Magisterarbeit, 2008
90 Seiten, Note: 1,3
Vorwort
1. Einleitung
Kapitel I: Theoretischer Teil
2. Klärung von Begrifflichkeiten
2.1. Der Begriff der Behinderung
2.2. Der Begriff der Körperbehinderung
2.3. Der Begriff der Biografie
3. Zur theoretischen Sichtweise
3.1. Der Materialismus
3.2. Der symbolische Interaktionismus
4. Zum Erhebungsverfahren
4.1. Das narrative Interview
4.1.1. Die Analyse der Interviews
4.1.2. Zur Transkription des Erzähltextes
Kapitel II: Empirischer Teil
5. Erfahrungen bei der Erhebung der Interviews
6. Inhaltliche Zusammenfassung beider Biografien
6.1. Einblick in die Biografie von Frau A
6.2. Einblick in die Biografie von Frau B
7. Kontrastive Analyse der Interviews
7.1. Biografische Handlungspläne
7.1.1. Frau A: „Ich hab mich also wirklich nur über Leistung definiert.“
7.1.2. Frau B: „Und mein Ziel war, selbständig zu leben und ne Familie zu haben.“
7.2. Verlaufskurven des Erleidens
7.2.1. Frau A: „Und dann bin ick zusammenjeklappt. Dann ging da halt nix mehr.“
7.2.2. Frau B: „Der schwerste Umbruch war für mich äh den Beruf uffzugeben.“
7.3. Institutionelle Erwartungshaltungen
7.3.1. Frau A: „Und ich hätte gerne was mit Kindern gemacht. Gut, das hatte sich dann äh aufgrund meiner Behinderung erledigt.“
7.3.2. Frau B: „Äh und der hat zu meiner Mutter jesagt, dieser Krüppel lernt nie schwimmen.“
7.4. Biografische Wandlungsprozesse
7.4.1. Frau A: „Dann ham se mir auch n Weg äh gewiesen, wie ich denn aus diesen Tief wieder herauskommen kann, ne.“
7.4.2. Frau B: „Und ich bin ebend, nachdem es nach einem Jahr machbar war, äh in den Behindertenbeirat einjetreten.“
8. Abschlussdiskussion
Die vorliegende Arbeit untersucht Behinderung als soziale Konstruktion, indem sie mittels narrativer Interviews die Lebensgeschichten zweier körperbehinderter Frauen analysiert. Ziel ist es, den Einfluss sozialer Interaktionen und institutioneller Rahmenbedingungen auf die Lebensgestaltung und das Selbstverständnis der Betroffenen unter verschiedenen gesellschaftlichen Bedingungen (DDR und wiedervereinigtes Deutschland) aufzuzeigen.
7.2. Verlaufskurven des Erleidens
Im folgenden Abschnitt geht es nun darum zu zeigen, ob es zeitliche Abschnitte im Leben der Interviewpartnerinnen gab, in der sie nicht mehr in der Lage waren, ihr Leben aktiv zu gestalten. Eine solche Verlaufskurve ist oftmals mit schlimmen Ereignissen und Erfahrungen verbunden, welche den Betroffenen in eine Situation bringen können, die für ihn schmerzhaft und ausweglos erscheint und aus der er sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien kann. „Der soziale und biographische Prozeß der Verlaufskurve ist durch Erfahrungen immer schmerzhafter und auswegloser werdenden Erleidens gekennzeichnet: die Betroffenen vermögen nicht mehr aktiv zu handeln, sondern sie sind durch als übermächtig erlebte Ereignisse und deren Rahmenbedingungen getrieben und zu rein reaktiven Verhaltensweisen gezwungen“ (Schütze, Fritz; 1995 In: Krüger, Heinz-Hermann; Marotzki, Winfried: S.126). Dabei spielt es eine große Rolle, welche physischen und psychischen Kraftreserven ein Mensch aufbringen kann, um schmerzhaften Ereignissen und Erfahrungen in seinem Leben zu begegnen. So wurde in der bisherigen Analyse der Interviews deutlich, dass beide Interviewpartnerinnen in dieser Hinsicht ganz unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen. Während Frau A sich selbst als psychisch anfällige und ängstliche Person beschreibt, ist in den Erzählungen von Frau B eine recht selbstbewusste und psychisch starke Person wiederzuerkennen, die jedoch aufgrund ihrer Kinderlähmung und späteren Erkrankung an Muskeldystrophie gesundheitlich sehr zu leiden hat.
