Examensarbeit, 2007
77 Seiten, Note: 1,7
1 Einführung
1.1 Armutsbekämpfung: Herausforderungen des 21. Jahrhunderts
1.2 Mikromärkte: Ein Instrument zur nachhaltigen Armutsbekämpfung
1.3 Micro banking: Finanzdienstleistungen für Mittellose
1.4 Problemstellung
1.5 Forschungsstand im Bereich der Mikroversicherungen
1.6 Struktur der Arbeit
2 Begriffsbestimmungen
2.1 Armut und Messindikatoren
2.1.1 Der Ressourcenansatz
2.1.2 Der Lebenslagenansatz
2.1.3 Relative Armut
2.1.4 Armut nach dem Menschenrechtsansatz
2.1.5 Kriterien für eine Zielgruppenbestimmung aus Sicht der Mikroversicherer
2.2 Risikoverletzbarkeit und Risikobewältigungsstrategien Armer
2.2.1 Risiken
2.2.2 Risikoverletzbarkeit: Die Armutsfalle
2.2.3 Strategien des Risikomanagements in armen Haushalten
2.2.4 Versicherbare Risiken
2.3 Versicherungsprodukte am BOP-Markt
2.3.1 Produktlinien
2.3.2 Ausgewählte Problemfelder bei Mikroversicherungen
2.4 Das Interesse der Versicherer am BOP-Markt
3 Der BOP-Markt in Bangladesch
3.1 Armut in Bangladesch
3.2 Klima und Geografie
3.3 Staat und Politik
3.4 Religiöse Besonderheiten
3.4.1 Das Problem der Mitgift
3.4.2 Versicherungen im Islam
3.5 Das Versicherungswesen in Bangladesch
4 Funktionsweise des Mikrokreditsystems am Beispiel der GRAMEEN-BANK in Bangladesch
4.1 Die Entstehungsgeschichte der Bank
4.2 Funktionsweise der Geschäftsidee: „Darlehen ohne Sicherheiten an Mittellose“
4.2.1 Die sechs Leitlinien des GRAMEEN-Kredites
4.3 Unterschiede zu konventionellen Kreditsystemen
4.4 Übertragbarkeit des Systems GRAMEEN
5 Vom Mikrokredit zur Mikroversicherung
5.1 Versicherungsprodukte von Mikrofinanzinstituten
5.1.1 Ausgangslage: Bedarf zur Absicherung eines Mikrokredites
5.1.2 Möglichkeiten zur Absicherung versicherbarer Ausfallrisiken eines Mikrokredites am Beispiel der GRAMEEN-Bank
5.2 Vulnerabilität auf Seiten der Mikrofinanzinstitutionen
5.2.1 Problemfeld: Risikomanagement im operativen Geschäft
5.2.2 Problemfeld: Risikomanagement des Anbieters
5.3 Defizite reiner „credit-linked“ Versicherungen
5.4 Erfahrungen der Delta Life Versicherung
6 Schlussfolgerungen
6.1 Was können Versicherer von Mikrobanken lernen? – 11 ausgewählte Kriterien für Mikroversicherungsprodukte
6.2 Möglichkeiten der Gestaltung von „endowment“-Produkten am Beispiel des Kriteriums der „Strikten Kosteneffizienz“
6.3 Ein Vorschlag für die Organisation eines Vertriebssystems
6.4 Ausblick
7 Literatur
Die Arbeit untersucht, ob und wie Versicherungsunternehmen von den Erfahrungen erfolgreicher Mikrofinanzinstitute, insbesondere der Grameen Bank, lernen können, um nachhaltige Mikroversicherungsprodukte für einkommensschwache Bevölkerungsgruppen (Bottom of the Pyramid, BOP) zu entwickeln.
1.2 Mikromärkte: Ein Instrument zur nachhaltigen Armutsbekämpfung
C. K. PRAHALAD (2006) publizierte in seinem Buch „The fortune on the bottom of the pyramid“ (BOP) einen völlig neuen Denkansatz zur Lösung des Armutsproblems. Es ist ein ökonomischer Ansatz, der bis Mitte/Ende des 20. Jahrhunderts von Fachkundigen eher geringwertig geschätzt und wenig beachtet wurde.
PRAHALAD formulierte mit seinem Ansatz eine neue Denkweise entgegen traditioneller Ansichten der Wirtschaftsunternehmen. Er identifizierte am „Fuß der Wohlstandspyramide“ (BOP) eine große Zahl an potenziellen Unternehmern und Konsumenten sowie einen enormen, nicht genutzten Reichtum. Nach allgemein herrschender Auffassung war der BOP für Unternehmen nicht attraktiv, da die Menschen über ein zu geringes Einkommen verfügen, um sie mit Waren oder Dienstleistungen zu versorgen (vgl. Prahalad 2006, S. 25-28). Das Potenzial am BOP wurde durchaus anerkannt. Es fehlte an Wegen, dieses zu erschließen.
Sukzessive erkennen und nutzen innovative Unternehmen den BOP zunehmend als Chance. „Wenn wir aufhören, die Armen als Opfer … zu sehen, und stattdessen erkennen, dass sie flexible und kreative Unternehmer und preisbewusste Konsumenten sind, eröffnet sich plötzlich eine völlig neue Welt der Möglichkeiten.“ (ebd., S. 17-18).
