Diplomarbeit, 2009
145 Seiten, Note: 1,0
1. Die Schuld als Urerfahrung der Menschen
1.1 Meine Motivation
1.2 Vorgehensweise
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Der Begriff "Schuld
2.1.1 Definition: Schuldvorwürfe
2.1.2 Definition: Schuldgefühle
2.1.3 Voraussetzungen und Funktionen von Schuldgefühlen
2.1.4 Unbewusste Schuldgefühle und deren Folgen
2.1.5 Entwicklung von Schuldneigungen
2.1.6 Umgang mit Schuldgefühlen
2.1.6a) Schuldanerkennung
2.1.6b) Schuldabwehr
2.1.7 Persönlichkeitsmerkmale die mit Schuldneigung in Zusammenhang stehen
2.1.7a) Empathie
2.1.7b) Machiavellismus
2.1.7c) Soziale Verantwortung
2.1.7d) Gerechtigkeitsempfinden
2.1.8 Zusammenfassung
2.2 Wesentliche Voraussetzungen für Schuldneigungen
2.2.1 Entwicklung der Persönlichkeit unter Berücksichtigung der elterlichen Erziehungsstile
2.2.1.1 Definition: Persönlichkeit und Entwicklung
2.2.1.2 Vollzug der menschlichen Entwicklung - Verhältnis Anlage Umwelt
2.2.1.3 Definition Erziehung
2.2.1.4 Definition Erziehungsstil
2.2.1.5 Die elterlichen Erziehungsstile
2.2.1.5a) Der autoritative Erziehungsstil
2.2.1.5b) Der Autoritäre Erziehungsstil
2.2.1.5c) Der Permissive Erziehungsstil
2.2.1.5d) Der vernachlässigende/ unbeteiligte Erziehungsstil
2.3 Entwicklung der Persönlichkeit unter Berücksichtigung der emotionalen und moralischen Entwicklung vom Kleinkindalter bis zur Adoleszenz
2.3.1 Definition: Emotion
2.3.2 Emotionale Entwicklung im Kleinkindalter (0 bis 2 Jahre)
2.3.3 Emotionale Entwicklung in der frühen Kindheit (2 bis 6 Jahre)
2.3.4 Emotionale Entwicklung in der mittleren Kindheit
2.3.5 Emotionale Entwicklung in der Adoleszenz (11 bis 20 Jahre)
2.4 Moralische Entwicklung vom Kleinkindalter bis zur Adoleszenz
2.4.1 Definition: Moral, Normen, Werte & Gewissen
2.4.2 Moralische Entwicklung vom Kleinkindalter bis Adoleszenz
2.5 Zusammenfassung der wesentlichen Voraussetzungen für Schuldneigungen
3 Hypothesen
3.1 Hypothese 1 – Geschlechterunterschiede
3.2 Hypothese2 – Persönlichkeitsmerkmale
3.3 Hypothese3 – Erziehungsstile
3.4 Hypothese 4 – Folgen
4. Empirische Untersuchung
4.1 Untersuchungsmethodik
4.2 Fragebogendesign
4.2.1 Skalen – Schuldeinstellung
4.2.2 Theoretischer Hintergrund & Konstruktion der Skala Schuldneigung
4.2.3 Theoretischer Hintergrund & Konstruktion der Skala elterliche Erziehungsstile
4.2.4 Skalen – Persönlichkeit
4.2.5 Verfahren zur Auswertung
4.3 Deskriptive Statistiken der Stichprobe
5 Ergebnisse der item- und skalenanalytischen Untersuchung
5.1 Skalen – Schuldeinstellungen und Schuldneigungen
5.1.1 Einstellung zu Schuld
5.1.2 Schuldneigungen
5.2 Skala Elterlicher Erziehungsstil
5.3 Skalen Persönlichkeit
6 Ergebnisse
6.1 Hypothese 1 – Geschlechterunterschiede
6.2 Hypothese 2 – Persönlichkeitsmerkmale
6.3 Hypothese 3 – Erziehungsstil
6.4 Hypothese 4 – Folgen
7 Diskussion der Ergebnisse
7.1 Diskussion der Stichprobe
7.2 Inhaltliche Diskussion
8 Fazit
9 Ausblick
9.1 Abschließende Worte
Die Diplomarbeit untersucht das Phänomen der Schuld, indem sie die psychologischen Voraussetzungen und Folgen von Schuldneigungen analysiert. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf den Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen, elterlichen Erziehungsstilen und der Entstehung von Schuldgefühlen sowie deren Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden.
2.1 Der Begriff „Schuld“
Der Begriff Schuld ist sehr facettenreich und disziplinübergreifend. Dies wird am folgenden Zitat besonders deutlich: „Ein Mensch kann im strafrechtlichen Sinne schuldig werden, er kann finanzielle Schulden haben, sich wegen Missachtung von Geboten moralisch oder religiös schuldig fühlen oder im zwischenmenschlichen Miteinander nach seiner oder anderer Meinung schuldig geworden sein“(Hülshoff, 1999, S. 198). Hier wird angedeutet, dass der Schuldbegriff durch eine Instanz definiert wird, welche einerseits außerhalb liegt, z.B. bei einem Gericht, einer höheren Ordnung usw. und andererseits im Inneren des Individuums vorhanden ist, nämlich dem Gewissen (vgl. Hirsch, 1997, S. 30 f.).