Vorwort: Dank an die Interviewpartnerinnen und Unterstützer der Arbeit.
1. Einleitung: Einführung in das Thema anhand anthropologischer Konstanten und des symbolischen Interaktionismus, um Behinderung als soziale Konstruktion einzuführen.
2. Klärung von Begrifflichkeiten: Definition und Diskussion der Begriffe Behinderung, Körperbehinderung und Biografie im theoretischen Kontext.
3. Zur theoretischen Sichtweise: Gegenüberstellung und Diskussion des Materialismus und des symbolischen Interaktionismus als wissenschaftliche Forschungsbrillen.
4. Zum Erhebungsverfahren: Erläuterung des narrativen Interviews als Methode, inklusive der Analyse- und Transkriptionsstrategien.
5. Erfahrungen bei der Erhebung der Interviews: Reflexion des Forschungsprozesses und der Herausforderungen bei der Durchführung narrativer Interviews.
6. Inhaltliche Zusammenfassung beider Biografien: Überblick über die Lebenswege der beiden interviewten Frauen.
7. Kontrastive Analyse der Interviews: Vergleich der Lebensentwürfe, erlebten Krisen (Verlaufskurven), institutionellen Erwartungen und Wandlungsprozesse der Frauen.
8. Abschlussdiskussion: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage unter Einbeziehung der theoretischen Grundlagen und empirischen Daten.
Behinderung, soziale Konstruktion, Körperbehinderung, narrative Interviews, Biografieforschung, Prozessstrukturen, Sozialisation, Stigmatisierung, Identität, institutionelle Erwartungshaltungen, Teilhabe, Materialismus, symbolischer Interaktionismus.
Die Arbeit untersucht, wie Behinderung, insbesondere Körperbehinderung, durch soziale Interaktionen und gesellschaftliche Rahmenbedingungen konstruiert wird.
Die zentralen Themen sind die soziale Konstruktion von Behinderung, biografische Prozessstrukturen bei körperbehinderten Menschen sowie die Rolle gesellschaftlicher Institutionen bei der Identitätsbildung.
Das Ziel ist es, anhand einer kontrastiven Analyse von zwei Biografien aufzuzeigen, wie Behinderung unter verschiedenen sozialen Bedingungen verläuft und unter welchen Bedingungen soziale Teilhabe gelingen oder erschwert werden kann.
Es wird die Methode des narrativen Interviews nach Fritz Schütze verwendet, kombiniert mit einer kontrastiven biografieanalytischen Auswertung.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil (Begriffe, Materialismus, symbolischer Interaktionismus) und einen empirischen Teil, in dem die Lebensläufe zweier Frauen kontrastiv hinsichtlich ihrer Handlungspläne, Erleidenskurven und Wandlungsprozesse analysiert werden.
Besonders prägend sind Begriffe wie soziale Konstruktion, biographische Prozessstrukturen, institutionelle Erwartungen, Stigmatisierung und Selbstbestimmung.
Frau A erfuhr in ihrer Kindheit kaum Unterstützung und kämpfte mit starkem sozialen Ausschluss, während Frau B trotz gesundheitlicher Schicksalsschläge stets in ein unterstützendes soziales Umfeld aus Familie und Freunden eingebettet war.
Der Beruf dient beiden Frauen als Ausdruck von Eigenständigkeit. Während Frau B trotz erheblicher gesundheitlicher Einschränkungen erfolgreich eine berufliche Karriere verfolgen konnte, war Frau A nach der Wiedervereinigung mit massiver Arbeitslosigkeit konfrontiert.
Die Analyse zeigt, dass Leistung nicht automatisch Chancengleichheit garantiert; Behinderung tritt vor allem dort schärfer in Erscheinung, wo gesellschaftliche Normen und Reaktionen defizitorientiert statt ressourcenorientiert sind.
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