Magisterarbeit, 2008
105 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
1.1. Quellen, Literatur und Forschungsstand
1.2. Thema und Ziel der Arbeit
2. Tod und Sterben im Mittelalter
2.1. Der Heldentod in der mittelalterlichen Gesellschaft
2.2. Der Heldentod im Epos
2.3. Der Heldentod im Nibelungenlied
3. Die wichtigsten Sterbeszenen
3.1. Auslöser für Siegfrieds Tod
3.2. Siegfried stirbt - 16. âventiure
3.3. Die Bahrprobe - 17. âventiure
3.4. Der Untergang der Nibelungen
3.5. Rüdiger von Bechelaren
4. Schluss
Die Arbeit untersucht die Haltung gegenüber Tod und Sterben in mittelalterlicher Literatur anhand des Nibelungenliedes. Ziel ist es, den Heldentod in der mittelalterlichen Gesellschaft zu definieren und zu analysieren, wie zentrale Sterbeszenen – insbesondere Siegfrieds Tod, der Untergang der Burgunden und Rüdigers Treuekonflikt – im Epos dargestellt sind und welche Motive diesen Prozess steuern.
3.1. Auslöser für Siegfrieds Tod
BRANDT schreibt, dass in „Epik […] Handlung erzählt [wird]“ und „damit etwas passiert, muß [sic!] erst etwas anderes passieren, das die weitere Handlung in Gang setzt.“ Die Vorgeschichte zur wichtigen âventiure 16, in der der Held Siegfried ermordet wird, besteht aus zahlreichen auslösenden Momenten zur Tat. Die beteiligten Figuren werden vorgestellt und handeln, wie auch Siegfried selbst aktiv wird und es entstehen Figurenkonstellationen.
Die auslösenden Momente beginnen mit dem Vasallendienst Siegfrieds bei der Brautwerbung Brünhilds auf Isenstein. Gunther vernimmt den Ruf Brünhilds und will die schönste Frau für sich gewinnen. Bei Gunthers Entschluss, die Werbefahrt anzutreten, meldet sich Siegfried als Berater.
“Daz wil ich widerrâten”, sprach dô Sîvrit.
“jâ hât diu küneginne sô vreislîche sit,
swer umb ir minne wirbet, daz ez im hôhe stât.
des muget ir der reise haben wærlîchen rât.”
Aus der Stelle geht nicht hervor, woher Siegfried das Wissen über die Sitten Brünhilds hat. Wie auch die Werbefahrt Siegfrieds zu Kriemhild, basiert Gunthers eigene Brautfahrt auf den Ruf der Auserwählten. Man kann vermuten, dass Siegfried Brünhild schon einmal getroffen hat oder ebenfalls nur ihren Ruf kennt. Diese Tatsache ist auf Kenntnisse des Dichters von anderen Sagen über Siegfried und Brünhild zurückzuführen.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Tod und Sterben im Nibelungenlied ein und erläutert die methodische Herangehensweise sowie den Forschungsstand.
2. Tod und Sterben im Mittelalter: Das Kapitel definiert die Haltung der mittelalterlichen Gesellschaft zum Sterben und erläutert den Heldentod sowie die Personifizierung des Todes.
3. Die wichtigsten Sterbeszenen: Hier werden die zentralen Szenen wie Siegfrieds Tod, die Bahrprobe und der Untergang der Nibelungen anhand ihrer dramaturgischen Funktion detailliert analysiert.
4. Schluss: Das Schlusskapitel fasst die epischen Entwicklungen zusammen und verknüpft die verschiedenen Motive zu einem abschließenden Bild der Katastrophe.
Nibelungenlied, Tod, Sterben, Heldentod, Brautwerbung, Betrug, Rache, Verrat, Bahrprobe, Siegfried, Kriemhild, Gunther, Rüdiger von Bechelaren, Mittelalter, Epik
Die Arbeit analysiert die Darstellung von Tod und Sterben im Nibelungenlied, wobei der Fokus auf den kausalen Zusammenhängen zwischen gesellschaftlichen Normen, persönlichen Konflikten und dem schicksalhaften Untergang der Protagonisten liegt.
Zentrale Themen sind die mittelalterliche Sterbekultur, die Bedeutung von Treueeiden, der Konflikt zwischen Minne und Tod sowie die Rolle von Verrat und List als auslösende Momente für das dramatische Ende.
Das Ziel ist es, den Heldentod im Nibelungenlied durch die Analyse prägnanter Szenen wie den Mord an Siegfried, die Bahrprobe und den Untergang der Burgunden greifbar zu machen und zu verstehen, wie diese Szenen den Handlungsverlauf prägen.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die aktuelle Forschungsliteratur einbezieht, um die Handlungsstränge des Epos strukturell zu durchleuchten und durch Textauszüge zu belegen.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des mittelalterlichen Todesverständnisses und die detaillierte Bearbeitung der „wichtigsten Sterbeszenen“, die den Weg bis zum Untergang nachzeichnen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Nibelungenlied, Tod, Heldentod, Brautwerbung, Rache, Verrat, Bahrprobe und mittelalterliche Epik charakterisieren.
Die Bahrprobe dient im Nibelungenlied als vereinfachtes Gottesurteil, welches die Schuld Hagens visualisiert und für Kriemhild den definitiven Beweis liefert, der sie zur Rache zwingt.
Rüdiger fungiert als tragische Figur, die zwischen den Polen von Treue gegenüber seinem Lehnsherrn Etzel und der freundschaftlichen Bindung zu den Nibelungen steht, was in seinem unvermeidlichen Heldentod gipfelt.
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