Die Psychologie geht davon aus, dass Schuld zu einer Schulderfahrung führt und beschäftigt sich daher mit dem Erleben der persönlichen Schuld des Individuums und differenziert noch einmal zwischen der Tatschuld, einer Schuld aufgrund von Handlung bzw. Nicht-Handlung, und der existentiellen Schuld. Da handlungstheoretische Grundlagen kein Gegenstand meiner Diplomarbeit sind möchte ich an dieser Stelle kurz erklären was eine Handlung ist. Eine Handlung ist dadurch konstituiert, dass das Individuum verschiedene Alternativen zur Auswahl hat, zwischen diesen abwägt und sich entschließt eine bestimmte Handlungsalternative in die Tat umzusetzen. Dies hat zur Folge, dass Handlungen Konsequenzen mit sich bringen. Das Individuum bewertet seine Handlungen gegenüber dem Selbst, anderen und Instanzen (vgl. Albs, 1997, S. 30). Die existentielle Schuld beschreibt im Gegensatz zur Tatschuld „...Schuldgefühle, die nicht durch vorwerfbares eigenes Handeln ausgelöst werden, sondern durch erfahrende Vorteile, die - im Vergleich zu der Situation Benachteiligter - als nicht völlig verdient angesehen werden“(Albs, 1997, S. 37). 1958 erfasste May drei Formen des existentiellen Schuldgefühls:
1. Die Schuld als Urerfahrung der Menschen: Einführende Betrachtung von Schuld als kulturübergreifendes Phänomen und Erläuterung der persönlichen Motivation der Autorin.
2. Theoretische Grundlagen: Definition zentraler Begriffe wie Schuld, Schuldgefühle und Schuldvorwürfe sowie Einbettung in Persönlichkeitsmerkmale und elterliche Erziehungspraktiken.
3. Hypothesen: Ableitung der empirisch zu prüfenden Annahmen hinsichtlich Geschlechterunterschieden, Persönlichkeitsmerkmalen, Erziehungsstilen und Folgen.
4. Empirische Untersuchung: Methodische Beschreibung der Fragebogenstudie, der Stichprobenstruktur sowie der verwendeten Messinstrumente.
5. Ergebnisse der item- und skalenanalytischen Untersuchung: Statistische Prüfung der Gütekriterien der verwendeten Skalen zur Erfassung von Schuldneigungen und Erziehungsstilen.
6. Ergebnisse: Darstellung der statistischen Auswertung zur Überprüfung der aufgestellten Hypothesen.
7. Diskussion der Ergebnisse: Kritische Reflexion der Untersuchungsergebnisse hinsichtlich der Stichprobe und der theoretischen Einbettung.
8. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der zentralen Ergebnisse der Diplomarbeit.
9. Ausblick: Identifikation potenzieller Ansätze für zukünftige wissenschaftliche Untersuchungen.
Schuld, Schuldneigung, Schuldgefühle, Schuldvorwürfe, Erziehungsstil, Persönlichkeit, Empathie, Machiavellismus, Depression, psychisches Wohlbefinden, Moral, Gewissen, Sozialisation, Regressionsanalyse, Big Five
Die Arbeit untersucht das menschliche Phänomen der Schuld, insbesondere wie Schuldneigungen entstehen, welche Voraussetzungen sie haben und welche psychologischen Folgen sie für das Individuum haben können.
Die zentralen Themen sind die theoretische Bestimmung des Schuldbegriffs, die Bedeutung elterlicher Erziehungsstile für die Persönlichkeitsentwicklung sowie die Auswirkungen von Schuld auf die psychische Gesundheit, insbesondere auf Depressionen.
Das Ziel ist es, durch ein theoretisches Modell die Zusammenhänge zwischen Persönlichkeitsmerkmalen, Erziehungsstilen und der Ausprägung von Schuldneigungen empirisch zu belegen und deren Einfluss auf das allgemeine Wohlbefinden zu analysieren.
Die Arbeit basiert auf einer empirischen Fragebogenstudie. Die Daten wurden quantitativ ausgewertet, unter anderem durch Faktorenanalysen, Reliabilitätsprüfungen und Regressionsanalysen (Pfadmodelle).
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die Definition der Hypothesen, die Beschreibung der empirischen Untersuchung und die anschließende Darstellung der Ergebnisse sowie deren Diskussion.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Schuldneigung, Erziehungsstil, Empathie, Neurotizismus, Depression und das Big-Five-Persönlichkeitsinventar.
Die Arbeit hebt den autoritativen Erziehungsstil als besonders effektiv hervor, da er die Autonomie fördert und positive soziale Kompetenzen sowie ein gesundes Selbstwertgefühl begünstigt, was wiederum protektiv gegen unbewusste Schuldgefühle wirkt.
Die Studie konnte keine signifikanten Unterschiede in der generellen Schuldabwehr zwischen den Geschlechtern feststellen. Lediglich bei der spezifischen Komponente der Schuldgefühle wegen Selbstschädigung zeigten sich geringe, aber statistisch signifikante Unterschiede bei Frauen.
Neurotizismus zeigt sich als ein wesentlicher Prädiktor für Schuldgefühle, insbesondere bei der Selbstschädigung. Höhere Neurotizismuswerte gehen häufig mit einer geringeren emotionalen Stabilität einher, was die Anfälligkeit für Depressionen und quälende Schuldgefühle erhöht.
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