Bachelorarbeit, 2009
33 Seiten
1. Einleitung
2. Die Vorschulzeit
2.1 Initiationsriten
2.2 Lernen (manabu ) durch Nachahmung (manebi )
2.3 Kindsmord (mabiki ߈)
3. Schulbildung
3.1 Kalligraphie- (tenaraidokoro ) und Tempelschule (terakoya )
3.1.1 Verbreitung
3.1.2 Lehrinhalt und Bücher
3.1.3 Verhältnis zwischen Lehrern (tenarai shishô /terakoya shishô ) und Schülern (terako / fudeko )
3.2 Private (shijuku ) und staatliche Schulen für Kriegerfamilien (hankô / hangaku )
3.2.1 Weiterführenden Schulen
3.2.2 Das Lernen in der hankô und gôgaku
4. Die Erziehung der Mädchen
5. Bewertung des japanischen Bildung- und Erziehungssystems durch Ausländer
6. Die Kindererziehung außerhalb der Schule
7. Die Erziehung von den Eltern
7.1 Der Kindertausch (kaeko kyôiku ߃)
7.2 Die drei Laster bei der Erziehung des Kindes
7.3 Literatur zur Kindererziehung
7.3.1 Shô gaku (Xiao-xue) “
7.3.2 Wazoku dôji kun [Unterweisung der Kinder in japanischen Traditionen]
7.3.3 Der erste Buchband zur Kindeserziehung in Japan, Shôni hitsuyô sodategusa [Das Buch über die für Kinder notwendige Erziehung]
8. Fazit
Diese wissenschaftliche Hausarbeit untersucht die Erziehungs- und Bildungsmethoden in Japan während der Edo-Zeit (1603-1867) vor dem Hintergrund der damaligen gesellschaftlichen Entwicklung. Das zentrale Ziel ist es, die pädagogischen Ansätze, die Rolle von Familie und Institutionen sowie die Bedeutung der Konfuzianischen Lehre zu analysieren, um Erkenntnisse über die Wirksamkeit und die gesellschaftliche Bedeutung der damaligen Kindererziehung zu gewinnen.
2.1 Initiationsriten
In der Edo-Zeit war die Sterberate bei Säuglingen und Kleinkindern in allen Bevölkerungsschichten sehr hoch. So starben beispielsweise von den 55 Kindern des elften Shôguns Tokugawa Ienari 38 im Alter von unter zwei Jahren, und nur sieben erreichten das vierzigste Lebensjahr. Die Kinder erlagen hauptsächlich den typischen Infektions- und Kinderkrankheiten wie Pocken, Masern oder sonstigen Infektionen.
Aus diesem Grund entwickelten sich für die verschiedenen Altersstufen unterschiedliche Initiationsriten, von denen einige bis heute existieren. Mit diesen Riten feierte und bedankte man sich für das gesunde Heranwachsen des Kindes und bat für dessen zukünftiges Wohl. Den Eltern in der Edo-Zeit gaben diese Initiationsriten in den kritischen Lebensphasen ihres Kindes die Hoffnung, dass es diese unbeschadet überstehen und gesund aufwachsen würde.
Durch die Initiationsriten kamen die Kinder auch nach und nach in Kontakt mit der Gesellschaft und diese konnte wiederrum das Aufwachsen des Kindes mitverfolgen. So entstand und festigte sich eine Bindung zu Nachbarn und anderen örtlichen Organisationen. Da alle Mitglieder einer Gemeinschaft sich an der Erziehung des Kindes beteiligten, waren die Initiationsriten auch ein wichtiger Schritt zur gesellschaftlichen Integration.
