Bachelorarbeit, 2022
52 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Strukturierung der Arbeit
2 Forschungsmethodik
3 Rechtsextremismusforschung
3.1 Einordnung der Begrifflichkeit Rechtsextremismus
3.2 Das Konzept der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF)
3.3 Die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) - Mitte-Studie 2021
3.3.1 Ergebnisse der Mitte-Studie 20/21
3.3.2 Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in der Mitte-Studie
4 Kritische Männlichkeitsforschung
4.1 Connells Konzept der Männlichkeitskonstruktion
4.2 Die männliche Herrschaft nach Pierre Bourdieu
4.3 Homosoziale Männergemeinschaften nach Meuser
5 Männliche Sozialisation
5.1 Sozialisationsinstanz Familie
5.2 Sozialisationsinstanz Peer-Group
6 Jungenarbeit
6.1 Begriffsdefinition
6.2 Zielgruppen und Ziele
6.3 Lebenslagen von Jungen
6.3.1 Die Mikrodimension
6.3.2 Die Makrodimension
6.4 Angebote und Inhalte
7 Geschlechterreflektierte Rechsextremismusprävention
7.1 Rollenbewusstsein von Pädagogen und Pädagoginnen
7.2 Präventive und geschlechterreflektierte Herangehensweisen
8 Zusammenfassung und Diskussion der zentralen Ergebnisse
8.1 Zusammenstellung der Ergebnisse
8.2 Diskussion zu den Ursachen rechtsextremer Einstellungen bei Jungen
8.3 Diskussion hinsichtlich vorbeugender und effektiver Sozialer Arbeit
9 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen für rechtsextreme Einstellungen bei männlichen Jugendlichen und analysiert, welche präventiven Möglichkeiten die Soziale Arbeit durch eine geschlechterreflektierte Jungenarbeit bieten kann.
Die männliche Herrschaft nach Pierre Bourdieu
Neben Connells Ausarbeitung zur Männlichkeitskonstruktion ist der Aufsatz „Männliche Herrschaft“ von Pierre Bourdieu (2021/1998) grundlegend für die kritische Männlichkeitsforschung. Bourdieu (2021/1998) weist darauf hin, dass die Gesellschaft in ihren Bewertungen und Wahrnehmungen auf historisch verursachte männliche Strukturen zurückgreift (S. 14). Insofern ist die Gefahr realistisch, dass getätigte Reflexionen auf dem Produkt männlicher Herrschaft basieren. Er mahnt an, dass das Geschlecht eine „Biologisierung des Gesellschaftlichen“ (ebd., S. 11) ist und es sich dabei um „eine Verkehrung der Beziehung von Ursachen und Wirkungen“ (ebd.) handelt. Das Geschlecht als naturbedingtes Ereignis spiegelt sich seiner Ansicht nach in der Denkweise der Gesellschaft, auch in Bereichen der Forschung, wider (ebd.). In diesem Zusammenhang stellen Claus et al. (2010) fest: „Ohne eine Analyse und Einschätzung der verkörperten männlichen Praxis, die nicht mehr zwingend bewusst ist, wäre die Betrachtung von Männlichkeit(en) im Allgemeinen sowie von sich im Rechtsextremismus konstituierenden Männlichkeit(en) im Besonderen nicht erschöpfend.“ (S. 11)
Die Autoren und Autorinnen um Claus et al. (2010) gehen davon aus, dass das Habitus-Konzept nach Bourdieu die institutionalisierten Machtstrukturen und männliche Inszenierung zusammenhängend erfasst (S. 11). Als Grundlage eines Habitus bezieht sich Meuser (2010) auf Bourdieus „libido dominandi“, welcher das Handeln zwischen Männern und auch Frauen strukturiert (S. 123). Das heißt in erster Linie, dass andere Männer dominiert werden sollen und sekundär, dass mit Frauen ein symbolischer Kampf ausgetragen wird (ebd., S. 124). Laut Bourdieu (1997) wird der männliche Habitus nur in Verbindung mit anderen Männern konstruiert und vollendet, und zwar nur in homosozialen Räumen, in denen die ernsten Spiele des Lebens stattfinden (S. 203). Meuser (2008) konstatiert, dass diese Spiele vor allem in jenen Ebenen der Gesellschaft gespielt werden, die gesellschaftlich initiiert und entsprechend für den Mann vorgesehen sind, um die Geschlechterordnung und den männlichen Gestaltungsdrang fortzusetzen (S. 33).
