziel ist es zu klären, welche spezifischen Auswirkungen diese beiden Kategorien auf den Identitätsbildungsprozess der Protagonistin Leyla haben.
Die Rolle der Verwandten und Freunde bei der Identitätssuche
In der Geschichte Leylas werden diverse Figuren vorgestellt. Im Vordergrund stehen die Großmutter und der Vater. Aber auch die Mutter, die einen Kontrast zum Vater bildet, oder die Tanten, die sich kontrovers gegenüberstehen, werden erwähnt. Außerdem spielen Cousinen und Cousins im jesidischen Dorf eine Rolle sowie ihre Freundinnen in Deutschland.
Durch die Erzählungen ihres Vaters und durch ihre eigenen Erinnerungen wird ein Bild von Syrien gezeichnet, das Leyla Stück für Stück zusammensetzt. Ihre Sinneswahrnehmungen sind dabei von Bedeutung. Die Art und Weise, wie der Vater von seinem Leben als staatenloser Ausländer erzählt, beeindruckt Leyla und lässt auch den Leser näher am Geschehen in Syrien teilhaben. Der Vater agiert als treibende Kraft und berichtet Leyla von seinen negativen Erfahrungen als Teil einer Minderheit, als Flüchtling und als Ausländer, der er ein Leben lang auf dem Papier bleibt, egal wohin er geht. Er ist derjenige, der in Leylas Leben ständig präsent zu sein scheint und der sich mit dem Krieg in Syrien fortwährend verändert. Zu Beginn möchte er seinen Garten mit einheimischen Früchten bepflanzen. Bald stellt er aber frustriert fest, dass die Wetterbedingungen in Deutschland ungünstig dafür sind. Er sieht Leyla, spricht mit ihr und erzählt. Später aber sitzt er nur noch vor dem Fernseher, gefesselt vom Kriegsgeschehen in dem Land, in dem er aufgewachsen ist. Er scheint sein Umfeld nicht mehr wahrzunehmen und mit dem Krieg zerfällt auch die Bindung zwischen Leyla und ihm zunehmend. Als Kind hat sie ihm gerne zugehört, wenn er seine Geschichten erzählt hat. Später reden sie kaum noch miteinander.
1 EINLEITUNG: Grundlegung der theoretischen Konzepte wie Kultur, Identität, Heimat und das Fremde, um den Rahmen für die Analyse zu bilden.
2 EIN LEBEN ZWISCHEN ZWEI WELTEN: Detaillierte Untersuchung von Leylas Erfahrungen zwischen Deutschland und Kurdistan sowie ihre Identitätsuche anhand von Alltagsbeispielen und familiären Einflüssen.
3 HEIMAT, FREMDE UND IDENTITÄT – EIN RESÜMEE: Synthese der Ergebnisse, die klärt wie Heimat und Fremde die Identität konstruieren und welchen Stellenwert diese für das Individuum haben.
Interkulturalität, Identität, Heimat, Fremdheit, Diaspora, Kurdistan, Migrationshintergrund, Identitätsbildung, Transkulturalität, Selbstreflexion, Ronya Othmann, Identitätskonflikt, Heimatverlust, Kulturelle Differenz, Postmoderne Identität
Die Arbeit analysiert anhand des Romans „Die Sommer“ von Ronya Othmann, wie eine junge Protagonistin mit Migrationshintergrund ihre Identität im Spannungsfeld zwischen ihren beiden „Heimaten“ – Deutschland und Kurdistan – konstruiert.
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung kultureller Identität, der Bedeutung von Heimat als identitätsstiftendem Faktor, dem konstruierten Charakter des Fremden sowie den Auswirkungen von Migration und Kriegserfahrungen auf das Individuum.
Die zentrale Frage der Arbeit ist, wie Heimat und das Fremde die Identitätsbildung positiv oder negativ beeinflussen und ob die Protagonistin in der Lage ist, ihre innere Zerrissenheit in eine stabile Ich-Identität zu überführen.
Es wird ein interkultureller literaturwissenschaftlicher Ansatz verfolgt, der theoretische Grundlagen von Identität, Kultur und Transkulturalität systematisierte und diese auf die erzählte Biografie der Figur Leyla anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Begriffe Kultur, Identität, Heimat und Fremde sowie eine praxisnahe Textanalyse, die Leylas Erfahrungen, ihren Identitätswechsel und die Rolle ihres familiären Umfeldes im Detail beleuchtet.
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Identitätsdiffusion, transkulturelle Räume, Heimatbegriff, Fremdheit als Instrument der Selbstverortung und interkulturelle Literaturwissenschaft beschreiben.
Der Vater fungiert als politische Brücke zu Kurdistan, durch ihn erfährt Leyla die Perspektive des staatenlosen Ausländers, was ihre eigene Identitätsuche maßgeblich durch Schuldgefühle und eine ständige Konfrontation mit politischer Verfolgung prägt.
Die Abwesenheit Kurdistans auf der Weltkarte symbolisiert Leylas Heimatlosigkeit und die rechtliche Nicht-Existenz des Landes ihrer Großmutter, was ihr eigenes Identitätsempfinden als „ungültig“ oder „fremd“ in der Wahrnehmung der Mehrheitsgesellschaft bestärkt.
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