Bachelorarbeit, 2019
47 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Die Ouvertürenformen im 18. Jahrhundert
2.1 Die französische Ouvertüre
2.2 Die neapolitanische Opernsinfonia
2.3 Die Weiterentwicklung der bestehenden Formen
2.3.1 Georg Friedrich Händel
2.3.2 Jean-Philippe Rameau
2.3.3 Christoph Willibald Gluck
2.4 Die Potpourri-Ouvertüre
2.5 Die Ouvertüre in Sonatensatzform
3. Das Ouvertüren-Problem
3.1 Sonatenform-Probleme
3.2 Die Problematik in der „Freischütz-Ouvertüre“
4. Die Lösung des Ouvertüren-Problems im „Freischütz“
4.1 Einleitung
4.2 Exposition
4.3 Durchführung
4.4 Reprise
4.5 Coda
5. Eine Ouvertüre zwischen Tradition und Innovation
5.1 Die Sonatensatzform
5.2 Die Vereinbarkeit von Form und Inhalt
5.3 Die Romantik in der „Freischütz-Ouvertüre“
6. Fazit
Die Arbeit untersucht das sogenannte „Ouvertüren-Problem“, welches die Vereinbarkeit einer vorgegebenen formalen Norm wie der Sonatensatzform mit der musikalischen Nachzeichnung einer programmatischen Opernhandlung hinterfragt, wobei Webers „Freischütz-Ouvertüre“ als zentrales Fallbeispiel dient, um die Balance zwischen traditioneller Formstrenge und inhaltlicher Innovation zu analysieren.
Die Problematik in der „Freischütz-Ouvertüre“
Die Untersuchung des Ouvertüren-Problems und dessen Lösung im Freischütz erfolgt in erster Linie anhand des erläuterten Form-Inhalt-Prinzips, entsprechend der Frage nach der Vereinbarkeit eines außermusikalischen Sujets mit der formalen Norm der Sonatensatzform. Der Fokus liegt dabei vor allem auf der Nachzeichnung der Opernhandlung in der Ouvertüre, denn „die Weber-Kritik [wird] wesentlich von der Frage nach der Selbstständigkeit des Charakteristisch-Besonderen gegen das Normativ-Schöne der universalen Form bestimmt.“
Bereits zu Webers Lebenszeit setzten sich Komponisten und Musiktheoretiker mit der Form dieser Ouvertüre auseinander. Doch war nicht die formale Anlehnung an den Sonatensatz Hauptaspekt dieses Diskurses, sondern vorrangig die fast vollständige Anlage der Ouvertüre aus Motiven der Oper. Dies führte dazu, dass sich Weber mit der Kritik konfrontiert sah, seine „Freischütz-Ouvertüre“ sei ein „sachregisterhaftes Potpourri“, welches, ohne einer formalen Norm zu folgen, von der freien Aneinanderreihung einzelner Motive bestimmt sei. Eben jener Vorwurf scheint kennzeichnend für die Untersuchungen zum Freischütz im 19. Jahrhundert und das Ansehen Webers als Opernkomponist gewesen zu sein. Ein Beispiel findet sich bei Otto Jahn, welcher, im Vergleich zu Mozarts Ouvertürenkonzeptionen, folgendes anführt: Die äußerliche Weise, aus einzelnen Motiven der Oper die ganze Ouvertüre zusammenzusetzen, welche vornehmlich durch Weber üblich geworden ist, lag Künstlern fern, die aus dem Innern heraus ein Ganzes zu gestalten gewohnt waren.
1. Einleitung: Stellt das Ouvertüren-Problem als Kernpunkt musikwissenschaftlicher Betrachtungen vor und definiert die Forschungsfrage nach der Vereinbarkeit von Form und Inhalt.
2. Die Ouvertürenformen im 18. Jahrhundert: Bietet einen Überblick über die Entwicklung von der französischen Ouvertüre über die neapolitanische Opernsinfonia bis hin zur Sonatensatzform.
3. Das Ouvertüren-Problem: Erläutert die theoretische Problematik, außermusikalische Sujets innerhalb der normativen Sonatensatzform widerspruchsfrei abzubilden.
4. Die Lösung des Ouvertüren-Problems im „Freischütz“: Analysiert detailliert die einzelnen Formteile der Ouvertüre und deren Bezug zum dramatischen Verlauf der Oper.
5. Eine Ouvertüre zwischen Tradition und Innovation: Bewertet Webers Werk als bahnbrechendes Beispiel, das klassische Formen innovativ erweitert und damit den Weg in die Romantik ebnet.
6. Fazit: Resümiert die gewonnenen Erkenntnisse und unterstreicht die Bedeutung der Freischütz-Ouvertüre für die Musikgeschichte.
Freischütz, Carl Maria von Weber, Ouvertüren-Problem, Sonatensatzform, Musikgeschichte, Wiener Klassik, Romantik, Programmmusik, Motivübernahme, Handlungsdramatik, Formkonzepte, Opernanalyse, Samiel-Motiv, Musikalischer Konflikt, Tradition und Innovation.
Die Bachelorarbeit behandelt das Spannungsfeld zwischen formalen Anforderungen der Ouvertürenkomposition und dem Anspruch, dramatische Inhalte einer Oper musikalisch präzise darzustellen.
Die Themenfelder umfassen die historische Entwicklung der Ouvertürenformen, die analytische Untersuchung von Webers Freischütz-Ouvertüre sowie die theoretische Diskussion zur Vereinbarkeit von Inhalt und Form.
Das Ziel ist es zu klären, wie Weber das sogenannte „Ouvertüren-Problem“ löste, also wie er die Sonatensatzform nutzte, um die Handlungsdramatik seines Werkes abzubilden, ohne dabei die Gattungsform der Ouvertüre zu zerstören.
Die Arbeit stützt sich auf eine formale und musikwissenschaftliche Analyse der Partitur unter Einbeziehung zahlreicher zeitgenössischer Quellen und musikwissenschaftlicher Literaturdiskurs-Beiträge.
Im Hauptteil werden die formalen Abschnitte der Ouvertüre (Einleitung, Exposition, Durchführung, Reprise, Coda) detailliert analysiert und auf ihren inhaltlichen Bezug zur Opernvorlage hin untersucht.
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Sonatensatzform, Freischütz, Handlungsdramatik, Romantik, Programmmusik und thematische Innovation aus.
Samiel wird in der Einleitung durch ein charakteristisches Motiv und eine düstere Klangfarbeninstrumentation (tiefste Lagen, Tritonus-Dissonanzen) eingeführt, wodurch sein Einfluss als böse Macht bereits musikalisch präfiguriert wird.
Während Mozart in seinen Ouvertüren eher allgemeine Stimmungen oder Gegensätze des Dramas andeutete, projiziert Weber laut Abert den gesamten dramatischen Verlauf der Oper in eine freier gehandhabte, aber dennoch strukturell angebundene Form.
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