Viele Gelehrte in der Edo-Zeit waren sogar davon überzeugt, dass eine vorgeburtliche Erziehung möglich und nötig sei. Der Konfuzianist Nakae Tôju z.B. erklärte in seinem 1647 erschienenen Werk Kagami gusa, einem erzieherischen Ratgeber für die Frauen jener Zeit, dass die Kindeserziehung schon als Embryo beginnen müsse. Da der Embryo während der Schwangerschaft stark von der Mutter beeinflusst würde, müsste sich eine schwangere Frau immer so verhalten, dass es den Grundsätzen der Barmherzigkeit und Ehrlichkeit entspräche.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Erziehung in der Edo-Zeit ein und erläutert den hohen Stellenwert der Kinderbetreuung in einer Zeit hoher Sterblichkeit.
2. Die Vorschulzeit: Das Kapitel befasst sich mit der frühen Phase der Kindheit, den Initiationsriten, dem informellen Lernen durch Nachahmung und der problematischen Sitte des Kindsmordes.
3. Schulbildung: Hier werden die verschiedenen Bildungseinrichtungen wie Kalligraphie- und Tempelschulen sowie private und staatliche Schulen für Kriegerfamilien und deren Lehrinhalte detailliert untersucht.
4. Die Erziehung der Mädchen: Dieses Kapitel erläutert die geschlechtsspezifische Erziehung, den Fokus auf Tugenden und die häusliche Ausbildung von Töchtern.
5. Bewertung des japanischen Bildung- und Erziehungssystems durch Ausländer: Hier werden zeitgenössische Reiseberichte und Beobachtungen von Ausländern analysiert, die das japanische System als erstaunlich fortschrittlich bewerteten.
6. Die Kindererziehung außerhalb der Schule: Das Kapitel thematisiert die Rolle der Gemeinschaft bei der Erziehung durch organisierte Kinder- und Jugendgruppen.
7. Die Erziehung von den Eltern: Dieser Abschnitt behandelt elterliche Erziehungsmethoden, den Kindertausch sowie die Bedeutung konfuzianisch geprägter Erziehungsliteratur.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt die Bedeutung des Konfuzianismus sowie die soziale Einbettung der Erziehung hervor.
Edo-Zeit, Kindeserziehung, Konfuzianismus, Terakoya, Hankô, Initiationsriten, Japanische Bildungsgeschichte, Kindertausch, Nakamura Tousai, Erziehungsliteratur, soziale Integration, Kalligraphie, Kodomogumi, Kaibara Ekiken, Tugend.
Die Arbeit untersucht die Methoden und Strukturen der Kindererziehung und Bildung in Japan während der Edo-Zeit und setzt diese in den Kontext der damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse.
Die zentralen Themen umfassen die Rolle der Familie, die verschiedenen Schulformen, religiöse und soziale Initiationsriten sowie den starken Einfluss der konfuzianischen Moralphilosophie.
Ziel ist es, die pädagogischen Besonderheiten der Edo-Zeit herauszuarbeiten und zu analysieren, wie die Kombination aus formeller Bildung und informeller, gemeinschaftsbasierter Erziehung das Aufwachsen der Kinder prägte.
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die primär auf der Auswertung von Sekundärliteratur und historischen Quellen zur japanischen Pädagogik und Gesellschaft beruht.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Vorschulzeit, Schulbildung, Mädchenerziehung, außer-schulischen Gruppen, elterlicher Erziehung und der Rezeption durch ausländische Beobachter.
Wichtige Begriffe sind Edo-Zeit, Kindeserziehung, Konfuzianismus, Terakoya, Hankô, Bildungsgeschichte und soziale Integration.
Die Riten dienten dazu, die hohe Kindersterblichkeit zu bewältigen, die soziale Bindung des Kindes an die Dorfgemeinschaft zu festigen und das Kind schrittweise in die Welt der Erwachsenen zu integrieren.
Der Konfuzianismus lieferte das moralische Grundgerüst, betonte Respekt vor Vorgesetzten und Eltern sowie Gehorsam und bildete die inhaltliche Basis für das Lehrmaterial an fast allen Schulen.
Er wurde zur Stärkung des Zusammenhalts innerhalb der Dorfgemeinschaft eingesetzt und sollte Kindern ermöglichen, durch das Leben in anderen Familien vielfältige soziale Erfahrungen außerhalb des eigenen Hauses zu sammeln.
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