Bachelorarbeit, 2009
30 Seiten, Note: 2,0
I. Einführung
II. Konstantin S. Stanislawskis System
III. Bertolt Brechts Verfremdungseffekt
IV. Auffassungen vom Schauspieler bei Stanislawski und Brecht
V. Die Menschenbilder der beiden Theatermacher
VI. Maskerade im Leben und auf der Bühne
Die vorliegende Arbeit untersucht den Prozess der Verkörperung von Rollen auf der Bühne, indem sie die Schauspieltheorien von Konstantin S. Stanislawski und Bertolt Brecht vergleichend gegenüberstellt und diese im Kontext der philosophischen Anthropologie von Helmuth Plessner analysiert.
II. Konstantin S. Stanislawskis System
Der russische Theatermacher und Regisseur Konstantin S. Stanislawski erarbeitete in seinen bekannten schauspielmethodologischen Schriften wie z. B. „Die Arbeit des Schauspielers an der Rolle“ praktische Etüden für Schauspieler, wie sie ihre Gefühle, ihren Willen und ihren Verstand in Begeisterung versetzen können, damit sie in der Lage sind, ihre Figur glaubhaft darzustellen.
Stanislawski plädierte für die psychologisch-realistische Menschendarstellung auf der Bühne. Diese Art der Darstellung war ein wichtiger Bestandteil der seit dem 18. Jahrhundert angefangenen Literarisierung des europäischen Theaters. Den Höhepunkt der Literarisierung und somit des naturalistischen Illusionstheaters erlebte das von Stanislawski gegründete Moskauer Allgemeinzugängliche Künstlerische Theater (MChAT) im 19. Jahrhundert. Hier feierten unter anderem Anton Tschechows Dramen ihre Premieren, denn der literarische Stil des russischen Dramatikers entsprach wie kein anderer dem Ideal des naturalistischen Theaters, das wirkliche Leben auf der Bühne so zu zeigen, wie es tatsächlich ist.
I. Einführung: Das Kapitel führt in den Mimesisbegriff ein und etabliert den theoretischen Rahmen um Helmuth Plessners Anthropologie der exzentrischen Positionalität.
II. Konstantin S. Stanislawskis System: Hier werden die Grundlagen des psychologisch-realistischen Theaters sowie Stanislawskis Techniken zur emotionalen Wahrhaftigkeit erläutert.
III. Bertolt Brechts Verfremdungseffekt: Dieses Kapitel widmet sich Brechts Gegenentwurf zum Illusionstheater, der durch Distanzierung und kritische Reflexion gesellschaftliche Veränderungen anstrebt.
IV. Auffassungen vom Schauspieler bei Stanislawski und Brecht: Ein Vergleich der Rollenverständnisse, bei dem der Schauspieler entweder als in die Figur eintauchende Persönlichkeit oder als bewusst distanzierter Erzähler betrachtet wird.
V. Die Menschenbilder der beiden Theatermacher: Dieses Kapitel reflektiert, wie beide Theatermacher ihre Ansätze auf ein moralisches Menschenbild stützen und die Entwicklungsmöglichkeiten des Individuums thematisieren.
VI. Maskerade im Leben und auf der Bühne: Eine anthropologische Betrachtung, die zeigt, dass die theatrale Maskerade ihre direkte Entsprechung im sozialen Rollenspiel des täglichen Lebens findet.
Verkörperung, Schauspielmethode, Stanislawski, Brecht, Plessner, Mimesis, Verfremdungseffekt, Psychotechnik, exzentrische Positionalität, Rollenspiel, Theater, Anthropologie, Identifikation, Illusionstheater, Selbsterkenntnis.
Die Arbeit untersucht den schauspielerischen Verkörperungsprozess und vergleicht dazu die Ansätze von Stanislawski und Brecht aus einer anthropologischen Perspektive.
Die zentralen Themen sind Schauspieltheorie, die Beziehung zwischen psychologischem Realismus und epischem Theater sowie die soziologische Parallele zwischen Bühnenspiel und Alltagshandeln.
Das Ziel ist die Gegenüberstellung der Schauspielmethoden und die Klärung der Frage, wie beide Ansätze zum Verständnis der menschlichen Existenz als "Spieler" beitragen.
Die Autorin nutzt eine vergleichende Literaturanalyse schauspieltheoretischer Standardtexte, ergänzt durch anthropologische und soziologische Perspektiven, insbesondere von Helmuth Plessner.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Konzepte der Einfühlung, der psychischen Techniken, der Verfremdung, das Verhältnis von Schauspieler und Figur sowie die maskenhaften Aspekte des Soziallebens.
Die wichtigsten Begriffe sind Verkörperung, Schauspielmethoden, Verfremdungseffekt, Identifikation, Anthropologie und die exzentrische Positionalität des Menschen.
Stanislawskis Schauspieler versucht die Verschmelzung mit der Figur zur psychologischen Wahrheit, während Brechts Schauspieler Distanz wahrt, um als Kommentator gesellschaftliche Kritik zu üben.
Plessners Idee der "exzentrischen Positionalität" dient dazu, die grundsätzliche Fähigkeit des Menschen zu zeigen, sich selbst von außen zu betrachten – eine Fähigkeit, die sowohl für Schauspieler als auch für den Menschen im Alltag konstitutiv ist.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

