Bachelorarbeit, 2008
37 Seiten, Note: 1,6
1. Einleitung
2. Historischer Kontext – 18. Jahrhundert
2.1 Industrialisierung, Technisierung und Kapitalismus
2.2 Aufklärung und Französische Revolution
2.3 Historische Situation Deutschlands im ausgehenden 18. – anbrechenden 19. Jahrhundert
3. Deutsche Kultur im 18. Jahrhundert
3.1 Klassische Kulturdefinition
3.1.1 Herders und Humboldts Definition von Kultur
3.2 Deutsche Kultur des 18. Jahrhunderts - Eigene Wahrnehmung
4. Goethes Bild der deutschen Kultur
4.1 Wilhelm Meisters Wanderjahre - Handlung
4.2 Bilder einer vormodernen deutschen Kultur
4.2.1 Tradition und Moderne
4.2.2 Konzeption der Entsagung
4.2.3 Notwendigkeit der Vergesellschaftung – Lenardos und Odoards Modelle zur Vergesellschaftung
4.2.4 Zweck-Mittel Beziehungen
4.2.5 Entwicklung und Ökonomie
5. Fazit
Diese Bachelorarbeit untersucht, inwiefern Goethes „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ Anzeichen einer modernisierungsfähigen Kultur im ausgehenden 18. Jahrhundert aufweist und wie sich diese Kultur im Prozess der Modernisierung verhält. Ziel ist es, eine Definition der deutschen Kultur jener Zeit vor dem Hintergrund historischer und gesellschaftlicher Umbrüche zu erarbeiten.
4.2.4 Zweck-Mittel Beziehungen
In den Wanderjahren lassen sich viele verschiedene Mittel-Zweck-Beziehungen finden. Nach Habermas stellen besonders diese Verhältnisse den Übergang einer traditionellen zu einer modernen Gesellschaft dar. Diese Grenze sieht Habermas darin, dass das institutionelle System einer Gesellschaft oder einer Nation ihre Unangreifbarkeit verliere, dadurch, dass traditionelle Muster durch ihre mangelnden vernunftgemäßen Zweck-Mittel-Beziehungen angreifbar werden würden. So habe das traditionelle und klassische Verständnis von Politik noch bis ins 19. jahrhundert Einfluss auf entstehende nationale Systeme gehabt. Politik sei erstens „Fortsetzung der Ethik [zweitens] pädagogisch und nicht technisch [und drittens] nicht mit strenger Wissenschaft…“ messbar. Moderne Ansichten über soziale Strukturen innerhalb einer Gesellschaft sind geprägt davon diese Gemeinschaft unabhängig von Zeit, Raum und Umständen zu begründen. Anzeichen einer Moderne sind unter anderem, dass der Mensch als Mitglied einer Gesellschaft als Werkzeug angesehen wird und sich die Politik von der Moral löse. Politik wird somit ein Instrument zur Regelung des Lebens in einer Gesellschaft.
Ein Nebeneinander von traditionellen und modernen Methoden findet man bereits in Hinblick auf die beschriebene Kommunikation in den Wanderjahren. So werden noch traditionelle Briefe verschickt, die Technisierung ermöglicht aber bereits die moderne Telekommunikation, die im Roman ebenfalls erwähnt wird. Diese unterschiedlichen Kommunikationsformen sollen eine, der von der Herrschaft und Unterdrückung durch die staatliche Gewalt, unabhängige und intersubjektive Kommunikation unter den Mitgliedern der Gesellschaft ermöglichen. Gegensätzlich dazu soll nach Lenardo öffentliche Kommunikation genutzt werden, um die Gesellschaft zu lenken.
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Fragestellung bezüglich der Modernisierungsfähigkeit der deutschen Kultur im Spiegel von Goethes „Wilhelm Meisters Wanderjahre“.
2. Historischer Kontext – 18. Jahrhundert: Dieses Kapitel erläutert die ökonomischen und politischen Umbrüche wie Industrialisierung und Französische Revolution als Rahmenbedingungen für den gesellschaftlichen Wandel.
3. Deutsche Kultur im 18. Jahrhundert: Es werden soziologische Kulturbegriffe sowie die Definitionen von Herder und Humboldt analysiert, um eine Basis für den Kulturbegriff des 18. Jahrhunderts zu schaffen.
4. Goethes Bild der deutschen Kultur: Hier erfolgt die textanalytische Untersuchung des Romans, wobei Handlung und zentrale Konzepte wie Entsagung und Vergesellschaftung auf ihre Modernität hin geprüft werden.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Goethe trotz seiner Kapitalismuskritik das Potenzial zur Modernisierung erkennt und an die Eigenverantwortung des Individuums appelliert.
Wilhelm Meisters Wanderjahre, Goethe, Deutsche Kultur, 18. Jahrhundert, Modernisierung, Industrialisierung, Entsagung, Vergesellschaftung, Mittel-Zweck-Beziehung, Individualität, Nationalstaat, Tradition, Aufklärung, Soziologie, Literaturanalyse.
Die Arbeit untersucht Goethes Roman „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ unter der Fragestellung, wie sich die deutsche Kultur im ausgehenden 18. Jahrhundert im Kontext von Modernisierungsprozessen definiert und darstellt.
Die Arbeit konzentriert sich auf die Wechselwirkungen zwischen Tradition und Moderne, den aufkommenden Kapitalismus, die Konzepte der Entsagung sowie die Rolle des Individuums in einer sich wandelnden Gesellschaft.
Das Ziel ist die Findung und Definition einer deutschen Kultur des ausgehenden 18. Jahrhunderts sowie die Identifikation von Anzeichen, die diese Kultur als modernisierungsfähig ausweisen.
Die Autorin wählt ein historisch-soziologisches Vorgehen sowie eine textanalytische Methode, um nah am Werk Goethes dessen Sicht auf die deutsche Kultur und deren Aussichten zu erarbeiten.
Der Hauptteil analysiert Goethes Bild der deutschen Kultur, führt in die Handlung des Romans ein und untersucht detailliert Konzepte wie die Entsagung, Zweck-Mittel-Beziehungen und die Notwendigkeit der Vergesellschaftung.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Modernisierung, Entsagung, Vergesellschaftung, Industrialisierung, Individuum, Nationalstaat und das Werk „Wilhelm Meisters Wanderjahre“.
Es dient als Gegenstück zur Selbstverwirklichung und wird als notwendiges Mittel dargestellt, um eine Integration des Individuums in die neue, moderne Gesellschaft unter Wahrung gewisser Werte zu ermöglichen.
Goethe steht der Nationalstaatsbildung kritisch gegenüber; er bezweifelt die Stabilität eines solchen Konstrukts und präferiert eher dezentrale Modelle, da er durch Zentralisierung den Verlust individueller und regionaler Charaktere fürchtet.
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