Bachelorarbeit, 2022
73 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Kinder- und Jugendarmut in Deutschland
2.1 Abgrenzung von Kindheit und Jugend
2.2 Versuch einer Definition von Kinder- und Jugendarmut
2.3 Messbarkeit von Armut
2.3.1 Formen von Armut: Absolute und relative Armut
2.3.2 Der Lebenslagenansatz
2.3.3 Der Capability Approach
2.4 Kinder- und Jugendarmut – Zahlen und Fakten
3 Mehrdimensionale Deprivationen und ihre Auswirkungen auf die Lebenschancen
3.1 Soziale Segregation
3.2 Der Einfluss von Armut auf die Gesundheit betroffener Kinder und Jugendlichen
3.2.1 Armutsbedingte pränatale Einflussfaktoren
3.2.2 Armutsbedingte Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit
3.3 Einfluss der sozialen Herkunft auf die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen
4 Transgenerationelle Transmission von Armut
4.1 Studien zur Transmission wohlfahrtstaatlicher Abhängigkeit
4.1.1 AWO-ISS-Studie
4.1.2 Reproduktion von Arbeitslosigkeit
4.2 Intergenerationenmobilität
4.3 Sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze zur intergenerationellen Armutstransmission
4.3.1 Die Investitionstheorie und die Theorie der guten Eltern
4.3.2 Rationale Wahlen
4.3.3 Erlernte Hilflosigkeit
4.3.4 Habituelle Reproduktion sozialer Ungleichheit nach Pierre F. Bourdieu
5 Kinderarmut aus Sicht der Sozialen Arbeit
5.1 Annäherung an das Resilienzkonzept
5.1.1 Resilienzförderung durch positive Peerkultur
5.1.2 Kritik am Resilienzkonzept
5.2 Frühe Hilfen als Mittel zur Prävention
5.3 Kinder- und Jugendarmut aus Sicht der Hilfen zur Erziehung
6 Fazit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht das Phänomen Kinder- und Jugendarmut unter besonderer Berücksichtigung der intergenerationellen Transmission. Das Hauptziel der Arbeit besteht darin, zu analysieren, ob und wie Armut innerhalb von Familien von einer Generation auf die nächste übertragen wird, und welche Rolle die Soziale Arbeit bei der Bewältigung dieser strukturellen Benachteiligungen spielen kann. Dabei steht die Frage im Vordergrund, inwiefern ein Leben in prekären Verhältnissen die Lebenschancen von Kindern nachhaltig einschränkt und welche Interventionsmöglichkeiten bestehen.
3.1 Soziale Segregation
Als soziale Segregation wird die Ballung von Bevölkerungsgruppen mit ähnlichen Merkmalen in einem geografisch definierten Raum bezeichnet. Allerdings ist dieser Ausdruck überwiegend negativ konnotiert, denn Segregation bezieht sich auf die Entstehung von Bevölkerungsstrukturen, innerhalb derer sozioökonomisch benachteiligte Menschen ein alternatives Normen- und Wertesystem entwickelt haben. Dieses weicht von den gesellschaftlichen Wertorientierungen der Mehrzahl der Bevölkerung ab, wodurch wiederum die Gefahr gesellschaftlicher Exklusion steigt und die Teilhabeungleichheit zusätzlich verstärkt wird (vgl. Alisch 2018, S. 503). Derartige Sozialräume sind häufig geprägt von unattraktiven Infrastrukturen, städtebaulichen Mängeln und einem wenig anregenden Wohnumfeld.
Die Entstehung solcher deprivierenden Quartiere ist ein Prozess: Menschen, die wirtschaftlich dazu in der Lage sind, verlegen ihren Wohnsitz und sozioökonomisch schwache Menschen ziehen zu, da Wohnraum in anderen Stadtteilen für sie oftmals nicht erschwinglich ist. Dadurch erweitert sich die prekäre Lage immer mehr und wirkt sich potenziell immer stärker auf die betroffene Bevölkerung aus. Denn die Nachbarschaft beeinflusst das individuelle Verhalten sowohl mittel- wie auch unmittelbar. Die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen wird durch das Beobachten und Imitieren von Handlungs- und Verhaltensweisen des sozialen Umfelds geprägt. Ist diese alltäglich erlebte Umwelt durch eine Mentalität der Resignation und Hoffnungslosigkeit bestimmt, wird diese Haltung von den Heranwachsenden übernommen und die Bildungs- und Erwerbsaussichten verschlechtern sich weiter.
