Bachelorarbeit, 2019
59 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Überblick zur Märchentheorie und -forschung
2.1 Frauen in Grimm‘schen Märchen
2.2 Das Grimm‘sche Sneewittchen
3. Frauen im Film
3.1 Die schöne Frau und die starke Frau
3.2 Märchen im Film
4. Die weiblichen Hauptcharaktere in ausgewählten Schneewittchen-Verfilmungen aus dem Jahr 2012
4.1 Mirror Mirror
4.1.1 Die Darstellung Schneewittchens
4.1.2 Die Darstellung der Königin
4.2 Snow White and the Huntsman
4.2.1 Die Darstellung Snow Whites
4.2.2 Die Darstellung der Königin
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern moderne Schneewittchen-Verfilmungen das traditionelle, stereotype Rollenbild der passiven Märchenprinzessin und der rein bösen Stiefmutter aufbrechen und durch die Darstellung komplexerer, emanzipierter Frauenfiguren ersetzen.
3.1 Schöne Frauen und starke Frauen
Das Motiv der Schönheit bestimmte lange Zeit die Darstellungsweise von Frauen in populären Filmen. „Das Ideal weiblicher Schönheit ist ein narratives Muster, das eine Vielzahl medialer Bearbeitungen von der Antike bis zur Neuzeit bestimmt“ (Schul 2015, 544). Die Frau im klassischen Hollywoodkino „der zwanziger bis sechziger Jahre mußte eine außergewöhnliche Schönheit aufweisen, ja sie mußte schöner als alle anderen sein oder doch zumindest als solche inszeniert werden“ (Trimborn 1999, 79; Herv. i. Orig.). Dabei muss bedacht werden, dass das Bewertungskriterium menschlicher Schönheit immer subjektiven Vorstellungen und kulturellen sowie epochalen Anforderungen unterliegt (80).
Theresa Manitz spricht von einer Entwicklung des Schönheitsbildes, das von innen nach außen heraus entsteht, da „Schönheitsideale […] in allen Zeiten einer gewissen Mode unterworfen [sind] [und] je nachdem wie Frauen sich verhalten sollten, spiegelte sich dies in ihrem Äußeren wider“ (2013, 9). Zur Spitze getrieben wurde die Obsession der Schönheit weiblicher Charaktere in Filmen mit der Figur des ‚Vamps‘, die ihrer Funktion entsprechend verführerisch und Verderben bringend ist und als ‚schönste Frau von allen‘ dafür sorgt, dass jeder einzelne Mann ihr verfällt (86). Zudem wird sie oft als männermordende Figur inszeniert, die wie die ‚Femme Fatale‘ durch gefahrbringende, manipulative sexuelle Verlockung an Macht gewinnt (Farrimond 2018, 1).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob zeitgenössische Schneewittchen-Adaptionen das traditionelle, patriarchale Frauenbild der Vorlage überwinden können.
2. Überblick zur Märchentheorie und -forschung: Hier werden theoretische Grundlagen des Volksmärchens und das durch die Brüder Grimm geprägte Frauenbild kritisch beleuchtet.
3. Frauen im Film: Dieser Abschnitt erörtert die feministische Filmtheorie und analysiert die Motive der „schönen“ sowie „starken“ Frau in Hollywoodfilmen.
4. Die weiblichen Hauptcharaktere in ausgewählten Schneewittchen-Verfilmungen aus dem Jahr 2012: Dies ist der empirische Teil, in dem Mirror Mirror und Snow White and the Huntsman hinsichtlich der Darstellung ihrer weiblichen Protagonistinnen untersucht werden.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass eine Loslösung von den Märchen-Stereotypen in modernen Adaptionen nur teilweise gelingt und stark von der filmspezifischen Erzählstruktur abhängt.
Schneewittchen, Märchenadaption, feministische Filmtheorie, Frauenbild, Emanzipation, Mirror Mirror, Snow White and the Huntsman, Gender Pay Gap, Stiefmutter, männertötender Vamp, visuelle Repräsentation, Geschlechterrollen, Volksmärchen, Schönheitsideal, Empowerment.
Die Arbeit analysiert, wie zwei ausgewählte Schneewittchen-Verfilmungen aus dem Jahr 2012 weibliche Hauptcharaktere darstellen und ob diese sich von den passiven, stereotypen Geschlechterbildern der originalen Grimm'schen Märchen lösen können.
Die Schwerpunkte liegen auf der Schnittmenge von Kinder- und Hausmärchen, feministischer Filmtheorie, der Entwicklung von Frauenrollen im Kino sowie der Analyse von Machtverhältnissen zwischen den Figuren.
Das Ziel ist es, die Entwicklung der weiblichen Rollenbilder von der literarischen Vorlage bis hin zu zeitgenössischen Blockbustern zu vergleichen, um den Grad der Emanzipation innerhalb der modernen Märchen-Neuinszenierungen zu bewerten.
Die Autorin nutzt eine vergleichende Filmanalyse, die sowohl die strukturelle Neuerzählung der Märchen als auch die Inszenierung spezifischer weiblicher Charaktere unter Rückgriff auf medienwissenschaftliche und feministische Filmtheorien untersucht.
Neben der theoretischen Einbettung in Märchentheorie und feministische Filmkritik liegt der Fokus auf der filmtheoretischen Analyse von Mirror Mirror und Snow White and the Huntsman, jeweils gegliedert in die Darstellung von Schneewittchen und der jeweiligen Königin.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Emanzipation, Rollenbilder, Grimm'sche Märchen, visuelle Repräsentationsmechanismen, die "schöne Frau" vs. "starke Frau" sowie der Wandel der Interpretation im Laufe der Filmgeschichte.
Während die Königin in Mirror Mirror eher die humoristische und eindimensionale Hexe verkörpert, wird die Königin in Snow White and the Huntsman durch eine psychologisch tiefergehende Vorgeschichte und eine ambivalente Haltung gegenüber Männern komplexer gezeichnet.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass diese Rettungsaktionen oft durch männlich konnotierte Machtsymbole (z.B. der Dolch des Vaters) motiviert sind, was eine tatsächliche, unabhängige Emanzipation im Sinne der feministischen Theorie im Falle von Mirror Mirror eher in Frage stellt.
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