Bachelorarbeit, 2022
57 Seiten, Note: Sehr gut
1 Einleitung
2 Trennung durch Inhaftierung eines Elternteils
2.1 Folgen der besonderen Trennungssituation für Kinder
2.1.1 Vaterentbehrung
2.1.2 Verletzung der Kinderrechte
2.1.3 Stigmatisierung und Mobbing
3 Lebensbewältigung
4 Forschungsprojekt COPING
5 Geschlossener Vollzug als totale Institution
6 Alternative Vollzugsformen
6.1 Familienhaus Engelsborg Dänemark
7 Fazit und Ausblick
Die vorliegende Bachelorthesis untersucht, inwiefern alternative Vollzugsformen oder eine veränderte Ausgestaltung des geschlossenen Vollzugs dazu beitragen können, die negativen Auswirkungen einer elterlichen Inhaftierung auf Kinder zu minimieren.
2.1.1 Vaterentbehrung
Die Familie lässt sich als „das entscheidende System der primären Sozialisation“ (Ritscher 2016, 57) sowie „als ein besonders wichtiges soziales System mit nur für sie geltenden Merkmalen“ (ebd., 75) kennzeichnen. Der Familienbegriff kann aus verschiedensten Blickwinkeln und Zeitepochen betrachtet werden. Eine pauschalisierbare Definition existiert angesichts der seit jeher vorhandenen, sich immer weiter entwickelnden, menschlichen Lebensweisen und Beziehungsvarianten nicht. Auch die sich verändernden gesellschaftlichen Maßstäbe nehmen Einfluss darauf, wie der Begriff verstanden wird (vgl. Walper/Langmeyer/Wendt 2015, 365).
Die für die vorliegenden Zusammenhänge am geeignetsten erscheinende Begriffsbestimmung lautet: „Familien sind biologisch, sozial oder rechtlich miteinander verbundene Einheiten von Personen, die – in welcher Zusammensetzung auch immer – mindestens zwei Generationen umfassen und bestimmte Zwecke verfolgen. Familien qualifizieren sich dabei als Produzenten gemeinsamer, u.a. auch gesellschaftlich relevanter Güter (wie z.B. die Entscheidung für Kinder und deren Pflege, Erziehung und Bildung) sowie als Produzenten privater Güter, die auf die Befriedigung individueller und gemeinschaftlicher Bedürfnisse (wie z.B. Geborgenheit und Intimität) abzielen. Als Einheiten, die mehrere Personen und mehrere Generationen umfassen, bestehen Familien in der zeitlichen Abfolge von jeweils zwei Generationen aus Paar-, Eltern-Kind- und gegebenenfalls Geschwister-Konstellationen, die sich aus leiblichen, Adoptiv-, Pflege- oder Stiefeltern (Parentalgeneration) sowie leiblichen, Adoptiv-, Pflege- oder Stiefkindern (Filialgeneration) zusammensetzen können.“ (Schneewind 2010, 35, Hervorh. v. Verf.)
1 Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die prekäre Lebenssituation von Kindern inhaftierter Eltern und fragt nach Möglichkeiten der Entlastung durch eine kindorientierte Justizpraxis.
2 Trennung durch Inhaftierung eines Elternteils: Dieses Kapitel analysiert die spezifischen Trennungserfahrungen von Kindern, die Auswirkungen der Vaterentbehrung sowie die negativen Effekte von Stigmatisierung und Mobbing.
3 Lebensbewältigung: Der theoretische Ansatz der Lebensbewältigung wird genutzt, um die psychodynamischen und sozialen Reaktionen der Kinder auf die Inhaftierungssituation zu deuten.
4 Forschungsprojekt COPING: Kapitel vier präsentiert die Ergebnisse des EU-geförderten Forschungsprojekts, das sich mit den Bedürfnissen und mentalen Gesundheitsaspekten der betroffenen Kinder auseinandersetzt.
5 Geschlossener Vollzug als totale Institution: Hier werden die strukturellen Defizite des klassischen Gefängnissystems im Hinblick auf die kindliche Perspektive kritisch hinterfragt.
6 Alternative Vollzugsformen: Dieses Kapitel stellt moderne Ansätze und konkrete Modelle vor, wie ein familienorientierter Strafvollzug, beispielsweise durch das dänische Familienhaus Engelsborg, realisiert werden kann.
7 Fazit und Ausblick: Die Arbeit endet mit der Forderung nach einer bundesweiten, einheitlichen Ausweitung familienorientierter Vollzugsangebote und einer stärkeren Vernetzung von Justiz und sozialem Hilfenetzwerk.
Kinder inhaftierter Eltern, Strafvollzug, Familienorientierung, Vaterentbehrung, Stigmatisierung, Mobbing, Lebensbewältigung, Soziale Arbeit, Kinderrechte, COPING-Projekt, totale Institution, Familienhaus Engelsborg, Resozialisierung, parentifizierung, Delinquenzprävention.
Die Arbeit untersucht die Situation von Kindern, deren Elternteil inhaftiert ist, und zeigt auf, wie der Strafvollzug kindgerechter gestaltet werden kann.
Im Fokus stehen die Folgen der Trennung für Kinder, der Einfluss von Stigmatisierung, das Konzept der Lebensbewältigung sowie alternative, familienorientierte Vollzugsmodelle.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine Perspektiverweiterung im Strafvollzug negative Auswirkungen für Kinder inhaftierter Eltern begrenzt werden können.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Auswertung der Ergebnisse des europäischen Forschungsprojekts COPING.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Lebensbewältigung, totale Institution), die Analyse der kindlichen Lebensbedingungen unter Haftbedingungen sowie die Vorstellung alternativer Handlungsoptionen.
Die wesentlichen Begriffe umfassen Kinder inhaftierter Eltern, Strafvollzug, Familienorientierung, Stigmatisierung und Lebensbewältigung.
Da inhaftierte Männer die größte Gruppe der Gefangenen stellen, ist der Fokus auf die Vaterrolle essenziell, um die Entwicklungschancen der Kinder in kritischen Trennungssituationen zu verstehen.
Sie kritisiert, dass der geschlossene Vollzug als totale Institution die Rechte und Bedürfnisse der Kinder weitgehend ignoriert, was zu unnötigen Belastungen und Ausgrenzung führt.
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