Forschungsarbeit, 2009
148 Seiten
EINLEITUNG
I. KAPITEL: Bergsons Auffassung von der Zeit
1. Zeit und Zahl
2. Verräumlichung der Zeit
3. Zeit und Bewegung
4. (Homogene) Zeit und inneres Erlebnis
5. Die wirkliche Zeit, die Dauer
5.1. Dauer und Raum
5.2. Dauer und Bewusstsein
5.3. Dauer und Gedächtnis
5.3.1. Die Formen des Gedächtnisses
5.3.2. Wahrnehmung und Erinnerung im Zusammenhang mit dem Gedächtnis
5.3.2.1. Bilder und Wahrnehmung
5.3.2.2. Erinnerung
6. Dauer in Bezug auf die Zeitmomente
6.1. Die Vergangenheit
6.2. Die Gegenwart
6.3. Die Zukunft
7. Dauer und schöpferisches Werden in der Natur
7.1. Dauer und schöpferische Entwicklung des Lebens
7.2. Der élan vital (die Lebensschwungkraft)
8. Die Intuition
8.1. Die Geschichte des Intuitionsbegriff bis Bergson
8.2. Das Wesen der Intuition
8.3. Die Intuition und Erkenntnis
8.4. Instinkt und Intellekt in Bezug auf die Intuition
II. KAPITEL: Bergsons Kritik an Kant
1. Kants Metaphysiktheorie und deren Kritik durch Bergson
2. Bergsons Kritik an Kants Erkenntnistheorie
3. Bergsons Kritik an Kants Zeitlehre
SCHLUSSBEMERKUNG
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das philosophische Verständnis von Zeit, Dauer und Intuition bei Henri Bergson systematisch darzulegen und kritisch in den Kontext der Philosophie Immanuel Kants zu stellen. Dabei wird die zentrale Forschungsfrage untersucht, inwiefern Bergsons Unterscheidung zwischen homogener (physikalisch verräumlichter) Zeit und der gelebten "Dauer" (la durée) eine neue, auf Erfahrung basierende Metaphysik begründen kann und ob seine Kritik an Kants Zeitlehre in diesem Sinne stichhaltig ist.
1. Zeit und Zahl
Zeit und Zahl sind zwei verschiedene Begriffe, die scheinbar gar nichts miteinander zu tun haben. Das ist nur solange richtig, wenn man mit dem Messen nichts zu tun hat. Die Frage, ob die Zeit zählbar ist, kann man entweder positiv oder negativ beantworten. Die negative Antwort wäre so zu formulieren: Die Zeit ist ihrem Wesen nach nicht zu zählen. Was die Uhr zeigt oder was man als bestimmte Zeitspanne als Maßstab für den Abstand zwischen den Ereignissen nimmt, ist nur eine abstrakte Konstruktion des menschlichen Verstandes, die das Wesen der Zeit nicht berühren kann. Die positive Antwort auf diese Frage wäre so auszudrücken: Die Zeit muss zählbar sein, damit sie im menschlichen Leben immer präsent bleibt und irgendwie mit dem alltäglichen Leben zu tun hat. Wenn die Zeit nicht zählbar wäre, wäre sie nur ein inhaltloser Begriff. Jede Antwort hat daher ihr Recht.
Bergson beschäftigt sich mit diesem Thema in „Zeit und Freiheit“. Er fängt mit der Definition der Zahl an. Nach ihm ist „die Zahl im Allgemeinen als eine Kollektion von Einheiten oder, präziser ausgedrückt, als die Synthese des Einen und des Vielen.“ Jede Zahl ist die Einheit einer Summe. Diese Summe schließt eine Mannigfaltigkeit von Teilen ein. Jede Zahl als Einheit ist ein Teil von vielen mannigfaltigen Zahlen. Bergson fragt sich, „ob die Idee der Zahl nicht die Vorstellung von noch etwas Anderem mitenthält.“ (ZuF 66) Er ist der Meinung, dass die Zahlen als Einheit untereinander identisch sein sollen. Sobald man sie zählt, denkt man sie als identisch. Wenn man ‚die Hammel einer Herde’ zählt und sagt, es gäbe 50 Hammel, obwohl sie sich voneinander unterscheiden, heißt das, dass man bei diesem Zählen nicht auf die individuelle Verschiedenheiten, sondern nur auf ihre gemeinsame Funktion achtet.
EINLEITUNG: Einführung in Bergsons Rolle als Lebensphilosoph und Umriss der zentralen Zeitanalyse als Kernstück seiner Philosophie.
I. KAPITEL: Bergsons Auffassung von der Zeit: Detaillierte Untersuchung der Zeitanalyse, beginnend bei der Kritik an Zahl und Raum, hin zur begrifflichen Definition der "reinen Dauer" als unteilbarer Prozess.
II. KAPITEL: Bergsons Kritik an Kant: Auseinandersetzung mit Kants erkenntnistheoretischen und zeitphilosophischen Grundlagen unter dem Vorwurf, Kant habe Zeit als homogenes Medium missverstanden.
SCHLUSSBEMERKUNG: Resümee über die Bedeutung von Bergsons Zeitanalyse für die moderne Philosophie und dessen Abgrenzung vom Positivismus und Materialismus.
Henri Bergson, Zeit, Dauer, Raum, Bewusstsein, Gedächtnis, Intuition, élan vital, Lebensphilosophie, Metaphysik, Erkenntnistheorie, Immanuel Kant, Zeitlichkeit, Philosophie des Werdens, Wahrnehmung.
Die Arbeit widmet sich der systematischen Erschließung der Philosophie von Henri Bergson, mit besonderem Fokus auf sein Konzept der Zeitanalyse und deren Abgrenzung zur physikalischen Raum-Zeit-Vorstellung.
Die zentralen Themen umfassen die Unterscheidung von Dauer und Raum, die Intuition als Methode, die Rolle des Gedächtnisses für das Bewusstsein sowie Bergsons Auseinandersetzung mit Kants Erkenntnistheorie.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Bergson eine neue Metaphysik auf Basis der gelebten Erfahrung begründet und inwiefern seine Kritik an Kants klassischer Zeitlehre zur Lösung metaphysischer Probleme beiträgt.
Der Autor stützt sich auf eine detaillierte textkritische Exegese von Bergsons Hauptwerken und kontrastiert diese mit zeitgenössischen und kantianischen Positionen, um die Tragfähigkeit der Bergsonschen Thesen zu prüfen.
Der Hauptteil analysiert die Definition der Dauer, die Bedeutung der Intuition für die Erkenntnis, die Funktion des Gedächtnisses und die schöpferische Entwicklung durch den "élan vital" sowie die konkrete Kritik an Kants System.
Wichtige Begriffe sind Dauer (la durée), Intuition, élan vital, Lebensphilosophie und die Abgrenzung zum mechanistischen Weltbild.
Für Bergson ist die physikalische Zeit ein homogenes Medium, das den Raum als Vorbild nutzt und somit das "Fließen" unterbricht. Die Dauer hingegen ist der reale, unteilbare und qualitative Strom des inneren Erlebens, der sich nicht in mathematische Einheiten zerlegen lässt.
Die Intuition dient als ein direkter Erkenntniszugang zum Wesen des Lebens und der Dauer, welcher über die analytische, auf Materie und Raum fixierte Intelligenz hinausgeht.
Ja, Bergson will die Metaphysik rehabilitieren, indem er sie von der Fixierung auf räumliche Kategorien befreit und sie als eine "unmittelbare Erfassung der Realität" durch Intuition neu konstituiert.
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