Magisterarbeit, 2007
96 Seiten, Note: 1,8
1 Einleitung
2 Komik
2.1 Lachen und Komik
2.2 Komiktheorien
2.2.1 Die Inkongruenztheorie
2.2.2 Die Aufwanddifferenz
2.3 Komikformen
2.3.1 Parodie
2.3.2 Satire
2.3.3 Ironie
2.3.4 Groteske und Gewalt
2.4 Zusammenfassung und Diskussion
3 Witz
3.1 Über den Witz
3.2 Witztechniken und -arten
3.3 Wirkung des Witzes
4 Komik und Lachen im Mittelalter
4.1 Lachkultur des Mittelalters
4.2 Worüber lachte man?
5 Witze bei Wolfram
5.1 Harmlose Witze
5.1.1 Im Willehalm
5.1.2 Im Parzival
5.2 Tendenziöse Witze
5.2.1 Im Willehalm
5.2.2 Im Parzival
5.3 Zusammenfassung und Vergleich
6 Parodie, Ironie und Seitenhiebe
6.1 Im Willehalm
6.2 Im Parzival
6.3 Zusammenfassung und Vergleich
7 Erotik, Groteske und Gewalt
7.1 Im Willehalm
7.2 Im Parzival
7.3 Zusammenfassung und Vergleich
8 Komische Figuren
8.1 Der junge Parzival
8.2 Rennewart
8.3 Der Erzähler
8.4 Nebenfiguren im Parzival
8.4.1 Feirefiz
8.4.2 Cundrie
9 Schluss
Diese Magisterarbeit analysiert die Komik in Wolframs von Eschenbach Werken "Parzival" und "Willehalm", um die Funktionen des Komischen unter Anwendung moderner Komiktheorien zu untersuchen und gleichzeitig zeitspezifische mittelalterliche Kontexte zu berücksichtigen.
2.2.1 Die Inkongruenztheorie
Die Inkongruenztheorie erklärt die Komik aus bestimmten Gegensätzen, die plötzlich miteinander in Verbindung treten. Die ältesten Vertreter dieser Theorie sind Aristoteles und Cicero. Aristoteles betont dabei vor allem den Gegensatz einer in der Komödie aufgeführten Handlung zu den geltenden Normen. Diese Handlung, beziehungsweise das Lächerliche und Falsche oder Hässliche an ihr, darf aber „keinen Schmerz auslösen, also keine affektive Wirkung wie bei der Tragödie hervorrufen.“25 Danach entstanden lange Zeit keine neuen Komiktheorien. Erst im 17. Jahrhundert begann, vor allem in der Philosophie, eine neue Phase der Beschäftigung mit dem Phänomen des Komischen. Diese bis heute andauernde Frage nach dem Ursprung der Komik, ihrer Form und Funktion, brachte Unmengen von Theorien und Erklärungsversuchen hervor, von denen hier nur einige der wichtigsten kurz vorgestellt werden.
Als „pure Notwehr“ bezeichnet Marquard26 seinen Versuch, die Komik aus dem Gegensatz zwischen dem Nichtigen und dem Geltenden zu erklären: „Komisch ist und zum Lachen bringt, was im offiziell Geltenden das Nichtige und im offiziell Nichtigen das Geltende sichtbar werden läßt.“27 Indem die üblichen Verhältnisse für kurze Zeit, plötzlich und überraschend, umgekehrt werden, zeige sich, „daß das Geltende nicht unbedingt das Geltende [...] daß das Nichtige nicht unbedingt das Nichtige ist“.28 Wenn man in der Lage ist, diesen Widerspruch, mit dem man nicht fertig wird, komisch zu nehmen, kann man auf ihn mit einer „Aktion statt der Aktion“, mit Lachen, reagieren.
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Rezeptionsgeschichte der Komik bei Wolfram von Eschenbach ein und stellt den methodischen Ansatz sowie die Zielsetzung dar.
2 Komik: Theoretische Grundlagen werden durch die Abgrenzung von Lachen und Komik sowie die Vorstellung wichtiger Komiktheorien und Komikformen gelegt.
3 Witz: Dieses Kapitel definiert den Witz als eine von der Komik abgrenzbare Form der Inszenierung, erläutert dessen Techniken und soziale Wirkung.
4 Komik und Lachen im Mittelalter: Es erfolgt eine historische Einordnung der Lachkultur und der zeitgenössischen Vorbehalte gegenüber dem Komischen.
5 Witze bei Wolfram: Analyse der harmlosen und tendenziösen Witze in den Werken von Wolfram mit einer anschließenden vergleichenden Diskussion.
6 Parodie, Ironie und Seitenhiebe: Untersuchung der literarischen Anspielungen und der parodistischen Verfahren in Parzival und Willehalm.
7 Erotik, Groteske und Gewalt: Analyse der körperbezogenen Komik, ihrer grotesken Ausgestaltung und der Funktion von Gewalt in den beiden Epen.
8 Komische Figuren: Charakterisierung der komischen Rollen und Figuren, unterteilt in Haupt- und Nebenfiguren sowie deren Funktion.
9 Schluss: Abschließende Zusammenfassung der Ergebnisse und Reflexion über die Bedeutung der Komik bei Wolfram.
Wolfram von Eschenbach, Parzival, Willehalm, Komiktheorien, Mittelalterliche Literatur, Humor, Witz, Parodie, Groteske, Gewaltkomik, Lachen, Literaturwissenschaft, Intertextualität, Mittelalterliche Lachkultur.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literarischen Komik in den Werken "Parzival" und "Willehalm" von Wolfram von Eschenbach und untersucht deren Funktion und Ausprägung.
Im Zentrum stehen die Definition von Komik, die Abgrenzung zum Witz, die mittelalterliche Lachkultur sowie die Anwendung dieser Kategorien auf spezifische Textstellen.
Ziel ist es, das Phänomen der Komik bei Wolfram mittels moderner Theorien zu erfassen und die zeitgebundene Funktion der komischen Szenen für das mittelalterliche Publikum zu rekonstruieren.
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse unter Einbeziehung philosophischer und literaturwissenschaftlicher Komiktheorien, etwa von Freud, Plessner und Marquard.
Der Hauptteil ist strukturiert nach Komikformen wie Witzen, Parodie, Ironie sowie grotesker und erotischer Komik, wobei stets ein Vergleich zwischen Parzival und Willehalm gezogen wird.
Wichtige Begriffe sind Inkongruenztheorie, Aufwanddifferenz, Lachgemeinschaft, Intertextualität und groteske Körperkomik.
Das Konzept hilft zu erklären, dass Lachen im Mittelalter ein soziales Phänomen war, das Gruppennormen stärkte oder ausgrenzend wirken konnte.
Diese Szenen nutzen groteske körperliche Herabsetzungen und Vergleiche mit Alltäglichem, um Gewalt erträglich zu machen oder soziale Normverstöße zu sanktionieren.
Die Kastration dient als groteskes Motiv, über das gelacht wird, um Hemmungsaufwand abzubauen und den Betroffenen zur Schwankfigur herabzustufen.
Der Erzähler tritt oft als komische Figur auf, die durch direkte Anrede des Publikums und Selbstironie eine Distanz zur erhabenen höfischen Welt schafft.
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