Hierin liegt der Schlüssel: Unternehmertum auf einer Mikroebene, sog. Sozialunternehmertum („social entrepreneurship”). Arme könnten sich aus der Armut befreien, wenn sie selbst und eigenverantwortlich an Wertschöpfungsprozessen beteiligt werden und Zugang zu modernen Produkten und Dienstleistungen erhalten. Das Abschöpfen von Mehrwerten (Ausbeutung) fördert Armut und Almosen (Spenden) lindern diese lediglich. Das Neue an dieser Denkweise war die Erkenntnis, dass die Menschen, die mit weniger als zwei US$ am Tag auskommen müssen, als Teilnehmer eines Marktes, des sog. BOP-Marktes mit seinen besonderen Bedingungen, gesehen wurden (vgl. ebd., S. 29-36).
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die globale Herausforderung der Armutsbekämpfung (MDGs) und führt in das Konzept des BOP-Marktes sowie die Problemstellung der Mikroversicherung ein.
2 Begriffsbestimmungen: Dieses Kapitel operationalisiert den Armutsbegriff, analysiert die spezifische Risikosituation armer Haushalte und diskutiert Möglichkeiten der Versicherbarkeit.
3 Der BOP-Markt in Bangladesch: Das Kapitel bietet eine detaillierte Analyse der sozioökonomischen Bedingungen, geografischen Risiken und religiösen Besonderheiten, die für den Versicherungsmarkt in Bangladesch relevant sind.
4 Funktionsweise des Mikrokreditsystems am Beispiel der GRAMEEN-BANK in Bangladesch: Es wird das Erfolgsmodell der Grameen Bank als Referenz für das Risikomanagement im informellen Sektor vorgestellt.
5 Vom Mikrokredit zur Mikroversicherung: Hier werden die Schnittstellen von Mikrofinanz und Versicherung untersucht sowie spezifische Probleme (z.B. Moral Hazard, Betrug) und Erfahrungen der Delta Life Versicherung analysiert.
6 Schlussfolgerungen: Das abschließende Kapitel leitet Kriterien für Mikroversicherungsprodukte ab und unterbreitet Vorschläge zur Organisation effizienter Vertriebssysteme.
Mikrofinanz, Mikroversicherung, Armutsbekämpfung, Grameen Bank, Bangladesch, Bottom of the Pyramid, BOP-Markt, Risikomanagement, Takaful, Sozialunternehmertum, Risikotransfer, Moral Hazard, Adverse Selektion, Produktentwicklung, Kosteneffizienz.
Die Arbeit untersucht, wie Versicherer von den erfolgreich erprobten Methoden der Mikrobanken, insbesondere des Grameen-Modells, lernen können, um bedarfsgerechte und wirtschaftlich tragfähige Mikroversicherungsprodukte für arme Bevölkerungsschichten zu entwickeln.
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Messung von Armut, die Analyse der spezifischen Risikoverletzbarkeit von Haushalten am Bottom of the Pyramid (BOP), die Besonderheiten des Finanzwesens in Bangladesch sowie die Herausforderungen der Produktgestaltung und des Risikomanagements für Mikroversicherer.
Das primäre Ziel ist es, marktrelevante Erfolgsfaktoren und Kriterien zu identifizieren, die eine erfolgreiche Implementierung von Mikroversicherungen ermöglichen, um so einen nachhaltigen Ausweg aus der Armutsfalle zu unterstützen.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse bestehender Studien, Fallbeispiele (Grameen Bank, Delta Life) und theoretischer Konzepte der Versicherungsökonomie, ergänzt durch die Auswertung regulatorischer und religiöser Rahmenbedingungen (Islamic Banking).
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Begriffe, die Marktanalyse von Bangladesch, die detaillierte Funktionsweise der Grameen Bank als Erfolgsbeispiel und die Untersuchung von Schnittstellen und Problemen bei der Einführung von Mikroversicherungsprodukten.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Mikroversicherung, Grameen Bank, BOP-Markt, Armutsfalle, Risikotransfer, Takaful und Kosteneffizienz.
Die Mitgift stellt für viele Familien eine existenzielle finanzielle Belastung dar. Der Autor argumentiert, dass eine kapitalbildende Lebensversicherung („Mitgift-Versicherung“) helfen könnte, dieses Risiko abzusichern, wobei jedoch ethische Zielkonflikte sorgfältig abgewogen werden müssen.
Takaful bezeichnet eine islamkonforme Versicherung auf Gegenseitigkeit. Da das kommerzielle westliche Versicherungsmodell durch das Zinsverbot (Riba) und das Verbot der Ungewissheit (Gharar) mit dem islamischen Recht kollidieren kann, bietet Takaful einen Weg, Risiken gemeinschaftlich und regelkonform zu teilen.
Die Ansätze scheiterten primär an einer anfänglichen Distanz zwischen den tatsächlichen Kundenbedürfnissen und den unflexiblen Produktstrukturen sowie an administrativen Ineffizienzen bei der Schadensabwicklung und der Risikoprüfung.
Der Autor schlägt eine durch moderne Technologie (DFÜ, mobile Geräte) gestützte, dezentrale Vertriebsstruktur vor, die ein physisches „Policenbuch“ beim Kunden mit einer zentralen Datenverwaltung kombiniert, um Verwaltungskosten zu minimieren und Transparenz zu schaffen.
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