Masterarbeit, 2021
107 Seiten, Note: 1,6
1 Einleitung
1.1 Aufbau und Methode
1.2 Definitionen
2 Manchester: Die trostlose Peripherie
2.1 Punk in Manchester: Beginn und Zersplitterung einer Subkultur
2.1.1 Post-Punk in Manchester
2.1.2 Factory Records
3 Joy Division: Historie und Legende
3.1 Einflüsse und Sound
3.1.1 Stil auf der Bühne
3.1.2 Joy Division und die Faszination des Faschismus
3.2 »One of the lads«: Die Bandperspektive auf Ian Curtis
4 Ian Curtis‘ mentale Gesundheit: Last, Ruhm und Mythos
4.1 Diagnosen, ante mortem und posthum
4.2 Suizid in Wissenschaft, Ethik und Philosophie
4.3 Ian Curtis und Kurt Cobain: Neubewertung durch Suizid
5 Intertextuelle Analyse: Joy Division in den Medien
5.1 Joy Devotion
5.2 Songtextanalyse
5.3 Journalismus
5.4 »Control«
5.5 Ergebnisse
6 Fazit
Diese Masterarbeit untersucht den Suizid von Ian Curtis, dem Sänger der Band Joy Division, um ein holistisches Bild von den Mythen und der Mystifizierung zu zeichnen, die sein Leben und seinen Tod umgeben. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, wie sich seine mentale Gesundheit auf die Wahrnehmung und Popularität der Band auswirkte und welche Rolle dabei sozioökonomische Faktoren sowie die mediale diskursive Einbettung spielten.
3.1.1 Stil auf der Bühne
Es ist unklar, ob Joy Division überhaupt ein Interesse daran hatte, Martin Hannetts Sound von »Unknown Pleasures« auf die Bühne zu übertragen. Im Gegensatz zur vergleichsweise gemäßigten Schallplatte ist die Band u.a. für Ian Curtis‘ exzentrischen Tanzstil und sein wildes Verhalten auf der Bühne bekannt. Deborah Curtis beschreibt den Tanzstil ihres Ehemannes als Parodie seiner epileptischen Anfälle: »His arms would flail around, winding an invisible bobbin, and the wooden jerking of his legs was an accurate impression of the involuntary movements he would make. Only the seething and shaking of his head was omitted.« (Curtis 1995: 74).
Caroline Langhorst interpretiert Curtis‘ Bewegungen als Provokation gegenüber des Publikums (2018: 93) und Jon Savage, Zeitzeuge und Autor, benennt den Tanzstil als befremdlichen Gesamteindruck aus den steifen, ruckartigen Bewegungen, »even when dancing at full speed«, dem eigensinnigen Haarschnitt und der Kleidung, die als »utilitarian« beschrieben wird (Savage 2011). Es ist bei Curtis jedoch nicht bei seinem eigenwilligen Tanzstil geblieben. Bernard Sumner erinnert sich wie folgt: »[S]uddenly, before anyone realized, about the third song in, you’d notice he’d gone a bit weird, started pulling the stage apart, ripping up the floorboards and throwing them at the audience. Then, by the end of the set, he would be completely and utterly manic. Then you’d come offstage, and he’d be covered in blood, going, “Fucking hell, what happened then?” But no one would talk about it [...]« (Savage 2019: 123).
1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich Ian Curtis' Suizid und die methodische Herangehensweise mittels Diskursanalyse.
2 Manchester: Die trostlose Peripherie: Historische und kulturelle Einordnung der Stadt Manchester als Nährboden für die Punk- und Post-Punk-Bewegung.
3 Joy Division: Historie und Legende: Umfassende Darstellung der Bandhistorie, ihrer Einflüsse und der Banddynamik im Kontext von Curtis' Persönlichkeit.
4 Ian Curtis‘ mentale Gesundheit: Last, Ruhm und Mythos: Analyse der gesundheitlichen Situation von Ian Curtis sowie eine philosophische und ethische Auseinandersetzung mit dem Suizid.
5 Intertextuelle Analyse: Joy Division in den Medien: Qualitative Inhaltsanalyse von Songtexten, journalistischen Nachrufen und der filmischen Darstellung im Biopic "Control".
6 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zur Mythologisierung und Bedeutung von Curtis' Lebensgeschichte.
Ian Curtis, Joy Division, Suizid, Post-Punk, Manchester, Diskursanalyse, Mythologisierung, Mentale Gesundheit, Musikjournalismus, Songtextanalyse, Factory Records, Authentizität, Musikgeschichte, Kulturwissenschaft, Kurt Cobain.
Der Fokus liegt auf dem Leben und Suizid von Ian Curtis, dem Sänger der Band Joy Division, und wie dieser Vorfall diskursiv in Fachliteratur, Medien und Mythen eingebettet wurde.
Die Arbeit verknüpft die Entstehungsgeschichte der Post-Punk-Subkultur in Manchester mit Fragen zur mentalen Gesundheit, der Konstruktion von Künstler-Mythen und der Rolle von Medien und Journalismus.
Die primäre Frage ist, welchen Einfluss Curtis' mentale Gesundheit auf die Wahrnehmung und Popularität sowie die Mythologisierung von Joy Division hatte.
Es wird eine qualitative Diskursanalyse nach Keller (2011) sowie eine Inhaltsanalyse nach Mayring (2005) von Songtexten und journalistischen Texten angewandt.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Herkunft der Band aus Manchester, die Schilderung der Bandhistorie, eine medizinisch-philosophische Betrachtung des Suizids und eine intertextuelle Analyse der medialen Darstellung.
Neben Ian Curtis und Joy Division sind Diskursanalyse, Mythologisierung, Mentale Gesundheit, Post-Punk und Musikjournalismus entscheidende Begriffe.
Das Label wird als Teil einer ästhetischen Konstruktion verstanden, die durch gezielte visuelle Minimalisierung und eine spezifische "Arbeiter-Mentalität" maßgeblich zur Enigmatisierung der Band beitrug.
Die journalistischen Quellen werden als Konstrukte wahrgenommen, die durch ihren subjektiven Stil und die zeitgenössische Unkenntnis über Curtis' Epilepsie zur späteren Mythologisierung und Romantisierung des Suizids beigetragen haben.
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