Bachelorarbeit, 2022
271 Seiten, Note: 2.1
1. Einleitung
2. Theoretische Überlegungen
2.1 Identität und kollektive Identität
2.2 Identität in Erzählungen
3. Operationalisierung
3.1 Narrative Interviews
3.2 Rekonstruktion von Identität in Erzählungen
4. Methodische Vorgehensweise
4.1 Bestimmung der Zielgruppe
4.2 Die Kontaktaufnahme und Auswahl der Befragten
4.3 Die Fragestellung
4.4 Der Ablauf der Interviews
4.5 Die Aufbereitung des Interviewmaterials
5. Interviewergebnisse
5.1 Fallgeschichte Katja: Eine Erzählung über die Vorteile Europas
5.2 Fallgeschichte Gabriela: Eine Erzählung über die Erlebbarkeit von Europa
5.3 Fallgeschichte Lars: Eine Erzählung über ein liberales Europa
5.4 Fallgeschichte Tim: Eine Erzählung über Europa als Kategorisierung
6. Zusammenfassung und Abschluss
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die individuelle Identifikation von Mitgliedern der paneuropäischen Volt-Partei mit einem europäischen Kollektiv. Ziel ist es, in den lebensgeschichtlichen Erzählungen dieser Zielgruppe Vorstellungen und Selbstbilder zu rekonstruieren, die mit dem Konstrukt „Europa“ verbunden werden. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob eine besonders starke Identifikation mit Europa ursächlich für das parteipolitische Engagement ist.
1. Einleitung
Seit einem halben Jahrhundert erlebt Europa eine bedeutende Transformation (Meinhof; Rollo; Armbruster 2003: 885). Die politische Integration Europas führte zu radikalen Veränderungen der politischen und ökonomischen Strukturen vieler Länder und damit zu großen Veränderungen im Leben von Millionen von Bürger:innen (ebd.). Damit ging die Annahme einher, dass eine politische Integration Europas auch zur Genese und Entwicklung einer europäischen Kultur und Identität sowie zu einer Abnahme der regionalen und nationalen Identitäten führen werde (Westle 2003: 454). Doch während Bettina Westle schon im Jahr 2003 konstatierte, dass diese (neo-) funktionalistische Annahme sich als verfrüht herausgestellt habe, da sich nationale und regionale Identifikationen hartnäckig haben behaupten können (ebd.), scheinen aktuelle Ereignisse in Europa darauf hinzudeuten, dass sich die Krise des europäischen Gemeinschaftsgefühls sogar zu verschärfen droht. Diese Vermutung liegt nahe, da in den letzten Jahren rechtspopulistische antieuropäische Parteien europaweit einen starken Zuwachs verbuchen konnten (Schellenberg 2018). Und nicht zu vergessen ist auch der Brexit, welcher eine tiefe Wunde in das europäische Selbstverständnis der Unumkehrbarkeit und Unwiderstehlichkeit geschnitten habe (Adam 2019: 5). „Statt „mehr Europa“ gibt es am 30. März 2019 zum ersten Mal „weniger EU“. Mit dem Ausscheiden Großbritanniens steht die EU vor existenziellen Zukunftsfragen“ (vgl. Adam 2019: 6). Demnach scheint die Frage nach einer gemeinsamen europäischen Identifikationsbasis so aktuell wie schon lange nicht mehr zu sein.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Krise des europäischen Selbstverständnisses vor dem Hintergrund von Rechtspopulismus und Brexit und definiert das Ziel der Arbeit, die Identifikationsbasis von Volt-Mitgliedern zu rekonstruieren.
2. Theoretische Überlegungen: Dieses Kapitel erarbeitet das Konzept der kollektiven Identität und begründet, warum autobiografische Erzählungen ein geeignetes Medium zur Identitätsforschung sind.
3. Operationalisierung: Die Methodik der narrativen Interviews nach Fritz Schütze sowie die Analyseverfahren zur Rekonstruktion narrativer Identität werden detailliert erläutert.
4. Methodische Vorgehensweise: Das Kapitel beschreibt den praktischen Forschungsprozess, von der Zielgruppenauswahl bei Volt über die Kontaktaufnahme bis hin zur Aufbereitung des transkribierten Materials.
5. Interviewergebnisse: Die Ergebnisse werden anhand von vier individuellen Fallgeschichten (Katja, Gabriela, Lars, Tim) präsentiert und in Bezug auf deren Europaverständnis analysiert.
6. Zusammenfassung und Abschluss: Der Schlussteil wertet die Ergebnisse aus und reflektiert die Stärken und Grenzen des methodischen Ansatzes sowie die identifizierten Identitäts-Typen.
Europa, Europäische Identität, Kollektive Identität, Narrative Identität, Volt-Partei, Autobiografische Erzählung, Politische Partizipation, Europäische Union, Qualitative Sozialforschung, Identitätsstiftung, Europäischer Blick, Politische Sozialisation, Paneuropäische Bewegung.
Die Arbeit untersucht, wie sich Volt-Mitglieder als Europäer identifizieren und welche Vorstellungen sowie persönlichen Hintergründe dieses spezifische politische Engagement prägen.
Zentrale Themen sind europäische Identität, biografische Hintergründe als Motivator für politisches Engagement sowie die wahrgenommene Rolle der Europäischen Union für nationale und globale Probleme.
Das Ziel ist die Rekonstruktion von (kollektiv geteilten) Vorstellungen, Mythen und Narrativen in Bezug auf Europa bei einer hochpolitisierten Zielgruppe, um das "Europäisch-sein" für diese Menschen definierbar zu machen.
Die Untersuchung basiert auf autobiografisch-narrativen Interviews nach Fritz Schütze, deren Ergebnisse durch erzählanalytische Verfahren (Struktur- und Feinanalyse) ausgewertet wurden.
Neben der theoretischen Herleitung und methodischen Operationalisierung präsentiert der Hauptteil vier detaillierte Fallgeschichten von Volt-Mitgliedern, die ihre persönlichen Beweggründe und Europakonzeptionen schildern.
Wichtige Begriffe sind unter anderem "Europäischer Blick", Identifikationsprozesse, kollektive vs. individuelle Identität, sowie die Unterscheidung in utilitaristisch-politische und affektiv-politische Identitätsformen.
Es wurde angenommen, dass die Mitgliedschaft in einer explizit paneuropäischen Partei wie Volt mit einer besonders starken Identifikation mit dem politisch integrierten Europa korreliert und somit reichhaltiges Material für die Identitätsrekonstruktion bietet.
Die Arbeit differenziert primär zwischen einem utilitaristisch-politischen Typ, für den rationale Vorteile der Integration im Vordergrund stehen, und einem affektiv-politischen Typ, dessen Identifikation stark mit emotionalem Erleben und Nahbarkeit verbunden ist.
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