Dabei ist das Vorhandensein von Vorbildern von großer Bedeutung, um Zukunftsaussichten entwickeln zu können (vgl. Kohler-Gehring 2019, S. 115). Familien mit Kindern, die auf wohlfahrtsstaatliche Leistungen angewiesen sind, leben besonders häufig in denselben Stadtvierteln. Bei einer Untersuchung von 36 deutschen Städten wurde festgestellt, dass dort Quartiere existieren, in denen sich mehr als die Hälfte der Kinder im SGB-II-Leistungsbezug befinden (vgl. Helbig & Jähnen 2018, S. 11). Das Risiko der Armutsbetroffenheit sowie die Permanenz der Armut erhöhen sich bereits ab einer Verdichtung von Haushalten mit einem niedrigen Sozialstatus von 20 % (vgl. Kohler-Gehring 2019, S. 117). Durch sozialen Wohnungsbau wird die räumliche Konzentration von Armut noch verstärkt, indem Sozialwohnungen oftmals in ohnehin bereits durch Armut segregierten Stadtteilen erbaut werden (vgl. Helbig & Jähnen 2018, S. 11).
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Kinder- und Jugendarmut in einem wohlhabenden Land wie Deutschland ein und formuliert die zentralen Forschungsfragen sowie das methodische Vorgehen.
2 Kinder- und Jugendarmut in Deutschland: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe, diskutiert die Schwierigkeiten der Abgrenzung von Kindheit und Jugend und erläutert verschiedene Ansätze zur Messung von Armut.
3 Mehrdimensionale Deprivationen und ihre Auswirkungen auf die Lebenschancen: Das Kapitel analysiert die strukturellen Folgen von Armut, insbesondere in den Bereichen soziale Segregation, Gesundheit und Bildung.
4 Transgenerationelle Transmission von Armut: Hier wird der Prozess der generationsübergreifenden Armutsübertragung wissenschaftlich beleuchtet und anhand empirischer Studien wie der AWO-ISS hinterfragt.
5 Kinderarmut aus Sicht der Sozialen Arbeit: Dieses Kapitel untersucht, wie Fachkräfte in der Sozialen Arbeit mit den Folgen von Armut umgehen können, mit Fokus auf Resilienzförderung und Frühe Hilfen.
6 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und betont die Notwendigkeit für weiterführende Forschung und eine Anpassung des Sozialhilfesystems.
Kinderarmut, Jugendarmut, intergenerationelle Transmission, Armutsspirale, Soziale Segregation, Bildungsungleichheit, Resilienzkonzept, Frühe Hilfen, Soziale Arbeit, Mehrdimensionale Deprivation, Sozialer Status, Lebenschancen, Armutsprävention, Sozialisation, SGB II.
Die Arbeit befasst sich mit der Thematik der Kinder- und Jugendarmut in Deutschland und untersucht, wie sich Armutssituationen von einer Generation auf die nächste übertragen (intergenerationelle Transmission) und welche Herausforderungen dies für die Soziale Arbeit mit sich bringt.
Zu den zentralen Themen gehören die Definition und Messbarkeit von Armut, die Auswirkungen multipler Deprivationen auf die Lebenschancen von Kindern sowie die Analyse sozialwissenschaftlicher Erklärungsansätze für die Reproduktion von Armut.
Die Arbeit untersucht unter anderem, ob Kinder aus deprivierten Familien geringere Erfolgsaussichten haben, wie der Prozess der intergenerationellen Reproduktion von Armut erklärt werden kann und welche Interventionsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit zur Verfügung stehen.
Zur Beantwortung der Forschungsfragen wird die Methode der Literaturanalyse angewandt, um bestehende empirische Studien und theoretische Konzepte zusammenzuführen und kritisch zu reflektieren.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Lebenssituationen von in Armut aufwachsenden Kindern, die Untersuchung der Armutsübertragung mittels Studien wie der AWO-ISS sowie die Darstellung handlungspraktischer Ansätze der Sozialen Arbeit wie das Resilienzkonzept.
Schlüsselbegriffe sind vor allem Kinder- und Jugendarmut, soziale Segregation, intergenerationelle Transmission, Bildungsungleichheit sowie präventive Ansätze wie Frühe Hilfen.
Nein, die Arbeit stellt dar, dass in Deutschland vorrangig von relativer Armut gesprochen wird, da absolute Armut als Mangel an existenzsichernden Ressourcen nur in sehr geringem Maße auftritt, während relative Armut die soziale Teilhabe und Lebensstandards einer Gesellschaft in den Mittelpunkt rückt.
Das Resilienzkonzept wird als eine Methode diskutiert, mit der die Soziale Arbeit individuelle Widerstandskräfte bei Kindern stärken kann, um trotz belastender Armutsverhältnisse eine positive Entwicklung zu ermöglichen, wobei die Autorin auch kritische Sichtweisen darauf beleuchtet.
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