1 Einleitung: Einführung in die Problemstellung, Zielsetzung und Strukturierung der Arbeit im Kontext von Rechtsextremismus und Männlichkeit.
2 Forschungsmethodik: Erläuterung der systematischen Literaturrecherche als gewählte wissenschaftliche Methode.
3 Rechtsextremismusforschung: Einordnung des Begriffs Rechtsextremismus unter Einbeziehung der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit und der FES-Mitte-Studie.
4 Kritische Männlichkeitsforschung: Theoretische Auseinandersetzung mit Männlichkeitskonstruktionen nach Connell, Bourdieu und Meuser.
5 Männliche Sozialisation: Analyse der Sozialisationsinstanzen Familie und Peergroup und deren Einfluss auf die Entstehung rechtsextremer Einstellungen.
6 Jungenarbeit: Darstellung theoretischer und praktischer Inhalte der Jungenarbeit, einschließlich ihrer Ziele, Zielgruppen und Lebenslagen von Jungen.
7 Geschlechterreflektierte Rechsextremismusprävention: Diskussion der Anforderungen an Pädagogen und praktische Herangehensweisen zur Prävention im rechtsextremen Kontext.
8 Zusammenfassung und Diskussion der zentralen Ergebnisse: Synthese und Interpretation der theoretischen Erkenntnisse sowie kritische Reflexion der Forschungsfrage.
9 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf zukünftige Forschungsbedarfe.
Rechtsextremismus, Männlichkeit, Geschlecht, Jungen, Jungenarbeit, Sozialisation, Familie, Peer-Group, Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Prävention, Hegemoniale Männlichkeit, Soldatische Männlichkeit, Maskulinität, Soziale Arbeit.
Die Arbeit untersucht die Wechselbeziehung zwischen Männlichkeitskonstruktionen und der Anfälligkeit für rechtsextreme Einstellungen bei männlichen Jugendlichen.
Die zentralen Felder sind die Rechtsextremismusforschung, die kritische Männlichkeitsforschung, Prozesse der männlichen Sozialisation sowie pädagogische Präventionsansätze der Jungenarbeit.
Das Ziel ist es, Kriterien zu identifizieren, die rechtsextreme Einstellungen bei Jungen begünstigen, und Wege aufzuzeigen, wie Soziale Arbeit durch geschlechterreflektierte Jungenarbeit vorbeugend wirken kann.
Die Arbeit basiert auf einer systematischen Literaturrecherche, um den aktuellen Forschungsstand zu Themen wie Männlichkeitsforschung und rechtsextremen Ideologien zusammenzuführen und zu interpretieren.
Der Hauptteil analysiert theoretische Konzepte (z.B. von Connell und Bourdieu), betrachtet die Bedeutung von Sozialisationsinstanzen wie der Familie und beleuchtet die Rolle von homosozialen Männergemeinschaften in rechten Milieus.
Neben Rechtsextremismus und Männlichkeit sind Begriffe wie Geschlechterreflektierte Jungenarbeit, Sozialisation und hegemoniale Männlichkeit für das Verständnis der Arbeit essentiell.
Die Literatur legt nahe, dass der Vater als Identifikationsmodell dient. Fehlende Zuwendung oder das Vorleben von Dominanzideologien durch den Vater können das Risiko erhöhen, dass Söhne rechtsextreme, auf Stärke und Abwertung basierende Weltbilder übernehmen.
In diesen Räumen, etwa in Cliquen, werden Männlichkeitsbilder durch „ernste Spiele des Wettbewerbs“ inszeniert. Dies führt dazu, dass Jungen sich durch rigide Männlichkeitsanforderungen und Abgrenzung gegenüber „Anderen“ profilieren, was in rechtsextremen Strukturen in Gewalt als Mittel zum Zweck münden kann.
Sie ermöglicht es, den Druck abzubauen, ständig hegemoniale Männlichkeitsideale erfüllen zu müssen. Durch geschützte Räume können Jungen alternative Rollenmuster erproben, ohne Gewalt oder Abwertung als notwendige Strategien zur Selbstbehauptung ansehen zu müssen.
Es fehlt laut der Autorin weitgehend an empirischen Langzeitstudien zur tatsächlichen Wirksamkeit dieser speziellen Präventionsangebote. Zudem sind die benötigten finanziellen und personellen Ressourcen in der Praxis selten in ausreichendem Maße vorhanden.
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