Magisterarbeit, 2007
75 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Der Mythos
3. Medea
3.1 Euripides Medea
3.1.1 Medeas Charakter
3.1.2 Der Kindsmord
3.1.3. Die Schuldfrage
3.2 Grillparzers Medea
3.2.1 Medeas Charakter
3.2.2 Der Kindsmord
3.2.3 Die Schuldfrage
3.3 Christa Wolfs Medea
3.3.1 Medeas Charakter
3.3.2 Der Kindsmord
3.3.3 Die Schuldfrage
4. Elektra
4.1 Sophokles Elektra
4.1.1 Elektra
4.1.2 Chrysothemis
4.1.3 Orest
4.1.4 Klytaimnestra
4.1.5 Der Chor
4.2 Hugo von Hofmannsthals Elektra
4.2.1 Unterschiede zur antiken Vorlage
4.2.2 Elektra als Zeitphänomen
4.2.2.1 Psychologische Aspekte
4.2.2.1.1 Elektras Besessenheit
4.2.2.1.2 Hysterie in der Elektra
5. Penthesilea
5.1 Kleists Penthesilea
5.1.2 Quellen
5.1.3 Das Entsetzliche in der Penthesilea
5.1.3.1 Das Amazonengesetz und die Liebe
5.1.3.2 Liebe als Jagd
5.1.3.3 Liebe als Opfer
5.1.3.4 Missverstandene Liebe
5.1.3.5 Übermaß an Liebe
6. Resümee
Diese Arbeit untersucht die literarische Entwicklung und Transformation von drei prägnanten Frauenfiguren der griechischen Mythologie – Medea, Elektra und Penthesilea – innerhalb der deutschen Literaturgeschichte. Ziel ist es, zu analysieren, warum und in welcher Form sich die Charaktere und ihre mythologischen Kontexte über Jahrhunderte hinweg wandelten und welche gesellschaftlichen oder psychologischen Faktoren diese Neuinterpretationen maßgeblich beeinflussten.
1.Einleitung
„Sie hat ihn wirklich aufgegessen, den Achill, vor Liebe. Erschrecken Sie nicht, es läßt sich lesen“1, schreibt Kleist an Goethe und spricht damit selbst aus, was das Publikum sowohl damals, wie auch heute entsetzt, jedoch zugleich fasziniert. Auch die beiden anderen Frauenfiguren Medea und Elektra sind bis heute bekannt dafür, grausame und unverständliche Taten begangen zu haben. Medea hat aus Rache an ihrem Mann Jason ihre eigenen Kinder getötet. Elektra verlangt von ihrem Bruder aus Rache ihre eigene Mutter zu töten. Als Frauen, im Speziellen als Mütter oder auch Töchter, handeln sie entgegen gewohnten Handlungsstrukturen. Ihre Handlungen sind widernatürlich und entsprechen nicht dem, was das Publikum erwarten würde. Darin besteht das eigentlich erschreckende ihrer Handlungen.
Sie als Frauen greifen auf männliche Handlungsstrukturen zurück. Zugleich faszinieren sie das Publikum jedoch ungemein. Wie sonst könnten Erzählungen über diese Figuren über Jahrhunderte in der Literatur bestehen und immer noch erzählt werden, wenn auch in immer wieder veränderter Form?
Die Veränderungen, die diese Frauenfiguren innerhalb der deutschen Literatur erleben, werden in dieser Magisterarbeit eingehend untersucht. Aus diesen Untersuchungen ergeben sich vor allem die Fragen, inwiefern und vor allem warum sich die Figuren über die Jahrhunderte entwickeln und wozu diese Entwicklungen geführt haben.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der grausamen Frauenfiguren in der Literatur ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach ihrer Wandlung über die Jahrhunderte.
2. Der Mythos: Dieses Kapitel erläutert den Mythos-Begriff nach Roland Barthes und betont die ideologische Funktionalität mythischer Stoffe.
3. Medea: Die Untersuchung der Medea-Figur stellt die Versionen von Euripides, Grillparzer und Christa Wolf gegenüber und analysiert die Motive Kindsmord und Schuld.
4. Elektra: Hier werden die Elektra-Dramen von Sophokles und Hofmannsthal unter Berücksichtigung psychologischer Aspekte und zeitgenössischer Strömungen verglichen.
5. Penthesilea: Dieses Kapitel analysiert Kleists eigenständiges Drama und die Problematik von Liebe, Gewalt und den Amazonengesetzen.
6. Resümee: Das Resümee fasst die zentralen Erkenntnisse über die Wandlungsfähigkeit der Mythen und die zeitlose Aktualität der Geschlechterdiskussion zusammen.
Mythos, Medea, Elektra, Penthesilea, Kindsmord, Rache, Weiblichkeit, Literaturgeschichte, Psychoanalyse, Euripides, Grillparzer, Christa Wolf, Sophokles, Hofmannsthal, Kleist
Die Arbeit analysiert die literarische Darstellung und Entwicklung der drei antiken Frauenfiguren Medea, Elektra und Penthesilea in verschiedenen literarischen Werken über die Zeit hinweg.
Zentrale Themen sind die Transformation von Mythen, der Umgang mit dem "Fremden" und dem "Weiblichen", das Motiv des Kindsmordes sowie die Auswirkungen von Rache und Gewalt.
Die Arbeit geht der Frage nach, warum und wie sich die Rollen und Charaktere dieser Frauenfiguren in der deutschen Literatur gewandelt haben und welche Entwicklungen dies vorangetrieben hat.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die verschiedene Fassungen der Mythen gegenüberstellt und dabei auch soziologische sowie psychoanalytische Ansätze zur Interpretation einbezieht.
Der Hauptteil gliedert sich in drei große Abschnitte, in denen jeweils die spezifischen Bearbeitungen der Mythen Medea, Elektra und Penthesilea durch verschiedene Autoren analysiert werden.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Mythos, Kindsmord, Weiblichkeit, Rache und die Namen der behandelten Dramenfiguren und Autoren charakterisiert.
Die Arbeit diskutiert den Einfluss von Freud und Breuer und prüft kritisch, inwieweit die Einordnung von Elektra als Hysterikerin gerechtfertigt ist.
Christa Wolf entlastet die Figur von der Schuld am Kindsmord und interpretiert die Ereignisse als politisches Menschenopfer und Intrige gegen eine Außenseiterin.
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