Examensarbeit, 2008
94 Seiten, Note: 1,7
Einleitung
I. Theoretische Grundlagen der maritimen Rüstung
1. Alfred T. Mahan: Die Bedeutung von Seemacht
2. Konzeption des deutschen Flottenbaus
II. Innenpolitische Genese der Flottenpolitik (1897 – 1900)
1. Kaiser und Reichsregierung – Förderer des Flottenbaus
2. Die Gewinnung des Reichstages
III. Die Entwicklung der sicherheitspolitischen Lage in Europa
1. Deutsche „Weltpolitik“
2. Europäische Mächtekonstellation bis 1912
IV. Vom Wettrüsten zum Verfall des Flottenkonzepts
1. Das deutsch-britische Wettrüsten
2. Ein letzter Verständigungsversuch: Die Haldane-Mission
Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht die ideologischen Voraussetzungen, die theoretischen Planungen sowie die innenpolitische Initiation des deutschen Schlachtflottenbaus im Kaiserreich. Dabei wird insbesondere die Rolle der Seemachtideologie sowie die enge Verflechtung der Flottenrüstung mit der deutschen Weltpolitik analysiert, um die Auswirkungen auf die europäische Sicherheitslage und das Scheitern der Flottenpolitik im Jahr 1912 darzustellen.
1. Alfred T. Mahan: Die Bedeutung von Seemacht
Die „Verheißung eines amerikanischen Marineakademielehrers“, erwuchs zur „Hoffnung jener europäischen Großmächte“, die davon überzeugt waren, dass sie nur Großmacht bleiben und zur Weltmacht aufsteigen konnten, wenn sie sich „neben der Macht zu Lande eine solche zur See“ schufen. Diese Ansichten, die sich an historischen Entwicklungen orientierten, wurden durch Mahan nicht neu erdacht; waren bereits von anderen Strategen untersucht worden. Doch keiner belegte diese bis dato so fundiert und detailliert historisch - oftmals blieben deren Analysen lediglich einem kleineren Kreis von Fachleuten vorbehalten, während Mahans Erkenntnisse weltweit in Büchern veröffentlicht wurden. In den verschiedenen Nationen wurden die Schriften des Amerikaners auch durchaus unterschiedlich rezipiert und an die nationalen Besonderheiten angepasst – zeitgenössische Diskussionen zu eben jenen Fragen kamen jedoch nicht an Mahans Argumenten vorbei, ohne zu ihnen Stellung nehmen zu müssen.
Mahan datierte in seinen Memoiren den Zeitpunkt, zu dem er die Einsicht gewann, die ihn berühmt werden ließ, auf den Herbst des Jahres 1884. Einer Einladung auf die vor Peru kreuzende USS Wachusett folgend, sei ihm fast religiös die Erkenntnis gekommen, das Seemacht ein bedeutender Faktor der Geschichte sei, der bis dato weder ausreichende Beachtung, noch Beschreibung gefunden habe. Die Realität – so zeigt Rolf Hobson – sah wohl weniger spektakulär aus, vielmehr fiel der Gedanke an Seemacht mit Mahans Wendung zum Imperialisten zusammen. Er war Befürworter der territorialen, maritimen und wirtschaftlichen Expansion der Vereinigten Staaten und kann zu recht als Vertreter des Imperialismus gelten. Dabei machte er mit seinen Schriften auf den Faktor der Seemacht aufmerksam – abgeleitet aus der Geschichte, richtungweisend für die Zukunft, für das Werden einer Nation als Weltmacht.
Einleitung: Umriss der historischen Ausgangslage Deutschlands als kontinentale Macht und Einführung in die These, dass die deutsche Flottenpolitik bis 1912 gescheitert war.
I. Theoretische Grundlagen der maritimen Rüstung: Analyse des Einflusses der Seemachtideologie von Alfred T. Mahan auf die deutsche Flottenkonzeption und die Bedeutung der Flotte als Weltmachtinstrument.
II. Innenpolitische Genese der Flottenpolitik (1897 – 1900): Darstellung der erfolgreichen Strategie von Admiral von Tirpitz, den Reichstag durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit und die Form der Gesetzesvorlagen für das Flottenbauprogramm zu gewinnen.
III. Die Entwicklung der sicherheitspolitischen Lage in Europa: Untersuchung der deutschen Weltpolitik unter Bülow, ihrer Verwobenheit mit der Flottenrüstung und der daraus resultierenden außenpolitischen Isolation.
IV. Vom Wettrüsten zum Verfall des Flottenkonzepts: Analyse des deutsch-britischen Wettrüstens nach der Einführung des Dreadnought-Typs und des Scheiterns der Haldane-Mission von 1912.
Schluss: Zusammenfassende Bewertung der Flottenpolitik als Störfaktor der internationalen Beziehungen und als strategische Fehlkalkulation.
Flottenpolitik, Deutsches Kaiserreich, Admiral von Tirpitz, Seemacht, Weltpolitik, Wettrüsten, Großbritannien, Royal Navy, Schlachtflotte, Dreadnought, Haldane-Mission, Imperialismus, Navalismus, Sicherheitspolitik, Außenpolitik.
Die Arbeit analysiert die deutsche Flottenpolitik im Kaiserreich von den 1890er Jahren bis zum Vorabend des Ersten Weltkrieges und untersucht deren strategische, innen- und außenpolitische Hintergründe sowie ihr Scheitern.
Zentral sind die ideologische Fundierung durch den Navalismus, die politische Umsetzung durch Tirpitz, das deutsch-britische Wettrüsten und die Entwicklung der europäischen Bündniskonstellationen.
Das Ziel ist es, die ideologischen Voraussetzungen des deutschen Flottenbaus aufzuzeigen, seine Rolle als außenpolitisches Instrument zu klären und zu belegen, warum die Flottenpolitik 1912 als gescheitert anzusehen ist.
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Analyse zeitgenössischer Dokumente (Denkschriften, Reden) sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der einschlägigen Fachliteratur und modernen Forschungskontroversen zur Geschichte des Kaiserreiches.
Im Hauptteil werden der theoretische Rahmen der Seemacht, die innenpolitische Initiierung durch die Reichsregierung, die sicherheitspolitischen Folgen der deutschen Weltpolitik und der Verlauf des Wettrüstens mit Großbritannien ausführlich dargestellt.
Wichtige Begriffe sind Flottenpolitik, Seemacht, Weltpolitik, Tirpitz-Plan, Wettrüsten, Dreadnought-Typus und das deutsch-britische Verhältnis.
Tirpitz war der maßgebliche Stratege, der durch eine geschickte Kombination aus Verschleierungstaktik gegenüber dem Reichstag und einer intensiven Agitationskampagne die breite Unterstützung für den massiven Ausbau der Schlachtflotte organisierte.
Die Verhandlungen scheiterten an der Unvereinbarkeit der Positionen: Deutschland forderte eine umfassende Neutralitätsgarantie für seine kontinentale Expansion, während Großbritannien die Reduktion des deutschen Schlachtflottenbaus zur Bedingung für eine Verständigung machte.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

