Bachelorarbeit, 2022
55 Seiten, Note: 1,0
Triggerwarnung
1 Thematische Einführung
2 Kriminologische Einordnung sexualisierter Gewalt
3 Anzeigeverhalten
4 Viktimisierungsprozess
5 Folgen der Opferschädigung
6 Prävention
7 Umgang mit Betroffenen im Kontext Sozialer Arbeit
8 Schlussfolgerungen
Die vorliegende Bachelor-Thesis untersucht das Phänomen der sekundären Viktimisierung bei weiblichen Opfern sexualisierter Gewalt, mit dem Ziel, die Akteure zu identifizieren, die sekundär viktimisierend wirken, und Präventionsansätze zu erarbeiten, um Betroffene vor einer solchen zweiten Opferwerdung zu bewahren.
2.1 Begriffsdefinition ‚sexualisierte Gewalt‘
Das Thema sexualisierte Gewalt ist vor allem seit der #MeToo-Dabatte vermehrt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. In der Literatur sind viele verschiedene Begriffe für das Phänomen der sexualisierten Gewalt vertreten. Dazu zählen neben sexualisierter Gewalt beispielsweise auch Termini wie sexuelle Gewalt, sexueller Missbrauch und sexuelle Übergriffe. In der vorliegenden Ausarbeitung wird vorwiegend der Terminus der sexualisierten Gewalt verwendet.
Zunächst gilt es den Begriff der sexualisierten Gewalt und anschließend auch die unterschiedlichen Formen zu erläutern. Eine Klärung der Termini im Vorfeld ist für die Erschließung der Zusammenhänge dieser Ausarbeitung erforderlich. Der Begriff der sexualisierten Gewalt wurde bewusst gewählt, um aufzuzeigen, dass es sich bei sexuellen Übergriffen um eine Form der Macht- und Gewaltausübung handelt. Mischkowski erklärt, dass bei sexualisierter Gewalt die Betonung nicht auf der Sexualität, sondern auf der Gewalttat liegt. „Sexualisierte Gewalt ist eine Form von Gewalt, die sich in voller Absicht gegen den intimsten Bereich eines Menschen richtet, [sic!] und deren Ziel die Demonstration von Macht und Überlegenheit durch die Erniedrigung und Entwürdigung des anderen ist“ (Mischkowski 2006a: 16). Es handelt sich demnach um ein Zusammenspiel von Macht, Demütigung, Gewalt und Sexualität. Sexualisierte Gewalt bedeutet einen massiven Eingriff in die Intimsphäre der betroffenen Person. Dies geschieht gegen deren Willen und stellt somit eine Handlung gegen die sexuelle Selbstbestimmung dar. Bei sexueller Gewalt geht es den Tätern nicht um die Befriedigung eines Triebes oder der sexuellen Lust, sondern um die Befriedigung von Herrschaftsgefühlen (vgl. Gottschalk 2014: 111). Sexuelle Übergriffe finden häufig, entgegen der öffentlichen Meinung, im sozialen Nahraum des Opfers und in Zweidrittel der Fälle nicht durch einen Fremdtäter, sondern durch (Ex-)Partner, Freunde oder Bekannte statt (vgl. Seith/Kelly/Lovett 2009: 6f.).
Triggerwarnung: Hinweis auf die Thematisierung sexualisierter Gewalt und die potenzielle retraumatisierende Wirkung für Betroffene.
1 Thematische Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Verbreitung sexualisierter Gewalt als Alltagsproblem und definiert das Ziel, das Phänomen der sekundären Viktimisierung zu untersuchen.
2 Kriminologische Einordnung sexualisierter Gewalt: Dieses Kapitel definiert sexualisierte Gewalt als geschlechtsspezifische Gewaltausübung und erläutert relevante Begriffe sowie Formen wie Belästigung und Vergewaltigung.
3 Anzeigeverhalten: Untersuchung darüber, warum ein Großteil der Straftaten nicht angezeigt wird und welche Rolle die Täter-Opfer-Beziehung dabei spielt.
4 Viktimisierungsprozess: Differenzierung zwischen primärer, sekundärer und tertiärer Viktimisierung sowie kritische Betrachtung des Opferbegriffs.
5 Folgen der Opferschädigung: Darstellung der kurz- und langfristigen physischen, psychischen, wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen für die Betroffenen.
6 Prävention: Erläuterung von Ansätzen der opferorientierten Prävention, um sekundäre Viktimisierung zu verhindern und für das Thema zu sensibilisieren.
7 Umgang mit Betroffenen im Kontext Sozialer Arbeit: Reflexion über die Verantwortung professioneller Fachkräfte, eine professionelle und nicht-viktimisierende Beratung zu gewährleisten.
8 Schlussfolgerungen: Fazit und Forderung nach strukturellen Änderungen im Umgang mit Betroffenen und einer stärkeren gesetzlichen Verankerung des Schutzes vor sekundärer Viktimisierung.
Sekundäre Viktimisierung, sexualisierte Gewalt, Opferwerdung, Täter-Opfer-Beziehung, Anzeigeverhalten, Victim Blaming, Vergewaltigungsmythen, Soziale Arbeit, Prävention, Opferschutz, Trauma, #MeToo, Strafrecht, Empowerment, Stigmatisierung.
Die Arbeit befasst sich mit dem Prozess der sekundären Viktimisierung bei Frauen, die Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind, und wie diese Betroffenen durch Institutionen, das soziale Umfeld oder die Medien eine weitere Opferwerdung erleben.
Zentrale Themen sind die kriminologische Einordnung sexualisierter Gewalt, das komplexe Anzeigeverhalten, die verschiedenen Ebenen der Viktimisierung sowie Präventionsansätze aus der Perspektive der Sozialen Arbeit.
Ziel ist es zu erklären, wer sekundär viktimisierend wirkt, welche Auswirkungen dies auf Betroffene hat und welche Möglichkeiten existieren, um solch eine sekundäre Viktimisierung erfolgreich zu verhindern.
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturrecherche und die Analyse kriminologischer sowie sozialwissenschaftlicher Theorien zum Thema Opferschutz und Viktimisierung.
Der Hauptteil analysiert detailliert, wie Akteure der Polizei, der Justiz, des sozialen Umfelds und der Medien durch Fehlreaktionen sekundär viktimisierend wirken und leitet daraus opferorientierte Präventionsansätze ab.
Die Arbeit charakterisiert sich durch Begriffe wie sekundäre Viktimisierung, Opfer-Täter-Dynamik, Opferschutz, Victim Blaming und professionelle soziale Beratung.
Der Autor hinterfragt den negativ konnotierten Opferbegriff und zeigt auf, wie sowohl die kriminologische Definition als auch die Sichtweise der Betroffenen zu einer Stigmatisierung führen kann, während die Selbstbezeichnung als Überlebende Kraft verleihen kann.
Vergewaltigungsmythen dienen als Auslöser für Täter-Opfer-Umkehr und Bagatellisierung, wodurch Betroffene häufig eine Mitschuld zugeschrieben wird, was sowohl den Ausgang von Gerichtsverfahren als auch das soziale Verhalten maßgeblich beeinflusst.
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