Bachelorarbeit, 2020
19 Seiten, Note: 1
Einleitung
Darstellung des Kapitels „Der Leib als geschlechtlich Seiendes“
Butlers Kritik an Merleau-Ponty
Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Geschlechtlichkeit in Maurice Merleau-Pontys Werk "Phänomenologie der Wahrnehmung". Dabei liegt der Fokus auf der dialektischen Spannung zwischen dem Ich und dem Anderen sowie der Analyse, wie durch die Geschlechtlichkeit menschliche Verhältnisse erst möglich werden. Die Arbeit stellt Merleau-Pontys phänomenologischen Ansatz der kritischen feministischen Perspektive von Judith Butler gegenüber.
Darstellung des Kapitels „Der Leib als geschlechtlich Seiendes“
Der Fall Schneider deutet darauf hin, dass es weder Sexualreflexe noch einen reinen Lustzustand gibt. Denn durch Schneiders Hirnverletzung der Hinterhauptregion müsste sich eine Entfesselung des Automatismus – wenn die Sexualität ein autonomer Reflexautomat wäre – einstellen, die sich in einem gesteigerten sexuellen Verhalten zeigen müsste. Da es so etwas wie eine Libido geben muss, die den äußeren Reizen erst ihre sexuelle Bedeutung geben, nimmt der Gesunde den menschlichen Körper nicht bloß wie einen beliebigen Gegenstand wahr. (vgl. Merleau-Ponty 1966, S. 187) Bei unserem Patienten ist dem nicht so, die Körper aller Frauen seien gleich, worauf es ihm ankommt ist der Charakter. Die erotische Wahrnehmung vollzieht sich somit nicht im Bewusstsein, sondern ist intentionalitärer Art. Um etwas eine sexuelle Bedeutung beizumessen, müssen äußere Reize für den Leib existieren und der Leib muss die Fähigkeit besitzen, diese Reize in erotische Situationen zu fügen. Demnach plädiert Merleau-Ponty auf ein Vermögen, das dem Geschlechtsleben selbst immanent ist und es so etwas wie einen Geschlechtstrieb (Libido) geben muss, der äußere Reize erst zu sexuellen Reizen macht und dem Subjekt vorgibt, was es mit seinem objektiven Leib zu tun hat. (vgl. Merleau-Ponty 1966, S. 187)
Das erotische Verstehen unterscheidet sich von dem Verstehen des Verstandes dadurch, dass es automatisch Körper mit Körper verbindet. Die Geschlechtlichkeit ist demnach kein peripherer Automatismus, sondern Intentionalität. Um nochmals auf den Kranken zurückzukommen lässt sich sagen, dass es ihm nicht möglich ist, sich in eine geschlechtliche Welt oder erotische Situation zu versetzen, genauso wenig ist er imstande sich überhaupt in affektive und weltanschauliche Situationen einzufinden. „[…] die Welt begegnet ihm in affektiver Neutralität.“ (Merleau-Ponty 1966, S. 188) Denn auch Gesichter sind ihm weder sympathisch noch unsympathisch, das Wetter macht ihn weder traurig noch glücklich und überhaupt vollzieht er keinen echten Denkakt mehr, sondern umschifft das intuitive Erfassen von Zahlen mit Merkhilfen. (vgl. Merleau-Ponty 1966, S. 188)
Einleitung: Die Einleitung führt in die zentrale Fragestellung ein, welche Rolle die Geschlechtlichkeit bei Merleau-Ponty einnimmt, und erläutert den Fall Schneider als zentrales Beispiel der phänomenologischen Psychopathologie.
Darstellung des Kapitels „Der Leib als geschlechtlich Seiendes“: In diesem Kapitel wird Merleau-Pontys Interpretation der Sexualität als Intentionalität und als Konstituens der menschlichen Existenz anhand des Falls Schneider dargelegt.
Butlers Kritik an Merleau-Ponty: Dieser Abschnitt konfrontiert Merleau-Pontys phänomenologische Analyse mit der feministischen Kritik von Judith Butler, insbesondere bezüglich der Vorwürfe von Heteronormativität und der kulturellen Konstruktion von Geschlecht.
Fazit: Das Fazit fasst die Kritikpunkte Butlers zusammen und bewertet die Bedeutung von Merleau-Pontys Ansatz für einen phänomenologischen Feminismus.
Geschlechtlichkeit, Sexualität, leibliche Existenz, Koexistenz, Aphonie, Psychoanalyse, Herr-Knecht-Dialektik, Phänomenologie der Wahrnehmung, Intentionalität, Fall Schneider, Judith Butler, Körperlichkeit, feministische Kritik, Leib, Geschlechtsidentität.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der phänomenologischen Analyse der Geschlechtlichkeit, basierend auf Maurice Merleau-Pontys Werk "Phänomenologie der Wahrnehmung", und diskutiert diese kritisch aus feministischer Sicht.
Zentrale Themen sind die Rolle der Sexualität als Intentionalität, der Leib als Ausdruck der Existenz, die Bedingungen zwischenmenschlicher Koexistenz sowie die Auswirkungen von Pathologien auf das Weltverständnis eines Individuums.
Das Ziel ist es, Merleau-Pontys Konzept der Geschlechtlichkeit darzustellen, seine Relevanz für das Verständnis menschlicher Existenz zu bewerten und die feministische Kritik daran zu untersuchen.
Es handelt sich um eine philosophische Arbeit, die primär die phänomenologische Methode von Merleau-Ponty nachvollzieht und diese einer kritischen Untersuchung im Kontext der Sozialphilosophie und des Feminismus unterzieht.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Darstellung des Kapitels "Der Leib als geschlechtlich Seiendes" und eine kritische Auseinandersetzung mit den Argumenten von Judith Butler, inklusive der Analyse des Falls Schneider.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Sexualität, leibliche Existenz, Intentionalität, Aphonie, Herr-Knecht-Dialektik und phänomenologischer Feminismus.
Der Fall Schneider dient als historisch belegter medizinischer Fall, an dem Merleau-Ponty aufzeigt, dass menschliche Fähigkeiten nicht im Gehirn lokalisiert, sondern existenzielle, leibliche Strukturen sind, die bei Störungen die gesamte Lebenswelt betreffen.
Butler wirft ihm einen heterosexuellen Normativismus und Androzentrismus vor und kritisiert, dass er die kulturelle Konstruiertheit von Geschlecht unterschätze, indem er bestimmte gesellschaftliche Strukturen als natürlich voraussetze.
Die Verfasserin kommt zu dem Schluss, dass Merleau-Pontys Konzepte trotz berechtigter feministischer Kritik von Butler gehaltvoll bleiben, da sie als "atmosphärische" Bedingungen der Existenz tiefere Einsichten in das Menschsein ermöglichen.
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