Diplomarbeit, 2021
107 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1. Antisemitismus versus Antijudaismus - Terminologische Gedanken und Erklärungsansätze
1.1 Antisemitismus
1.1.1 Antisemitismus – Versuch einer Definition
1.1.2 Antisemitismus und Antike – Probleme und Analyse
1.2 Antijudaismus
1.2.1 Antijudaismus – Versuch einer Definition
1.2.2 Antijudaismus und Antike – Probleme und Analyse
1.3 Fazit zur Kompatibilität der Begriffe in Zusammenhang mit der Antike
1.4 Erklärungsansätze
2. Was wird den Juden vorgeworfen?
2.1 Jüdischer Ethnos
2.1.1 Herkunft und Alter
2.1.2 Exodustradition
2.2 Jüdische Lebensweise
2.2.1 Sabbat
2.2.2 Beschneidung
2.2.3 Speisevorschriften
2.3 Integrationsunwilligkeit
2.3.1 Gott der Juden
2.3.2 Proselytismus
2.3.3 „misoxenia“ und „misanthropia“
3. Ausgewählte Konflikte
3.1 Alexandria
3.1.1 Stellung der Juden in Alexandria
3.1.2 Der Konflikt in Alexandria – Philos Darstellung
3.1.3 Die Entwicklungen nach dem Pogrom
3.1.4 Analyse des Konflikts in Alexandria von 38 – 41 n. Chr.
3.2 Der Jüdische Krieg
3.2.1 Flavius Josephus und das Proömium zum Jüdischen Krieg
3.2.2 Vorgeschichte
3.2.3 Der Jüdische Krieg 66 – 70/74 n. Chr.
3.2.4 Ergebnis des Krieges – Analyse
Schlussbemerkung
Die Diplomarbeit untersucht das Aufkommen antijüdischer Stimmungen sowie deren instrumentellen Einsatz in der griechisch-römischen Antike im Zeitraum vom 4. Jh. v. Chr. bis zum 1. Jh. n. Chr., mit dem Ziel, die Konstruktion und Wirkmacht dieser Diskurse anhand ausgewählter Konflikte kritisch zu analysieren.
2.1.2 Exodustradition
„Angefangen aber uns zu verleumden haben zwar Ägypter; […] Weder berichten sie übereinstimmend die Ankunft unserer Vorfahren in Ägypten, wie sie geschah, noch erzählen sie den Auszug wahrheitsgemäß.“70
Eines der entscheidenden Ereignisse in der jüdischen Tradition ist mit Sicherheit der Exodus aus Ägypten unter der Führung Moses.71 Der biblischen Erzählung zufolge verließ das Volk Israels Ägypten aus freien Stücken, aber erst nach der zehnten Plage und nach Zustimmung des Pharaos, der seine Meinung änderte und das Volk hat ziehen lassen. Im Gegensatz zur biblischen Erzählung beschreibt eine ägyptische und griechisch-römische Exodustradition den Auszug als eine gewaltsame Vertreibung, bei der das jüdische Volk Ägypten verlassen und anschließend Jerusalem gegründet hat.72
Erste Anzeichen für das Entstehen einer negativen nichtbiblischen Exodustradition lassen sich im 4. Jahrhundert v. Chr. finden. Persien war besiegt worden und Alexander der Große und seine Armeen eroberten Ägypten im Jahr 332 v. Chr., sodass Ägypten die folgenden drei Jahrhunderte von Alexander und dessen hellenistischen, also griechischen, Erben regiert wird. Im Gefolge der Armeen Alexanders kamen auch Historiker nach Ägypten, deren Aufgabe es war, eine Geschichte für Alexanders gewaltiges neues Reich zu liefern, die jedoch auch auf die multikulturelle Zusammensetzung des Reichs hinweisen sollte. Dieser Versuch einer
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Aufkommen antijüdischer Stimmungen in der Antike, grenzt den Untersuchungszeitraum ein und erläutert die methodische Herangehensweise.
1. Antisemitismus versus Antijudaismus - Terminologische Gedanken und Erklärungsansätze: Dieses Kapitel klärt die terminologische Debatte und begründet die Wahl des Begriffs Antijudaismus sowie die Notwendigkeit eines multikausalen Erklärungsansatzes.
2. Was wird den Juden vorgeworfen?: Hier werden antijüdische Vorwürfe kategorisiert, wobei der Fokus auf dem jüdischen Ethnos, der jüdischen Lebensweise und der Integrationsunwilligkeit liegt.
3. Ausgewählte Konflikte: Dieser Hauptteil analysiert exemplarisch das Pogrom in Alexandria und den Jüdischen Krieg, um die politische Instrumentalisierung antijüdischer Vorurteile aufzuzeigen.
Schlussbemerkung: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass die antijudaistischen Erscheinungen in der Antike punktuelle Entladungen unter komplexen Bedingungen waren und keine kontinuierliche latente Ideologie darstellten.
Antijudaismus, Antisemitismus, Antike, Judentum, Diaspora, Flavius Josephus, Alexandria, Jüdischer Krieg, Exodustradition, Sabbat, Beschneidung, Speisevorschriften, Identität, Instrumentalisierung, Multikausalität.
Die Arbeit untersucht das Entstehen, die Konstruktion und die Verbreitung antijüdischer Stimmungen und Vorurteile in der griechisch-römischen Antike.
Die zentralen Felder sind die terminologische Einordnung der Judenfeindschaft, die Identifizierung spezifischer Vorwürfe gegen Juden und die Analyse konkreter historischer Konflikte.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie antijüdische Stereotype in antiken Schriften konstruiert wurden und wie diese in politisch geladenen Konflikten, wie dem Pogrom in Alexandria, gezielt instrumentalisiert werden konnten.
Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Analyse antiker literarischer Texte, kombiniert mit einem multikausalen Interpretationsmodell, das politische und sozio-kulturelle Faktoren einbezieht.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Kategorisierung antijüdischer Vorwürfe (Ethnos, Lebensweise, Integrationsunwilligkeit) und eine detaillierte Konfliktanalyse (Alexandria, Jüdischer Krieg).
Antijudaismus, antike Ethnographie, Instrumentalisierung von Ideologie, jüdische Identität und die kritische Auseinandersetzung mit antiken Geschichtsquellen.
Die Bewertungen reichen von Erstaunen über die religiöse Praxis bis hin zur scharfen Kritik, wobei römische Autoren ihn oft als Ausdruck von Trägheit oder Faulheit diffamierten.
Josephus ist als zeitgenössischer Historiker eine zentrale Quelle, deren eigene Tendenz und Verteidigung der jüdischen Position kritisch gegen die Propaganda der flavischen Dynastie abgewogen werden muss.
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